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Silje Nergaard: If I Could Wrap Up A Kiss

Weihnachts-Jazz aus Norwegen

Alle Jahre wieder ... werden wir mit demselben X-Mas-Gedudel an jeder Ecke belästigt. Die norwegische Sängern Silje Nergaard, deren Karriere bereits im zarten Alter von 16 Jahren Anfang der 80er begann, hat sich vorgenommen, das zu ändern – und legt mit „If I Could Wrap Up A Kiss“ ihre eigene Vorstellung eines Weihnachtsalbums vor…

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Man kennt das, leider: Es beginnt schleichend im Oktober – die ersten Schokoweihnachtsmänner, die ersten Glitzergirlanden in Kaufhäusern und Supermärkten, die ersten Lebkuchen, die ersten zweckentfremdeten Tannenbäume. Man kennt das: Wenn Ende November die immer gleichen Weihnachtsschnulzen auf einen herniederprasseln, ist man schon so sehr mit Weihnachtskommerz bombardiert worden, dass man aufs eigentliche Fest längst keine Lust mehr hat. In Kindertagen war das noch nett: Da wusste man noch nicht, dass der Weihnachtsmann das Werbemaskottchen von Coca-Cola ist, und mit Religion und Geschichte hatte man sich noch nicht eingehend genug beschäftigt, um den 24. Dezember zu hinterfragen. Wer das Glück hatte, dass seine Eltern eine heimelige Weihnachtsshow zelebrierten, der hat diese Tage sicher noch in guter Erinnerungen und trauert ihnen bisweilen hinterher, wenn er sich heute durch die undurchdringliche Wand des Weihnachtsterrors in den Innenstädten kämpft.

Dieser Weihnachtsterror ist vor allem musikalisch ein Graus: Mit offenen Ohren geht man nur einmal über den Weihnachtsmarkt, danach hat man nur noch die Möglichkeit, sich mit billigem Glühwein zu betäuben. Da kommt ein Ansatz wie der der norwegischen Musikerin Silje Nergaard gerade recht: „Ich wollte eine andere Weihnachtsplatte machen, der ich meinen eigenen Stempel verpassen kann. Etwas in der Klanglandschaft, zu der ich sowieso gehöre. Ich bin ein großer Fan guter Songs, die sich über die Melodie definieren.“

Statt „Jingle Bells“ zum tausendsten machte sie sich also auf die Suche nach unbekannteren Weihnachtsliedern und schrieb noch eine Handvoll eigener dazu. Silje Nergaard ist enorm erfolgreich, was vor allem daran liegt, dass sie Jazzeinflüsse poptauglich macht – mit leider ein wenig zuviel Pop, um noch wirklich gut zu sein. Die Frau kann zweifellos singen, sie hat ein verdammt gutes Gespür für Melodien und Gesangslinien. Aber von dem, was Jazz ausmacht – der Spontaneität, der gezielten, gewagten Dissonanz – ist sie zu weit entfernt. Dennoch sind die Stücke auf „If I Could Wrap Up A Kiss“ weit angenehmer als das Fahrstuhlgedudel, über das sich Weihnachten heutzutage definiert. Und was auffällt: Ihre Songs klingen sehr amerikanisch. Schon beim Opener (eine Kollaboration mit dem deutschen Schnulzen-Jazzer Roger Cicero) fühlt man sich in eine Art Hollywood-Weihnachten versetzt. Kevin & Co. lassen grüßen.

Auch Nergaards Songs sind höchst radio- und massentauglich, sie sind eingängig, simpel und seicht – aber etwas anderes sollte man bei dem Thema auch nicht erwarten. Was sie vom Einheitsbrei abhebt: Sie nerven nicht. Dafür sorgt der nuancierte Jazzeinfluss, der den Klangstrukturen das gewisse Etwas gibt. Es sind Lieder, die man an einem gemütlichen Abend wunderbar nebenbei hören kann. Ohne die Konzentration auf was auch immer zu beeinträchtigen geben sie ein gutes Gefühl – ein klein wenig von dem Gefühl, das man als Kind hatte, und auch wenn dem nicht so ist, könnte man meinen, dass es draußen schneit. Wenn man also schon Geld für ein Weihnachtsalbum ausgeben muss, dann sollte man sich für dieses entscheiden. (gw)


Silje Nergaard: If I Could Wrap Up A Kiss ist sanfter Weihnachts-Pop-Jazz (Sony)
Silje Nergaard: If I Could Wrap Up A Kiss ist sanfter Weihnachts-Pop-Jazz (Sony)

Datum: 17.11.2010

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