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Das Erscheinen der UnendlichkeitDas wievielte Studioalbum von Avantgarde-Klampfer Buckethead ist das nun? Das dreißigste? Oder doch schon das vierzigste? Egal, man kann es nicht mehr zählen. Soviel steht fest: Es ist sein drittes Solowerk in 2010, und es lässt das Jahr atmosphärisch ausklingen. Anzeige 2010 scheint für Buckethead musikalisch ein Jahr der ruhigen, der melancholischen Klänge zu sein. Neben „Shadows Between The Sky“ und dem Banjo-Experiment „Spinal Clock“ nahm er gemeinsam mit Brian Mantia (der auch auf Captain EO an den Drums sitzt) das umfangreiche Improvisationswerk „Best Regards“ und „Kind Regards“ auf und veröffentlichte gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Travis Dickerson unter dem bezeichnenden Titel „Left Hangin’“ Stücke, die aus den Thanatopsis-Sessions übrig geblieben und zu schade für die Schublade waren. Dass Buckethead seit Jahr und Tag ein Fan Michael Jacksons ist, ist bekannt – kaum verwunderlich also, dass er 2009, nur wenige Tage nach dessen Tod, den dem Künstlerkollegen gewidmeten Song „The Homing Beacon“ als kostenlosen Download ins Netz stellte. Nun kommt mit „Captain EO’s Voyage“ die umfangreichere Hommage, die vor Anspielungen und Zitaten strotzt, und doch ein höchst eigenständiges Werk ist, das sich perfekt in die Reihe Colma – Electric Tears – A Real Diamond In The Rough einfügt. Captain EO, das war ein 17minütiger 3D-Film, gedreht im Jahr 1986 von Francis Ford Coppola und George Lucas für die Disneythemenparks (die Buckethead in seiner eigenen morbiden Version als „Bucketheadland“ mehrmals verarbeitet hat). Jackson spielte damals die Hauptrolle, und er ziert auch in einer grafischen Interpretation des Medienkünstlers Brian „Frankenseuss“ Theiss das Cover von Bucketheads Album. Die zwölf Tracks sind eine Fortschreibung dessen, was Buckethead bereits mit „The Return Of Captain EO“ (auf „A Real Diamond In The Rough“) und „Walk On The Moon“ (auf „Shadows Between The Sky“) begann. Titel wie “Trails Of Moondust”, “Dancing The Dream”, Backwards Footprint” oder “Tears In The Mirror” zeigen an, wohin Captain Eos Reise geht. Der rote Faden der Stücke ist das Auftauchen aus dem Dunkel, oder zumindest der Versuch. „Light“ beginnt mit Saitenanschlägen, die klingen wie der disharmonische Gesang eines Wals, der sich auflöst, der durchscheinender wird, je näher er der Wasseroberfläche kommt, um dann abgelöst zu werden von einem bluesigen, sonnendurchfluteten Solo, unterlegt mit den dumpfen, monotones Unheil verkündenden Bassakkorden Dan Montis. Wie so oft fischt Buckethead mit seiner Gibson Les Paul Custom im Strom der Stile, nimmt sich das heraus, was er gerade braucht, und arrangiert alles zu einem immer wieder überraschenden, atmosphärisch ungeheuer dichten Opus. Man kann das genießen, auch wenn man all die kleinen Zitate und augenzwinkernden Akzente nicht versteht, aber es macht umso mehr Spaß, mit geschlossenen Augen zu lauschen und auch beim zehnten Durchgang noch neue kleine Details zu entdecken, während man der puren Spielfreude folgt und sich auf die Bilder einlässt, die Buckethead aus dem Nichts entstehen lässt. (gw) |
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