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No One Knows About Persian Cats

Indierock-Drama aus Iran

Westliche Musik ist in Iran verboten. Von der Zensurbehörde Ershad die Genehmigung zur Veröffentlichung einer CD oder für ein Konzert zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Junge Musiker gehen daher in den Untergrund – sie proben heimlich, immer in Angst vor der Polizei und den Sittenwächtern. Wer vor Publikum spielt ohne eine Erlaubnis zu haben, der riskiert Gefängnis. Das riskierten auch Regisseur Bahman Ghobadi und seine Crew – sie drehten den halbdokumentarischen Spielfilm „No One Knows About Persian Cats“ illegal innerhalb von nur siebzehn Tagen an verschiedenen Locations in Teheran. Das Ergebnis ist ein hoffnungstiftendes Dokument des friedlichen Widerstands.

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Bahman Ghobadi ist berüchtigt. Er gehört zu jenen Perfektionisten, die von Schauspielern und Crews als „schwierig“ eingestuft werden, weil bei ihm jedes noch so kleine Detail stimmen muss. Gelernt hat er das nach seinem Filmstudium als Regieassistent von Abbas Kiarostami. Mit seinem Kurdistan-Drama „Half Moon“ hat er sich in die Spitzenriege iranischer Filmemacher eingereiht. Sein Name wird heute in einem Atemzug mit seinem Mentor Kiarostami und auch Jafar Panahi genannt. Für die Crew wurde der Schwierigkeitsgrad beim Dreh von „No One Knows About Persian Cats“ noch einmal erhöht: Ghobadi drehte den Film ohne Genehmigung mitten in Teheran innerhalb von nur siebzehn Tagen. Aufgrund des knappen Zeitplans und der ständigen Gefahr, dass die Behörden dazwischenfunken, mussten die meisten Szenen mit nur einem oder zwei Takes im Kasten sein. Das sind Umstände, an denen mancher Profidarsteller verzweifeln würde. Für Laienschauspieler scheint es eine unüberwindbare Herausforderung zu sein. Und doch wirkte mit Hamed Behdad nur ein einziger Berufsschauspieler mit – alle anderen spielten sich selbst, und vielleicht ist das das Geheimnis des Films.

Im Zentrum der Handlung steht das Musikerpaar Negar Shaghaghi und Ashkan Kooshanejad, die innerhalb von nur drei Wochen Visa und Pässe für eine Europatour auftreiben und Musiker finden müssen, um ihre Band Take It Easy Hospital zu vervollständigen. Um diese wahre Begebenheit herum haben Ghobadi und seine Co-Autoren Hossein Abkenar und Roxana Saberi eine Filmhandlung geflochten, die die zwei Protagonisten tief in die Indie-Musikszene der Hauptstadt führt. Eine Art „Crossing The Bridge“ unter widrigen Umständen.

Hamed Behdad spielt den überdrehten Idealisten Nader, der westliche DVDs auf dem Schwarzmarkt vertickt und Musiker ohne Genehmigung im Untergrund produziert. Irgendwie gelingt es ihm immer wieder, sich aus den Klauen der Justiz zu befreien. Er macht Ash und Negar mit zahlreichen Bands bekannt – von Pop und Rap über Rock und Metal bis zu klassischen Folk-Combos -, in deren Texten es nur so strotzt vor zynischen Anspielungen auf die Repressionen des Regimes, die Unfreiheit der iranischen Bevölkerung, und die dennoch in ihre Musik jenen unbändigen Drang nach Freiheit packen, dem das theokratische Regime sich früher oder später wird ergeben müssen. Die Generation derer, die nach 1979 geboren sind, lässt sich keine Fesseln mehr auferlegen. Nach einem kleinen Konzert sei er drei Wochen im Gefängnis gewesen, erzählt Ash im umfangreichen Making-Of – für ihn offenbar kein Grund, der Musik abzuschwören, vielmehr ein „jetzt erst recht“.

„Die meisten Filme, die hier gedreht werden, sind sehr artifiziell und geben nicht die Realität wieder“, sagt Bahman Ghobadi. „Wir wollten Teheran so zeigen, wie es ist“. Und das ist offenbar gelungen. Der Film gibt Einblicke in eine Millionenstadt, in der im wahrsten Sinne des Wortes dicke Luft herrscht. Es sind die kleinen Nuancen, die einem immer wieder bewusst machen, dass es so etwas wie einen „normalen“ Alltag dort nicht gibt. Wenn Negar ihr Kopftuch so trägt, dass der Großteil ihrer Haare darunter hervorlugt, dann ist das ein kleines aber kräftiges Symbol des Aufbegehrens. Wenn Nader fragt, ob Negar und Ash verwandt sind, dann macht er klar, dass jedes Treffen mit meist männlichen Musikern auch ohne „Underground“ ein Risiko ist – und wenn der Vater eines Gitarristen mitten in der Bandprobe den Strom abdreht, weil er Angst vor der Polizei und vor übereifrigen Nachbarn hat; klar wird es nicht zuletzt in der bedrückenden Endszene, in der die Polizei eine illegale Party sprengt.

Dass dieser Film überhaupt existiert ist einer passionierten Teamarbeit von Menschen zu verdanken, die genug haben von all den Fesseln, und einem Regisseur, der es auch nach zwölf Stunden Drehzeit noch schafft, seine Crew zu motivieren und mit seiner unbändigen Überzeugungskraft mitzureißen. Es ist ein Film, der mit makellosen, poetischen Bildern daherkommt, und dessen Botschaft unüberhörbar ist: Ihr könnt uns gängeln, ihr könnt uns einsperren, ihr könnt uns das Leben zur Hölle machen – aber aufhalten könnt ihr uns nicht!

„No One Knows About Persian Cats“ ist in Europa bisher nur als UK-DVD auf Farsi mit englischen Untertiteln und umfassendem Bonusmaterial mit faszinierenden Einblicken hinter die Kulissen erhältlich. Man sollte gar nicht erst auf eine deutsche Version warten, sondern direkt zugreifen. Einer jener Filme, die man gesehen haben muss, ohne Wenn und Aber.

Gerrit Wustmann


No One Knows About Persian Cats von Bahman Ghobadi: einer jener Filme, die man gesehen haben muss (Network Releasing / Wild Bunch)
No One Knows About Persian Cats von Bahman Ghobadi: einer jener Filme, die man gesehen haben muss (Network Releasing / Wild Bunch)

Datum: 30.12.2010

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