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Imelda May: Mayhem

Rockabilly – Jazz – Makellos!

“Dublins Antwort auf Amy Winehouse” schrieb die Daily Mail, und zumeist sind solche Sätze Übertreibungen, die man getrost ignorieren kann. Imelda May ist die berühmte Ausnahme von der Regel. Wenn sie gut vermarktet wird, kann Junkie Winehouse bald einpacken. Ihre immens gut gelaunte und Hochstimmung verbreitende Rockabilly-Jazz-Scheibe „Mayhem“ ist so gut, dass es schwer ist, Worte zu finden. Wie das Clash Magazine schrieb: „Das Problem mit einer Künstlerin wie Imelda May ist, dass sie so gut ist, dass es nahezu unmöglich ist, eine kritische Besprechung vorzunehmen; ihre Darbietung ist einfach makellos.“ Stimmt. Unterstrichen. Diese Rezension passt in den Anreißer. Was soll man noch sagen außer: Anhören! Sofort!

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Melancholie und Rhythmus („Get Rythm“ möchte man schreien in Erinnerung an Cash) gepaart mit einer Wahnsinnsstimme, einem perfekten Melodiegespür, verdammt gut aufgelegten Musikern und der exakt richtigen Mischung aus modernem Sound und den musikalischen Elementen, die immer gut waren und immer gut sein werden: Das ist Imelda May. Mayhem! Selten war ein Titel so passend und zugleich so augenzwinkernd, trotz des unübersehbaren koketten Größenwahns.

Dabei ist „Mayhem“ bereits das zweite Album. Man wirft es ein, und man weiß binnen Sekunden, dass es durchlaufen wird, im Auto, im Büro, wieder im Auto, zu Hause, und dass man es am Wochenende vermissen wird, wenn man den üblichen Chill-Out-Dreck ertragen muss. Sie sind alle hier: Die Blue Suede Shoes, die Wild Ones, die Real Wild Childs im Rockhouse mit ihren Cat Clothes Seite an Seite mit Rock N’ Roll Ruby und Mona Lisa nebst Flatfood Sam. Muss man noch mehr erzählen? Muss man sich verzweifelt fragen, wie lange es noch dauert, bis diese Frau bei Brian Setzer anruft und ihn auf die Bühne bittet? (Er wird nicht Nein sagen können – absolut unmöglich!).

Normalerweise neigt man als Musikredakteur dazu, genervt zu sein – was einem da täglich alles an unverlangten Unzulänglichkeiten auf den Schreibtisch flattert, um auf zünftigen Ohrenkrebs vorzubereiten, kann einen in spätmondäne Verzweiflung treiben. Umso erfreulicher sind diese kleinen (großen!) Augenblicke des Glücks, wenn man etwas wie „Mayhem“ in die Finger und in den Player bekommt, das so theatralisch, so irre, so brillant ist.

„Mayhem“ ist eine Tour De Force durch den Rock N’ Roll mit dem dreckigen verrauchten Barflair der 50er – der Soundtrack, auf den einer wie Tarantino nur gewartet hat. Es geht um Liebe, um Tränen, und Schmerz und Liebessschmerz und all den Irrsin, um den es in guter Musik eben geht. Egal wo man sich gerade befindet, wenn man ein Glanzstück wie „Too Sad To Cry“ hört, es befördert einen unmittelbar und unumgänglich an einen schmierigen, dreckigen Tresen, mit einem Bourbon und der xten Zigarette, nachdem man auch diese Geschichte wieder in den Sand gesetzt hat. Und, warum auch immer, mit so einer Musik fühlt es sich gut an. Nur folgerichtig, dass darauf „I’m Alive“ folgt. Fast schon Surfrock. Charlie lässt grüßen. Zuletzt: Diese Version von "Tainted Love" muss man erlebt haben!

Und so weiter. Was soll das Gerede? In Irland hat die Frau sogar Springsteen von der Eins verdrängt. Also, wie eingangs erwähnt: Anhören! Sofort!

Gerrit Wustmann


Imelda May: Mayhem: Die erste wirklich großartige Platte 2011!
Imelda May: Mayhem: Die erste wirklich großartige Platte 2011!

Datum: 24.01.2011

Diskussion: "Imelda May: Mayhem"

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