Man kann von Harmony Korine halten was man will – für die einen sind seine Drehbücher zu „Kids“ und „Ken Park“ überflüssiger Mist, für die anderen eine Offenbarung. Das zumindest beherrscht er: die Gemüter zu spalten. Das zumindest (wenn auch sonst nichts) dürfte auch seinem neuen Streifen „Trash Humpers“ gelingen, der in Deutschland am 25. Februar auf DVD erscheint.
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Zugegeben – ästhetisch hat es was, einen Film, der das Wort „Trash“ im Titel führt, in einer grisselig-gammeligen VHS-HomeVideo-Optik zu drehen; der gesamte Streifen mutet an wie etwas, das man unter Bergen alter verstaubter Dinge auf einem Dachboden oder in einem Keller gefunden hat; ein wenig auch wie die lustigen Heimvideos, auf denen irgendwem irgendwas Unangenehmes passiert, und über die sich halb Deutschland schlappgelacht hat, als Scripted Reality noch nicht gab.
Etwas anderes ist der Inhalt, den man mit solchen Videos nur verwechselt, solange man abgelenkt ist. Da laufen junge Menschen mit Greisen-Gummimasken herum, und dass sie sich an Mülltonnen verlustieren ist nur die Spitze des Eisbergs. Korine dazu: „Als ich noch ein Kind war, gab es in unserer Nachbarschaft eine Gruppe von Rentnern, die in den Hintergassen und unter Brücken rumhingen und sich ständig betranken und tanzten. Eines Nachts sah ich aus meinem Schlafzimmerfenster, wie einige von ihnen Mülltonnen fickten und dabei lachten. Es klang, als ob sie in einer fremden, erfundenen Sprache sprächen. Dies ist ein Film über sie.“
Im Grunde tut Korine in „Trash Humpers“ das, was er immer tut: Er provoziert. Bis zum Erbrechen. Er pinkelt mit Freude auf alles Gutbürgerliche, nimmt es auseinander, reibt es genüsslich in jedweden Dreck, den er finden kann, und dabei ist ihm keine Absurdität zu irre oder zu radikal. Man kann das doof finden oder darüber rätseln, was er uns denn sagen will, wenn seine Trash Humpers auf Kinderfahrrädern im Kreis radeln und hinter sich her Babypuppen über den Rasen ziehen (die später noch mal eine Rolle spielen werden). Der eigentliche Kniff an diesem zweifelhaften Spaß, gegen den Jackass wirkt wie etwas, das im Vormittagsprogramm der Öffentlich Rechtlichen läuft, sind sicher die Gummimasken. Die Alten benehmen sich wie zugedröhnte Kinder, die schon mit fünf Jahren ihren ersten LSD-Trip durchleben.
Der Film ist geschmacklos, wie immer bei Harmony Korine. Vielleicht erhielt das frei erfundene Trash-Drama auch deshalb einen Dokumentarfilmpreis: Es dokumentiert wunderbar, dass der filmische Versuch, Geschmacksgrenzen zu sprengen, eben begrenzt ist. Unterm Strich ist „Trash Humpers“ nämlich vor allem eines: Stinklangweilig. (gw)
Trash Humpers: Gähnende Langeweile in VHS-Optik von Harmony Korine (Rapid Eye Movies)