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Kokowääh

Til Schweiger rockt!

Til Schweiger, dem man vor zwanzig Jahren jegliches Talent absprach, ist im deutschen Feuilleton nicht beliebt, um es euphemistisch auszudrücken. Man rümpft die Nase über seine Gute-Laune-Filme, weil sie so meilenweit entfernt sind von der hochgeistigen Schwere des hiesigen Förderungs-Kinos. Dabei entgeht der Kritiker-Elite leider, dass Schweiger all das richtig gut macht, womit uns Hollywood seit eh und je zu Tode langweilt. In diesem Sinne: Auch sein neuer Streifen „Kokowääh“ rockt! Und zwar richtig!

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Es gibt ein schönes Spiegel-Interview mit Schweiger anlässlich des Kinostarts zu „Zweiohrküken“. Nachdem die SPONtis und Konsorten bereits „Keinohrhasen“ in der Luft zerrissen hatten, hatte er den Stecker gezogen: Keine exklusiven Vorabvorstellungen für Journalisten mehr. Wer drüber schreiben wollte, der musste sich zusammen mit dem gemeinen Pöbel in einen Kinosaal begeben, nachdem er, wie jeder andere auch, ein Ticket gekauft hatte. Um diejenigen Feuilletonisten, die er damit vergrault hat, ist es nicht schade. Eben diese fragten Schweiger in besagtem Interview, worum es denn in „Zweiohrküken“ gehe, und er konterte mit der Gegenfrage, ob die Kollegen denn die Pressemappe nicht gelesen hätten.

Zu „Kokowääh“ bekam der Spiegel nicht mal mehr ein Interview, so dass er sich mit einer fiktiven kleinen Verriss-Story revanchierte, die mehr über die Hamburger Kulturredaktion aussagt als über den Film. Schweiger dürfte dafür indes kaum mehr als ein müdes Lächeln übrig haben. Seine Filme sind nicht nur gut, sondern gehören mithin zum Besten, was das deutsche Entertainment-Kino zu bieten hat. Und so startete „Kokowääh“ mit rekordverdächtigen 830.000 Zuschauern in der ersten Woche.

Einige halten es noch immer für Egomanie, dass Schweiger nicht nur erneut die Hauptrolle spielt (nebst der eigentlichen Hauptrolle seiner Tochter Emma), sondern auch für Drehbuch, Regie und Produktion verantwortlich ist. Man kann es aber auch so sehen: Er erzielt bestmögliche Ergebnisse, indem er dafür sorgt, dass ihm niemand dazwischenfunkt. Gelernt hat er das zweifellos von seinem Mentor Bernd Eichinger.

Zum Film: Drehbuchautor Henry ist abgebrannt. Keine Aufträge, kein Geld, aber bei den Frauen kommt er weiterhin ganz gut an – bis die ein oder andere merkt, dass sie nur das Betthäschen ist. Dann ist auch damit schluss. Und zu allem Überfluss steht eines Tages auch noch die achtjährige Magdalena (Emma Schweiger) vor der Tür, Ergebnis eines One Night Stands. Der Vater will sie nicht, die Mutter hat ihre eigenen Probleme, also muss Henry ran- Und aus dem Lebemann, der mit Kindern erst so gar nichts anfangen kann, wird am Ende natürlich der liebende Vater. That’s it. Kennen wir. Klingt wie eine Zusammenfassung von „Big Daddy“ mit Adam Sandler. Und nimmt sich freimütig auch Anleihen bei diversen anderen Filmen. Das ist aber nicht schlimm. Spätestens seit Brecht wissen wir, dass man es nur richtig gut machen muss, wenn man in der Kunst klaut.

Das besondere am Film ist selbstverständlich nicht die Handlung, sondern deren Umsetzung, die vor guter Laune und Spielfreude nur so sprüht. Schweiger wird hier tatsächlich von seiner eigenen Tochter an die Wand gespielt. Dazu gibt es schöne Bilder, markige Sprüche en masse und eine tadellose Inszenierung. Dass der Film anspruchslos ist? Geschenkt. Dass er eine verdammt heile Welt zeichnet und nicht auf die Idee kommt, die Patchwork-Problematik eingehend zu thematisieren, wie die ZEIT mokiert? Ebenso geschenkt. Schweigers Anspruch ist es, gutes und sehenswertes Unterhaltungskino zu machen. Das kann er wie kein anderer in Deutschland. „Kokowääh“ macht von der ersten bis zur letzten Minute Spaß, und nur darum geht es! (gw)


Til Schweiger & Emma Schweiger rocken richtig in "Kokowääh"
Til Schweiger & Emma Schweiger rocken richtig in "Kokowääh"

Datum: 07.02.2011

 
Artikel ID 90000504

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