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Plagiator (Dr.) zu Guttenberg?

Bröckmanns Woche (3/2011)

„Bröckmanns Woche“ – die neue politische Kolumne auf CineTreff. Woche für Woche wirft Robert D. Bröckmann seinen bissig-zynischen Blick auf die Ereignisse in der Welt. Heute: Das Verteidigungsminister-Plagiat zu Guttenberg.

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Das konservative Deutschland brodelt. Seine Gallionsfigur Karl Theodor zu Guttenberg, ehemals Bundeswirtschaftsminister, nun Verteidigungsminister, steht unter Beschuss. Von links, wie es heißt. Natürlich. Der „linke Mainstream“ wolle einen Spitzenpolitiker demontieren. Aber mal ehrlich: Ja, der Anstoß zur Debatte kam tatsächlich von links. Aber spielt das eine Rolle? Muss man „links“ sein, um Plagiate in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zu verurteilen? Wenn ja, dann steht es noch schlechter um Deutschland, als ich bislang dachte.

Aber drehen wir die Uhr mal ein Weilchen zurück. Immerhin sind die „abstrusen“ (Guttenberg) Vorwürfe gegen den bayerischen Adelsspross nicht der erste Kritikpunkt in dessen Karriere. Als der Jurist im Alter von gerade mal 37 Jahren im Frühjahr 2009 zum Wirtschaftsminister ernannt wurde, fragten viele nach seiner Qualifikation (nachdem Michael Glos bei seiner Amtseinführung wenigstens ehrlich und unumwunden zugegeben hatte, dass er von Wirtschaft keine Ahnung hat und bis dato noch nichtmal wusste, wo das betreffende Ministerium liegt). Er habe „Erfahrungen in der freien Wirtschaft“ gesammelt, hatte Gutti damals gesagt – recht schnell kam heraus, dass diese Erfahrung sich auf die Verwaltung von Papas Vermögen beschränkte. Dennoch Grund genug für Arbeitgeberpräsident Hundt, freudig zu verkünden, dass Guttenberg sich bestimmt um die Belange der deutschen Wirtschaft (die traditionell nicht die Belange der deutschen Bürger sind) kümmern werde.

Aber das Intermezzo dauerte ohnehin nicht allzu lange. Zum Jahresende schon übernahm er das Verteidigungsministerium. Wir erinnern uns: Sein Vorgänger Jung war über die Kunduz-Affäre gestolpert. Die Kunduz-Affäre, das war der Massenmord der Bundeswehr an afghanischen Zivilisten. Die verantwortlichen Kriegsverbrecher hat auch Gutti nicht zur Verantwortung gezogen. Hauptsache, das Ministerium konnte mit einem neuen, weniger belasteten Gesicht aufwarten.

Und darum geht es doch: Guttenberg hat ein Gesicht. Wie ein Model steht er strahlend und glänzend neben dem regierenden Bundeshosenanzug, dessen Mundwinkel dem alten Newton immer weniger widerstehen können. Es ist ein Gesicht (Guttenbergs, nicht Merkels), das sich vermarkten lässt. Und worum geht es denn heute in der Politik, wenn nicht um Marketing. Jeder Minister hat mindestens einen PR-Berater, manche beschäftigen sogar Agenturen, die auf Kosten der Steuerzahler mehr schlecht als recht damit beschäftigt sind, das miserable Image aufzuhübschen. Früher ging das über Themen, über Inhalte, über Positionen und Aktionen, die zwar streitbar waren, die aber immerhin Substanz hatten. Streitbar ist heute gar nichts mehr, es ist nur noch zum Heulen.

Und nun das: Dr. zu Guttenberg soll beim Verfassen seiner Doktorarbeit geschummelt haben. Dr. zu Hegemann? Oder doch lieber Dr. zu Googleberg, wie ihn die taz inzwischen nennt? In der Politik, in den Medien und im gemeinen Volk wird heftig diskutiert, nein, besser, es wird sich empört. Die „Wutbürger“ sind wieder los – und vermutlich ist der Spiegel noch immer stolz auf diesen nach wie vor dämlichsten Neologismus des vergangenen Jahres (der vermutlich auch irgendwo geklaut ist). Die einen verteidigen ihn erbittert (vornehmlich BILDleser, RTLschauer oder Spiegelleser, die sich verwundert die Augen reiben ob der Tatsache, dass das Hamburger Blättchen nach allen den Lobhudeleien wie üblich sein Meinungsfähnchen in den Wind hängt), die anderen beschimpfen ihn wüst, andere üben sich in sachlicher Kritik, aber das Ende steht an sich fest, denn es gibt nur drei Möglichkeiten, wie die Plagiatsgeschichte ausgehen kann, alle mit demselben Ergebnis:

Variante 1: Gutti hat schreiben lassen und der Ghostwriter hat geschlampt. Dann muss man ihm den Dr. aberkennen. Variante 2: Gutti hat absichtlich und wissentlich plagiiert. Auch dann muss man ihm den Dr. aberkennen. Und schließlich Variante 3: Gutti hat tatsächlich ohne böse Absicht selbst so schlampig gearbeitet – das ist zwar höchst unwahrscheinlich, aber es wäre erst recht ein triftiger Grund, ihm den Dr. abzuerkennen, denn sonst kommt bald jeder Depp, der weiß, wie man Strg+C benutzt, auf die Idee, zu promovieren. Und die Uni Bayreuth? Nun, die wird große Mühe haben, ihren guten Ruf wiederherzustellen, denn entweder wurde bei der Kontrolle und Bewertung der Dissertation geschlampt, oder Gutti hatte Fürsprecher vor Ort (was ja in „Elite“kreisen nicht selten ist), die Augen und Ohren kräftig zugedrückt haben – beides ein Armutszeugnis für jede Universität.

Bleibt zuletzt die spannendste Frage: Wird Gutti bleiben oder gehen? Wird er selbst seinen Hut nehmen oder gegangen werden? Oder wird die Machtelite versuchen, ihn zu behalten, als wäre nichts gewesen, wie so oft?

Bis die Tage … Ihr Bröckmann

Datum: 19.02.2011

 
Artikel ID 90000522

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