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Fukushima 2011: Kernkraft ist sicher!

Bröckmanns Woche (5/2011)

So ruhig war es in dieser Woche – abgesehen vom Bürgerkrieg in Libyen, in dem Gaddafi langsam wieder Land gewinnt, indem er Leichenberge anhäuft. Aber wenigstens bringt das benachbarte Diktatoren dazu, endlich Reformen einzuleiten. Und dann Japan. Bröckmann wundert sich. Atomkraft gilt doch als sicher…

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Wir erinnern uns: die schwargelben Busenfreunde der Atomlobby haben gerade erst den Ausstieg aus dem Ausstieg erklärt, die Laufzeiten der deutschen Uraltmeiler verlängert, Fördergelder, die dringend für Erneuerbare Energien benötigt würden, versinken im atomaren Sumpf und der Steuerzahler übernimmt die Kosten. Atomkraft ist billig und sicher, lautet die Message, die von den vier großen deutschen AKW-Betreibern in die Welt geblasen wird.

Derweil ist Japan ein Trümmerfeld. Der 11. März 2011 dürfte als einer der katastrophalsten Tage nicht nur in die japanische Geschichte eingehen. Erst verwüstete ein massives Erdbeben mit über fünfzig Nachbeben das Land, dann begrub ein Tsunami ganze Landstriche unter sich, mehrere Küstenstädte sind komplett zerstört, mehrere Zehntausend Menschen werden vermisst, die Schätzung von rund 11.000 Toten dürfte noch optimistisch sein. Als wäre das nicht genug, fallen im AKW Fukushima die Kühlsysteme aus. Strahlung tritt aus, am Samstagmorgen explodiert das Containment und die Befürchtung einer Kernschmelze in einem von sechs instabilen Reaktoren wird laut. Die international in die Wege geleiteten Rettungsaktionen müssen aufgrund der unsicheren Lage um das AKW teilweise abgebrochen werden.

Selbst wenn das Reaktorgehäuse halten sollte und die Kontaminierung sich am Ende – man kann es nur hoffen – in Grenzen hält, zeigt dieser Fall doch in aller Deutlichkeit: Atomkraft ist nicht sicher. Das Problem bezogen auf das AKW ist nicht die Naturkatastrophe, die an sich schon schlimm genug ist. Nein, das Problem ist, dass der Mensch wider besseren Wissens mit einer Technik spielt, die er nicht beherrscht. Albert Einstein hatte davor ungleich größeren Respekt – er hielt die Menschheit für nicht reif genug, um mit der Nukleartechnologie umgehen zu können. Er hatte Recht. Als ob das noch einer Bestätigung bedurft hätte.

Dass dem deutschen Außenminister Guido Westerwelle angesichts der zu Recht erneut aufbrandenden Atomdiskussion nun nichts Besseres einfällt, als Redeverbote zu erteilen, zeugt von einer schier grenzenlosen Arroganz und Realitätsblindheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt in vorauseilendem Aktionismus an, die deutschen Meiler, die teils ähnlich alt sind wie der in Fukushima, zu „überprüfen“. Vermutlich hat sie diese Äußerung nicht getätigt, ohne sie vorher mit Vertretern der hiesigen Atomindustrie abzusprechen, die nicht müde wird zu behaupten, Atomenergie sei billig und sicher. Es stimmt weder das eine noch das andere, zumindest nicht für die Bevölkerung. Für die Energiewirtschaft stimmen diese Behauptungen durchaus. Atomstrom lässt sich vor allem mit Uraltmeilern unglaublich billig erzeugen und zu Wucherpreisen verkaufen, an denen sich nichts ändern wird, solange das zahnlose Kartellamt nicht einschreitet. Billig und sicher ist sie für die Betreiber aus noch einem anderen Grund: Im GAUfall haftet nämlich nicht der Betreiber, sondern der Steuerzahler. Auch eine schwarzgelbe Erfindung, deren Verfassungskonformität fraglich ist.

Es wird in den nächsten Tagen viel über das Thema diskutiert werden, während man hofft, dass die Situation in Japan sich nicht verschlimmert – dennoch wird Fukushima als legitimer Tschernobyl-Nachfolger durchgehen. Die Lobby der Konzerne wird alles tun, um zu beschwichtigen, und man darf davon ausgehen, dass die amtierende Bundesregierung ihr dabei zur Hand gehen wird. Man wird behaupten, dass so etwas bei uns nicht passieren kann. Man wird behaupten, die deutschen Meiler oder auch die in unseren Nachbarländern seien sicher. Man muss ihnen dann vehement erwidern: Genau das haben die Japaner bis gestern auch behauptet.

Die Grundversorgung aus Erneuerbaren Energien könnte längst Realität sein in Deutschland, wenn sie nicht aus reinen Profitgründen von den AKW-Betreibern ausgebremst würde. Aber es gibt kein stichhaltiges Argument für Laufzeitverlängerungen. Kein einziges. Es ist schlimm genug, dass erst eine solche Katastrophe wie in Japan passieren muss, um die Menschen aufzuwecken, und trotzdem wird es jene geben, die der Atomenergie weiterhin treu bleiben. Für alle anderen gilt: Den Ausstieg forcieren. Jetzt! Es wäre ein Sieg der Vernunft.

Bis die Tage … Ihr Bröckmann

Datum: 12.03.2011

 

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