logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Neue Platten - Musik News Kino Film Francesco Tristano: bachCage

Francesco Tristano: bachCage

Bach über Grenzen

Es gibt in der Musiklandschaft Stilbrüche, die von neu und interessant bis geht wirklich gar nicht reichen. Auf den ersten Blick könnte man Francesco Tristano für einen Vertreter des Letzteren halten – aber weit gefehlt. Sein Versuch Clubmusik mit Klassik zu verbinden mag zwar erstmal Verwunderung hervorrufen, doch das Experiment glückt. Derzeit zu hören auf seinem für die DGG aufgenommenen elften Album unter dem bezeichnenden Titel „bachCage“, das am 18. März via Universal erschien.

Anzeige
Counter

 

Das Besondere an Tristano ist, dass er im Gegenteil zu den Puristenhorden, für die Klassik Klassik und Techno Techno ist, verstanden hat, worum es in der Musik eigentlich geht – nämlich eben nicht um das konservative Festhalten an Konventionen und Genregrenzen, sondern um die Offenheit, die Experimentierfreude und das sprengen eben dieser Grenzen. Allerdings nicht um der Provokation willen, sondern um neue Wege zu gehen, zu ergründen, was musikalisch machbar ist.

Dass sein Spiel bei aller Leichtigkeit höchst virtuos ist, ist mehr als eine Dreingabe. Wie alle guten Musiker fing er früh an: Erstes Piano mit fünf, erstes Konzert mit 13 Jahren. Inzwischen ist er 29. Der gebürtige Luxemburger studierte an der New Yorker Juilliard School, lernte und spielte in aller Welt und lebt heute in Barcelona. Das soll nicht heißen, dass er sesshaft geworden ist. Erst recht nicht musikalisch.

So ist es im Grunde nur Folgerichtig, Bach (dessen Goldbergvariationen Tristano 2002 interpretierte, bevor er unter dem Titel „Not for Piano“ Techno-Klassiker adaptierte – natürlich am Piano) mit John Cage zu kombinieren, denn auch Cage steht ja wie kaum ein anderer für Innovation im besten Sinne, für das Austesten, Sprengen, Überwinden von Grenzen, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Denn was sind Grenzen, was sind Genres anderes als Schubladen, oft unzulässige Kategorisierungen, die das Marketing erleichtern? Man zittert jetzt schon vor der urdeutschen Frage, ob man Tristanos Musik denn nun unter U oder E einordnen solle. Tristano würde vermutlich sagen: Weg mit diesen albernen Schubladen!

Bach und Cage zusammen – ist das eine Provokation? Vermutlich wird der ein oder andere es so sehen. Dabei eröffnen sich auch dem Hörer ganz neue Perspektiven, wenn er sich darauf einlässt, erstmal auf Tristanos eigenwillige aber gerade deshalb faszinierende Interpretation, und außerdem auf etwas, das man so nicht erwartet: Bach und Cage fließen tatsächlich ineinander, wirken plötzlich wie aus einem Guss, da gibt es keinen Bruch, erst recht keinen Stilbruch, es gibt auch keinen Moment der Irritation, sondern nur Natürlichkeit. Wer es nicht glaubt, der überzeuge sich selbst. Es lohnt sich. (gw)


Francesco Tristano: bachCage (Universal / Deutsche Grammophon)
Francesco Tristano: bachCage (Universal / Deutsche Grammophon)

Datum: 20.03.2011

Diskussion: "Francesco Tristano: bachCage"

Um eine Diskussion zu "Francesco Tristano: bachCage" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.

 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 74 - id = 8852 - task = view - option = com_content - limitstart= 0