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Halb Sachsen-Anhalt hat gewählt

(Bröckmanns Woche 6/2011)

In Japan geht die Welt unter, in Libyen greift der Westen ein, und in Sachsen-Anhalt hat der Wähler bewiesen, dass er nicht demokratietauglich ist – Bröckmanns Woche.

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Die Welt steht Kopf. Innerhalb weniger Wochen wurden die Glaubenssätze der westlichen Hemisphäre auf den Kopf gestellt. Technologisierung hilft nicht gegen massive Naturkatastrophen, das konnten wir in Japan beobachten, und auch, dass Atomkraft so einiges ist, aber bestimmt nicht sicher. Derweil steht die Bevölkerung der arabischen Länder auf und verjagt die größtenteils vom Westen gestützten Despoten. Dem Westen wiederum ist es nur recht, dass die Aufmerksamkeit auf Japan und Libyen liegt – und nicht auf Jemen oder Bahrain, denn da wäre man mit demokratischer Selbstbestimmung noch weniger einverstanden. Dementsprechend kommt die dortige Opposition, die ebenfalls niedergewalzt wird, zur Randnotiz, selbst bei Al-Jazeera.

In all dem Spektakel wählt sich Sachsen-Anhalt eine neue Landesregierung und beweist abermals, dass der Durchschnittsdeutsche einfach nicht demokratietauglich ist. Dass die FDP aus dem Landtag vertrieben wird, ist zu begrüßen, aber das war es auch schon. Denn es war auch zu erwarten, dass die Marktradikalen ihre Klientel nicht im grauen deutschen Hinterland haben, erst recht nicht, nachdem Parteichef Westerwelle mehrfach auf den kleinen Mann gespuckt und ihm klargemacht hat, was er von ihm hält.

Dass die CDU stärkste Kraft bleibt, ist peinlich, erst recht nach den letzten Tagen. Keine Experimente, haben sich die paar Wähler wohl gedacht. Apropos: Es wird überall die hohe Wahlbeteiligung gefeiert, die von 44% auf 53% gestiegen ist. Dass auch 53% erbärmlich wenig sind, darüber spricht niemand. Klarer kann man nicht ausdrücken, wie sehr man ein Bundesland bereits abgeschrieben hat. Der Gewinn der Grünen ist sicher dem Atomthema zu verdanken – aber ihm hätte ein massiver Absturz der CDU zu verdanken sein müssen. Aber offenbar ist es vom Wähler doch zuviel verlangt, billige Wahltaktik als solche zu erkennen. Dass die profil- und konzeptlose SPD im Mittelmaß dahindümpelt wundert wenig, und angesichts des CDU-Gewinns wundert es ebenso wenig, dass die zerstrittene und ebenso konzeptlose Linkspartei zur zweitstärksten Kraft wird. Dass die vorgeblich so tiefroten die Agenda 2010, unter der die Bevölkerung zu leiden vorgibt, mitbeschlossen hat, ist offenbar schon vergessen. Dass die Linke sich mit ihrer kategorischen Ablehnung eines militärischen Eingreifens in Libyen nicht nur der unterlassenen Hilfeleistung schuldig macht, sondern sich gänzlich in den Realitätsverlust geflüchtet hat – es scheint den Wähler nicht zu kümmern. Der ist zufrieden, solange er hinterher über „die da oben“ jammern kann, und solange jemand da ist, der mittels populistischen Tamtams seine Ressentiments bedient – womit wir bei der traurigsten Tatsache dieser Wahl wären: Alle Welt jubelt darüber, dass die rechtsradikale NPD es nicht in den Landtag geschafft hat. Dass sie aber über vier Prozent zulegen konnte und an der 5%-Hürde nur haarscharf vorbeigeschrammt ist, darüber spricht niemand.

Aber genau hierüber muss dringendst gesprochen werden: Darüber, wie solche Wahlergebnisse unter so geringer Wahlbeteiligung zustande kommen, dass es einem mulmig werden kann.

Bis die Tage … Ihr Bröckmann

Datum: 20.03.2011

 

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