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Simpatico(tsch) Die Bücher des amerikanischen Schriftstellers Sam Shepard eignen sich nur bedingt fürs Kino. Die Zuschauer jedenfalls nahmen Filme wie "Silent Tongue" oder "Curse of the Starving Class" nur am Rande wahr. "Paris, Texas" sorgte durch die Regie von Wim Wenders in Europa für Furore, mehr aber nicht. Mit "Simpatico" wurde 1999 wieder einmal das Unternehmen Shepard im Kino in Angriff genommen. Trotz prominenter Besetzung blieben auch diesmal die Zuschauer in den Staaten dem Film fern. Doch der mit vielen Stars dekorierte Film ist die bis dato zugänglichste und wohl beste Shepard-Verfilmung. Anzeige Die ehemaligen Freunde Lyle (Jeff Bridges) und Vinnie (Nick Nolte) eint eine gemeinsame Vergangenheit. Durch Wettbetrug und Erpressung ist es Lyle gelungen, als Unternehmer in Sachen Pferdehandel zu einem angesehenen Mitglied der High Society zu werden. Vinnie indes hat es nicht geschafft, seine Vergangenheit zu den Akten zu legen. Er hat Alkoholprobleme und sucht nach einem Weg im Umgang mit der Schuld. Er lädt Lyle unter einem Vorwand nach Kalifornien ein, obwohl dieser gerade mit dem Verkauf des Hengstes Simpatico vor einem wichtigen Geschäft steht. Vinnies Ziel offenbart sich ebenso wie die gemeinsame Vergangenheit, die in Rückblenden erklärt werden, dem Zuschauer erst spät: Er plant eine Art Rollentausch, in dessen Verlauf dem Opfer der Erpressung (Albert Finney), eine Chance zur Rehabilitation gegeben werden soll. Schuld, Sühne, Moral - das sind Begriffe, die Shepard in seinem dialogreichen Stück behandelt, das von Matthew Warchus in Szene gesetzt wurde, der es bereits auf der Bühne inszenierte. So recht geeignet für eine Kinoverfilmung scheint "Simpatico" nicht, entspricht seine Erzählweise doch nicht den gängigen Mustern. Es bleibt wenig Zeit, die Charaktere in der Sorgfalt vorzustellen, wie es im Theater geschehen kann. Dennoch ist das Zusammenspiel der nicht unähnlichen Typen Nick Nolte und Jeff Bridges spannend. Es gelingt ihnen, wohl auch unterstützt durch eine optische Ähnlichkeit, Parallelen zwischen den beiden Männern offen zu legen, trotz ihrer so unterschiedlichen sozialen Entwicklung. Erst in der letzten halben Stunde taucht mit Lyles Ehefrau Rosie, gespielt von Sharon Stone, ein weiterer bedeutender Charakter auf. Ihr gehört am Ende die wohl spektakulärste Szene des Films. "Simpatico" richtet sich zweifellos an ein anspruchsvolles Publikum, gehört aber trotz alledem zu den eingängigeren Shepard-Verfilmungen. Die Bücher des Schauspielers hinterlassen in der Regel tiefere Eindrücke als die Kinoadaption, wenngleich diese die Möglichkeiten des Films insofern ausnutzt, als dass die grandiose, weil fantasiereiche Kameraführung von John Toll die menschliche Seite der Handlung unterstützt. Frank Rauscher |
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