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William Gay: Nächtliche Vorkomnisse

Südstaatenthriller der Extraklasse

Spannend, atmosphärisch dicht und einfallsreich – „Nächtliche Vorkommnisse“ von William Gay ist ein Südstaatenthriller der Extraklasse

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Die Geschwister Kenneth und Corrie Tyler finden nach dem Tod ihres Vaters heraus, dass der Leichenbestatter Fenton Breece seine Toten nicht sehr sachgemäß behandelt. Mit geklauten Fotos von ihm und seinen geschändeten Leichen versuchen sie Breece zu erpressen - der jedoch engagiert Granville Sutter, einen brutalen Killer, um die Bilder wieder zu beschaffen. Damit beginnt eine blutige und für den Leser atemberaubend spannende Jagd, die einige Menschen das Leben kostet und am Ende eine ganze Familie auslöscht.

Kenneth Tyler, den Gay durch das Tennessee der 50er fliehen lässt, um in der nächst größeren Stadt zur Polizei zu gelangen, wird dabei zu einer gebrochenen Identifikationsfigur. Ein junger Mann mit Ängsten und Schwächen, den die Kindheit mit einem ständig alkoholisierten und prügelnden Vater zu einem misstrauischen und introvertierten Teenager hat werden lassen, bietet dem Killer schließlich die Stirn. Bis dahin aber rennt und stolpert er durch Sümpfe und Wälder oder versteckt sich bei einer ganzen Reihe von kauzigen bis leicht verrückten Zeitgenossen, Charaktere wie die Umgebung, in der sie leben, rüde, eigenwillig und zäh. Einen Schritt dahinter folgt ihm Sutter wie eine lästige Schmeißfliege und scheut sich nicht davor, diejenigen, die Tyler Unterschlupf gewährt haben, zu bedrohen oder sogar zu töten. Gebannt folgt man beiden über die 286 packenden Seiten hinweg auf ihrem Weg durch das Land. Ein besonderer Erzählkniff ist dabei die wechselnde Perspektive, die einem nicht nur einen intensiven Blick in das Gefühlsleben von Kenneth Tyler gewährt, sondern auch hässliche Antihelden wie Granville Sutter oder Fenton Breece näherbringt. Diese vielschichtige Erzählweise, die um die Perspektiven der verschiedenen Nebenfiguren erweitert wird, erlaubt dem Leser, ganz und gar in eine andere Welt einzutauchen und erhöht die Spannung, die diese Hase-und-Fuchsjagd mit sich bringt, durch das Vorstellen hochinteressanter und überwiegend gebrochener Charaktere. Die Sprache des Autors ist dabei schnörkellos und präzise, überrascht aber immer wieder durch wunderbare Sprachbilder und originellen Lokalkolorit.

William Gay arbeitete viele Jahre lang als Schreiner, bevor er mit seinem Roman „Nächtliche Vorkommnisse“ für Aufsehen im amerikanischen Literaturbetrieb sorgte. Kritiker vergleichen Gay oft mit hochrangigen Autoren wie William Faulkner oder Cormac McCarthy, dessen Roman „No Country for Old Men“ von den Coen-Brüdern verfilmt und mit vier Oscars ausgezeichnet wurde. Die Vergleiche sind keineswegs zu hoch gegriffen. Gay entfaltet eine finster-schwüle Südstaaten-Atmosphäre, dessen rauem Charme man sich beim Lesen kaum entziehen kann. Knorrige Gestalten, kaputte Familienidyllen und eine Hetzjagd durch eine faszinierende Landschaft, die ihren ganz eigenen Charakter entwickelt, lassen Gay zu einer echten Entdeckung werden. Bleibt zu hoffen, dass wir von diesem Autor in den nächsten Jahren noch einiges lesen können.

Katja Kutsch


William Gay: Nächtliche Vorkommnisse
William Gay: Nächtliche Vorkommnisse

Datum: 01.05.2011

 

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