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Miguel Angel Vivas: Kidnapped (DVD & Blu-Ray)

Harter Thriller mit Haneke-Anleihen

Mit “Kidnapped” liefert der spanische Regisseur Miguel Angel Vivas einen knallharten Geiselthriller, der über jegliche Geschmacksgrenzen hinausgeht und sich dabei schamlos bei Michael Hanekes perfidem Meisterwerk “Funny Games” bedient. Der Film ist ein Musterbeispiel dafür, dass die Mittel von Juristenkommission und FSK längst nicht so überflüssig sind, wie man manchmal denken mag…

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Eine Familie – Vater, Mutter, Tochter – aus der oberen spanischen Mittelschicht ist gerade erst ins luxuriöse neue Heim eingezogen, als drei maskierte Männer ins Haus eindringen und das fragile bürgerliche Glück zerschlagen. Sie wollen Geld, was sonst. Es beginnt eine gnadenlose, stellenweise unerträgliche 80minütige Gewaltorgie.

Das Positive zu Beginn: „Kidnapped“ ist eindrucksvoll inszeniert. Zu Recht wurde Vivas beim Austin Fantastic Fest als Bester Regisseur ausgezeichnet. Nicht nur, dass er seine Darsteller zu Höchstleistungen antreibt, auch der Stil ist – wenn auch nicht neu – durchweg faszinierend. Vivas drehte den Streifen innerhalb von zwölf Tagen und Nächten mit ebenso vielen Szenen. Jede Szene kommt gänzlich ohne Schnitt aus, was zu einer gewissen Atemlosigkeit beim Zuschauer führt, gegen Ende laufen die Handlungen gar parallel auf einem Splitscreen, der sich im richtigen Moment zu einer Einzelszene zusammenfügt. Die Atmosphäre ist enorm dicht und die Kameraführung innovativ und mutig. Soviel zur Technik.

Dennoch bleibt „Kidnapped“ ein mehr als zweifelhaftes Werk. Das komplette Setting ist bei Haneke geklaut (Hommage kann man das nicht mehr nennen), verzichtet aber sowohl auf dessen künstlerischen Anspruch als auch auf den Focus, den Haneke auf die Figuren legt – Vivas interessiert sich bei seinen Charakteren ausschließlich für deren psychisches und physisches Leid. Und das bis zum Exzess. Wo Haneke das Kopfkino zelebriert, hält Vivas drauf, sei es nun eine Vergewaltigung, ein Kopfschuss aus nächster Nähe in ein verzweifeltes Gesicht, sei es die Demontage eines Kopfes mit einem harten Gegenstand, usw.

In aller Regel sind die Eingriffe der Jugendschützer im Kino ärgerlich, hier wären sie notwendig gewesen. Zwar hat der Film keine Jugendfreigabe bekommen, schlussendlich aber hat die Juristenkommission die ungekürzte Fassung durchgewunken. Eine Google-Suche offenbart, dass sich leider genau die Falschen für den Streifen interessieren – nämlich jene, die bereits jetzt sabbernd darauf warten, sich zum Release am 3. Juni an der blanken Gewalt weiden zu können. „Kidnapped“ ist Torture Porn in Reinform, allerdings gänzlich ohne augenzwinkernde Elemente, und es darf bezweifelt werden, dass die Mehrheit des Publikums in der Lage ist, hiermit angemessen umzugehen. (gw)


Kidnapped - ein Film, der in jeder Hinsicht grenzwertig ist
Kidnapped - ein Film, der in jeder Hinsicht grenzwertig ist

Datum: 18.05.2011

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