Es gibt vielleicht ein Kriterium, anhand dessen man beurteilen kann, ob einem Musiker die Musik wichtiger ist oder das schnöde Berühmtsein: Drängt er / sie sich in die Öffentlichkeit oder eher ins Verborgene, während die Songs sprechen? Für Letztere gibt es viele Positivbeispiele. In der Oberliga gehört Axl Rose dazu (bei dem das Schweigen sicher Teil der Inszenierung ist), Mark Otis Selby fällt einem ein, und irgendwo dazwischen bewegt sich Madeleine Peyroux, die mit „Standing On The Rooftop“ nun ihr viertes Studioalbum vorlegt (erscheint am 10. Juni via Embracy / Universal).
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Peyroux, die Amerikanerin mit französischen Wurzeln, die einst auf Pariser Straßen sang und inzwischen mit Billie Holiday verglichen wurde (einer dieser wenigen Vergleiche, die lediglich absurd klingen, es aber nicht sind), sucht man in den Klatschspalten vergeblich, und auch im branchenüblichen Business-Talk kommt sie allenfalls als Fußnote vor. Das spricht für sie. So leise und verhalten wie ihr persönlicher Habitus ist ihre Musik, bei der man vorsichtig sein sollte: Man darf sie nicht nebenbei hören. Denn dann besteht die Gefahr des Dahinplätscherns, die enorme Zurückhaltung führt dazu, dass man Peyroux leicht übersieht. Nein, stattdessen sollte man sich Zeit nehmen – ein paar Stunden, mindestens, denn „Standing On The Rooftop“ muss man mehrmals hören, um seine Vielschichtigkeit wenigstens ansatzweise erfassen zu können.
Das liegt nicht nur an Peyroux’ Fähigkeiten als Songwriterin und Sängerin, sondern auch an dem eindrucksvollen Team, das sie um sich versammelt hat, angefangen bei Produzent Craig Street (Norah Jones) bis hin zu Johnny-Cash-Alumni Charley Drayton an den Drums, von Chris Bruce an der Gitarre gar nicht erst zu sprechen.
Sie hat sich Zeit gelassen, um ihren Stil zu entwickeln, viel hat sie mit Coverversionen experimentiert, indem sie Songs anderer großer Künstler (darunter natürlich auch Billie Holiday) ihre eigene Note gab, so wie ganz aktuell mit „Martha My Dear“ von den Beatles. Ihre verhaltenen Stücke, die mitunter auch leichte Blues-Einschläge zeigen, sind vor allem von einer tiefen Nachdenklichkeit geprägt, einem gewissen Abstand zum Objekt, der manchmal wirkt wie eine schüchterne Unsicherheit, die höchst sympathisch ist. „Things I’ve Seen Today“ ist so ein Stück, aber auch der Titeltrack, während „The Way Of All Things“ bei alledem eine versöhnliche Note findet. Dennoch, Peyroux dürfte es schwer haben, so vehement wie sie sich jeglichem Mainstream widersetzt. Aber letzten Endes spricht auch das nicht gegen, sondern für sie… (gw)
Madeleine Peayroux "Standing On The Rooftop", 10. Juni 2011, Embracy / Universal
Datum: 27.05.2011
Diskussion: "Madeleine Peyroux: Standing On The Rooftop"
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