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TOTAL from Joy Division to New Order

Einflussreiche Zeitreise

Zugegeben, der 2005 aufgenommene und erst jetzt veröffentlichte New-Order-Track “Hellbent” klingt verdammt gut und verdammt zeitgemäß, aber ist er wirklich Grund genug, sich die xte Compilation seit Ian Curtis’ Tod und seit dem Ende der Band zuzulegen?

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Der Status von Joy Division bzw. New Order ist unbestritten, ihre Rolle in der Musikgeschichte seit Beginn der 80er zweifellos von immensem Einfluss- und Einfallsreichtum geprägt. Das nun erscheinende Quasi-Best-Of „TOTAL from Joy Division to New Order“ versucht den Spagat zwischen Chronologie und repräsentativer Retrospektive. Im Grunde gelingt das sogar ganz gut. Natürlich sind „Love Will Tear Us Apart“ und „Blue Monday“ enthalten, ebenso wie „Tempation“, „Isolation“ und „Bizarre Love Triangle“. Fans dürften mit der Auswahl zufrieden sein, zumal sie die Entwicklung der Band(s) musikalisch nachvollziehbar macht. Aber wenn man diesen Ansatz zu Ende denkt, dann vermisst man Warsaw doch.

Die Scheibe ist ein guter Einstieg für all jene, die nicht ohnehin schon die komplette Discographie im Schrank stehen haben, für die nachwachsende Generation, die sich auch mal ins Gestern hinein orientiert um zu entdecken, wo die Wurzeln des heutigen Chartgedudels eigentlich liegen und um zu erkennen, dass Hooky und Sumner noch Musiker sind, die ihr Handwerk verstehen, während Lady Gaga und Co. ihre belanglosen Lyrics über mehr oder weniger originell zusammengesampelte Songs trällern, die auch jeder Laie ab hundert Euro pro Satz (Nutzungsrechte inklusive) erstehen kann.

Allerdings muss man einwenden: Es ist genau jene Generation, die immer seltener physische Alben kauft, die sich auch immer weniger für das Konzept „Album“ interessiert, und sich stattdessen einzelne Songs bei iTunes oder vergleichbaren mp3-Schleudern zieht (eben jene Generation, die nie mit Vinyl in Kontakt gekommen ist und deshalb all das Gerede von der miesen digitalen Klangqualität nicht nachvollziehen kann).

Wozu also dieses Album? Weil die Hardcore-Fans es allein aufgrund von „Hellbent“ schon kaufen werden? Dann müsste man Warner einen lausigen Cashgrab unterstellen und wieder mal die Frage stellen, wozu zum Teufel die Welt eigentlich das Milliardengrab namens Musikindustrie braucht – Nine Inch Nails und Co haben doch längst vorgemacht, dass es auch ohne Plattenfirma geht, während Guns N’ Roses bis heute mit Universal im Clinch liegen über die missratene, von der Band nicht autorisierte „Greatest Hits“ (2004).

Man kann all diese Fragen auch als Erbsenzählerei sehen und sich damit begnügen, dass „TOTAL“ eine doch verdammt gute Zusammenstellung und eine nostalgische Zeitreise durch die Geschichte einer großartigen Band ist – wofür man sich entscheidet, dass muss am Ende jeder selbst wissen. (gw)


TOTAL from Joy Division to New Order (Warner)
TOTAL from Joy Division to New Order (Warner)

Datum: 08.06.2011

Diskussion: "TOTAL from Joy Division to New Order"

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