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Das Ende von kino.to

Schlag gegen Streaming-Seite und Raubkopierer

Nach Razzien in mehreren Ländern und insgesamt dreizehn Festnahmen wurde nun die Film-Streaming-Seite kino.to dichtgemacht. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt. Endlich, muss man erleichtert sagen: Das wurde auch Zeit! Im großen Stil stellte die Website Streams von Filmen zur Verfügung, teils lange bevor diese überhaupt in die Kinos kamen. Der Schaden, der Filmindustrie und Filmemachern weltweit damit verursacht wurde, dürfte sich kaum beziffern lassen, manche Stimmen in der Branche sprechen von Milliardenbeträgen, mindestens hohen Millionensummen. Nun ist ein Umdenken angesagt – sowohl beim Publikum als auch in der Industrie.

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Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, hatte kino.to bis zu vier Millionen Visits täglich, durch kostenpflichtige Zusatzangebote sollen die Betreiber „siebenstellige Gewinne“ gemacht haben. Es war offenbar ein europaweites Netz, das stetig für Nachschub sorgte und aktuelle Filme, anfangs abgefilmt von Kinoleinwänden, später sogar in HD-Qualität, als kostenlose Streams ins Netz gestellt und verlinkt hatte. Den Betreibern wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung vorgeworfen.

Dass nun auch gegen die Nutzer der Plattform vorgegangen werde, hält Rechtsanwalt Christian Solmecke aus der Kölner Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Somecke für nicht sehr wahrscheinlich, in Einzelfällen könne es aber zu Abmahnungen kommen: „Bislang ist mir kein Fall bekannt, in dem gegen Nutzer von Livestream-Portalen vorgegangen worden ist. Denkbar ist, dass der Nutzer eine Lizenzgebühr zahlen muss. Das ist der Preis, den er hätte zahlen müssen, wenn er den Film auf legalem Weg erworben hätte (Kauf, Videothek, Kinoeintritt). Aus meiner Sicht macht es übrigens einen großen Unterschied, ob sich ein User ein Video nur anschaut oder ob der den Film auch herunterlädt. Der Download offensichtlich rechtswidrig verbreiteter Filme ist auf jeden Fall illegal. Das Anschauen eines Streams aus meiner Sicht nicht.“

Da dürfte mancher notorische Schwarzseher aufatmen. Dennoch, es muss nun ein Umdenken auf beiden Seiten eintreten. Die Konsumenten müssen begreifen, dass Urheberrechtsverletzungen kein Kavaliersdelikt sind; sie müssen begreifen, dass Filmemacher, ihre Stäbe und Crews, ihre Produzenten und Distributoren viel Zeit, Geld und Kreativität investieren, um Filmprojekte umsetzen zu können – und dass diese Arbeit honoriert werden muss. Sich Filme über kostenlose Streams aus offensichtlich illegalen Quellen anzusehen, ist eine üble Missachtung der Arbeit anderer Menschen. Dafür muss ein Bewusstsein geschaffen werden.

Die Filmindustrie ist aber ebenso sehr gefordert. Anstatt den Einzelnen zu kriminalisieren müssen sich die Manager fragen, was sie falsch machen. Fakt ist: Sie haben die digitalen Trends noch viel mehr verpennt als die Musikindustrie. Die enormen finanziellen Probleme, in denen die Kinos stecken, kombiniert mit dem offensichtlichen Drang vieler Menschen, Filme über digitale Medien zu konsumieren, sollten zu denken und Trends zu erkennen geben. Jahrelang schaute man mehr oder weniger taten- und ideenlos in einer reaktionären Abwehrhaltung dabei zu, wie der illegale digitale Sektor den Kinokassen, Videotheken und HomeCinema-Distributoren das Wasser abgrub, anstatt mit adäquaten eigenen Angeboten gegenzusteuern.

Das Ende von kino.to bietet Anlass und Gelegenheit, das Kino zur Zufriedenheit beider Seiten ins digitale Zeitalter zu holen. (gw)


kino.to wurde geschlossen, die Betreiber verhaftet
kino.to wurde geschlossen, die Betreiber verhaftet

Datum: 08.06.2011

Diskussion: "Das Ende von kino.to"

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