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Tedeschi Trucks Band: Revelator

Die Grammys können kommen

Derek Trucks und Susan Tedeschi muss man nicht mehr groß vorstellen. Das Roots-Paar ist jeweils eine Klasse für sich. Seit den späten Neunzigern setzen sie musikalische Standards und hängen ihre Kollegen in Punkto Originalität reihenweise ab. Dass sie sich nun zusammengetan haben ist nur folgerichtig – und die erste Scheibe, die sie mit ihrem elfköpfigen Ensemble als Tedeschi Trucks Band vorlegen erscheint nicht umsonst in Sonys Reihe „Masterworks“. „Revelator“ ist ein Meisterwerk, ein vielschichtiges musikalisches Glanzstück direkt aus der Seele.

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Filigraner Blues, eine melancholische Hammond-Orgel, treibender Bassrhythmus, jazzige Bläser, grandios relaxte Drums, göttliche Gospelchöre, Soul- und R&B-Einflüsse kombiniert mit Roots-Elementen, darüber die unvergleichliche Stimme von Susan Tedeschi und an den richtigen Stellen die von Trucks als Counterpart – das ist es, was „Revelator“ ausmacht.

Trucks, der von der SZ bereits als neuer Clapton gefeiert wurde (gut, das mag übertrieben sein, wenn auch nicht sehr) packt auf diesem Album sein komplettes Repertoire aus. Die Natürlichkeit, mit der er seinen Gitarren Klänge entlockt erinnert stellenweise, trotz des musikalisch gänzlich anderen Ansatzes, an „Population Override“ des amerikanischen Avantgarde-Gitarristen Buckethead. Das elfköpfige Ensemble, das er und seine Frau Susan Tedeschi zusammengetrommelt haben, lässt zu keiner Sekunde den Eindruck von Stückwerk entstehen – alles ist im Fluss, alles fließt ineinander, die perfekte Harmonie zwischen Trucks und Tedeschi scheint sich auf die ganze Band zu übertragen.

Und dennoch behält jeder Musiker, jedes Instrument, seine Individualität. Besonders merkt man das auf dem Instrumentalstücken „Shrimp And Grits“ und dem Hidden Track: Im Grunde stimmt hier bereits alles, und Tedeschi führt die Stücke mit Hilfe ihrer unglaublichen vielseitigen Stimme zur Perfektion.

Man sollte in Rezensionen nicht in Jubelarien verfallen, man sollte hier und da auch am besten Album angebrachte Kritik üben, die kleinen Mankos herausarbeiten. Das Problem in diesem Fall: es gibt keine Mankos. Doch, eines vielleicht, aber das ist schon sehr spitzfindig: Der Sound hätte ein kleinwenig ungeschliffener, dreckiger ausfallen können. Davon hätte vor allem „Learn How To Love“ profitiert, aber sei’s drum. „Revelator“ ist ohnehin eine Sammlung von Songs, die live am besten funktionieren dürften. Wenn man sie hört sehnt man sich förmlich danach, in einer einigermaßen verrauchten Location direkt vor der Bühne zu stehen und all das, was hier passiert, nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Ein Hinweis zum Schluss: Dieses Album sollte man unbedingt und ausschließlich auf einer Anlage hören, die über die nötige Power verfügt – nicht im Sinne von Dezibel, sondern im Sinne von Klangqualität. Mit mp3 tut man diesen Songs keinen Gefallen.

Bisher traten Trucks und Tedeschi bei den Grammys getrennt voneinander an – nun als Team. Die Chancen stehen bestens. (gw)


Tedeschi Trucks Band: Revelator (Sony Masterworks)
Tedeschi Trucks Band: Revelator (Sony Masterworks)

Datum: 21.06.2011

 

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