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Alles, was wir geben mussten / Never Let Me Go

Ermüdender Kitsch

Wenn man bei „Never Let Me Go“ (deutscher Titel: Alles, was wir geben mussten) auf Cast und Crew schaut, könnte man meinen, man hätte einen hochkarätigen Film zu erwarten: Vor der Kamera stehen Carey Mulligan und Keira Knightley, Sally Hawkins spielt eine kleine Rolle, das auf einem Roman von Kazuo Ishiguro basierende Drehbuch stammt aus der Feder von Alex Garland (The Beach, 28 Days Later). Aber weit gefehlt. Dass der Film auf zahlreichen Festivals gelobt wurde und mitunter jubelnde Kritiken einfuhr, ist nicht nachvollziehbar. Träge wie Sirup zieht sich das mit Binsenweisheiten angefüllte und vor Kitsch nur so triefende Drama dahin, aus knappen neunzig Minuten werden gefühlte vier Stunden…

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Kathy, Ruth und Tommy wachsen in einem streng von der Außenwelt abgeschotteten Heim in den Siebziger Jahren auf. Sie sind Klone, ihr einziger Zweck ist es, später ihre Organe „richtigen“ Menschen zu spenden. Sie sollen nicht älter werden als vierzig Jahre. Wer das Glück hat, „Betreuer“ zu werden, erhält einen Aufschub und muss die eigenen Innereien erst später hergeben. Kathy ist in Tommy verknallt und er eigentlich auch in sie. Ruth ist deshalb eifersüchtig und reißt sich Tommy unter den Nagel, obwohl sie ihn gar nicht liebt. Neben dieser furchtbar ermüdenden, furchtbar kitschigen und furchtbar einfallslosen und banalen Dreiecksgeschichte stellt der Film die wesentlichen Fragen des Lebens. Das Ergebnis sind Binsenweisheiten wie: Das Leben ist kurz / Liebe und Freundschaft sind das Allerwichtigste / Die moderne Medizin ist potentiell böse / Man muss die eigene Sterblichkeit akzeptieren, um leben zu können.

Glaubt man Regisseur Romanek und seiner Crew, so handelt es sich hier um einen tiefgründigen, philosophischen, humanistischen und hochemotionalen Stoff. So sahen es auch diverse Vertreter vor allem der US-Presse. Man sollte lieber ehrlich sein: Bei dem Stoff handelt es sich um eine völlig abstruse, an den Haaren herbeigezogene, unglaubwürdige Geschichte (selbst dann, wenn man sie als symbolisch akzeptiert) voller Herzschmerzkitsch, unerträglich langsam, langatmig und ohne irgendein Gefühl für Timing in netten aber ebenso öden Bildern erzählt. Die grauenvoll handlungsarme Handlung ohne jegliche Entwicklung, ohne jeglichen erkennbaren Spannungsbogen plätschert vor sich hin und verliert sich schon im ersten Drittel des Films in völliger Belanglosigkeit.

„Never Let Me Go“ eignet sich allenfalls für Menschen mit Schlafstörungen – er ist zweifellos effektiver als jede Tablette. (gw)


"Alles, was wir geben mussten" - ein cineastisches Ärgernis, ermüdender Kitsch (FOX Cine Project)
"Alles, was wir geben mussten" - ein cineastisches Ärgernis, ermüdender Kitsch (FOX Cine Project)

Datum: 02.07.2011

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