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Stephen King uncut?

Einige Werke waren bisher gekürzt

Die Fans des Kult-Autors Stephen King hatten im Februar diesen Jahres guten Grund, sich zu wundern: Der Heyne Verlag (Verlagsgruppe Random House / Bertelsmann) veröffentlichte Neuauflagen von zahlreichen King-Romanen mit neuem Cover und teils erweitertem Umfang. Was steckt dahinter?

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Romane wie „es“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Sie“, „Die Augen des Drachen“, „Atlantis“ und weitere tragen nun den Vermerk im Impressum, sie seien erstmals ungekürzt, teilweise neu übersetzt und redaktionell überarbeitet. Eine Information, die stutzig macht. Waren bisher gekürzte Bücher auf dem Markt? Und warum liest man dazu nichts, warum gibt es keine aufklärende Pressemitteilung? Bei Random House sind diesbezügliche Informationen nicht zu finden.

Missverständliche Informationen bringt Simon Jaspersen im „Hörbücher Blog“ (hoerbuecher-blog.de). Demnach sei beispielsweise „es“ damals in einem kleinen Verlag erschienen, und aufgrund des Zeitdrucks habe der Übersetzer Passagen gestrichen und einige Absätze in einem Satz zusammengefasst – Heyne habe diese Fassungen dann übernommen; das kann allerdings nur ein Teil der Wahrheit sein – denn die meisten der nun erweiterten Bücher sind nicht ursprünglich in einem Kleinverlag (gemeint ist die Edition Phantasia) erschienen, sondern beim Publikumsverlag Heyne in München. Darunter befinden sich Werke aus den Neunzigern („Desperation“) ebenso wie solche, die um die Jahrtausendwende herum erschienen sind (beispielsweise Kings Memoiren „Das Leben und das Schreiben). Zusammen mit der Information, King habe untersagt, dass seine Bücher gekürzt veröffentlicht werden, entsteht der Eindruck, es habe jahrelange Schlamperei stattgefunden. Kann das stimmen?

Heyne-Lektor Patrick Niemeyer, der die deutschen Ausgaben von Stephen King betreut, bringt auf Nachfrage von CineTreff Licht ins Dunkel. Während „es“ für die Erstausgabe ins Deutsche übersetzt wurde, überarbeitete King sein Manuskript. Zusätzlich zu den in der Übersetzung damals vorgenommenen Kürzungen vergrößerte sich dadurch der Abstand zwischen der deutschen und der Originalfassung. „Das ist aber kein Einzelfall“, so Niemeyer. „Früher wurde die Trivialliteratur weit laxer gehandhabt als heute, bis in die Sechziger Jahre nahm man Genreliteratur nicht ernst und behandelte sie entsprechend.“

„es“ liegt nun erstmals in einer vollständigen deutschen Übersetzung vor, ebenso „Die Augen des Drachen“ oder auch der Klassiker „Christine“. Niemeyer: „Wir haben bei der redaktionellen Bearbeitung für die Neuauflagen zahlreiche Korrekturen vorgenommen.“ So sei es früher auch üblich gewesen, dass in der Übersetzung dramatisierende Adjektive eingefügt wurden, wenn dem Übersetzer die Passage nicht gruselig genug erschien. Korrekturen erfuhr auch die Neuauflage von „The Green Mile“, das ursprünglich in den Neunzigern in Form von Chapbooks bei Lübbe erschienen war – auch hier hat offenbar der Zeitdruck eine Rolle gespielt, da der Roman in sechs monatlich publizierten Teilen auf den Markt kam. Generell, so Niemeyer, komme es immer wieder vor, dass es bei großen Publikumsautoren Unterschiede zwischen der hiesigen und der US-Fassung gäbe. Der Grund? „In den USA gibt es so etwas wie ein richtiges Lektorat eigentlich nicht. Das holen wir im Zuge der Übersetzung und in Absprache mit dem jeweiligen Autor nach. So können wir inhaltliche Fehler, Logiklöcher und Weiteres nachträglich noch ausbügeln.“

King-Fans dürfen sich übrigens freuen: Ende des Jahres erscheint sein neuer, über 1000 Seiten umfassender Roman über den Kennedy-Mord, und für 2012 kündigte der Autor unter dem Titel „The Wind Through The Keyhole“ einen weiteren Teil seines Mammutwerks „Der dunkle Turm“ an. Auf seiner Website sinnierte er zudem über die Möglichkeit, eine Fortsetzung des Klassikers „Shining“ zu schreiben. Arbeitstitel: „Dr. Sleep“. (gw)


Stephen Kings Roman "es" erschien im Februar 2011 erstmals ungekürzt auf 1536 Seiten im Heyne Verlag (Random House / Bertelsmann)
Stephen Kings Roman "es" erschien im Februar 2011 erstmals ungekürzt auf 1536 Seiten im Heyne Verlag (Random House / Bertelsmann)

Datum: 12.07.2011

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