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Windtalkers

Windtalkers

(tsch) Nicht allein, dass "Windtalkers" eine von etlichen 2001 realisierten großen Kriegsfilmproduktionen war, die aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001 vorübergehend auf Eis gelegt werden mussten. Der Film hatte es auch deshalb schwer, weil bereits der Name des Regisseurs Sorgenfalten aufwarf: John Woo, der die Zeitlupen ebenso liebt wie die weißen Tauben am Himmel, die mit dem Blut im Vordergrund eine so seltsame Liebesbeziehung eingehen, hatte sich 2001 für die USA mit dem Zweiten Weltkrieg auseinander gesetzt. Sein "Bullet in the Head" hatte vor Jahren schon Vietnam zum Thema. Nun aber war Woo, spätestens seit "M:I-2", zum Hollwood-Kommerzfilmer geworden. Zu jemandem, der seinen Stil und die Effekte über die Story stellt, zum großen Ästheten der Kampf- und Actionszenen. Als der Film im Juni 2002 schließlich in die US-Kinos kam, mussten sich die Skeptiker korrigieren: "Windtalkers", der nun als Free-TV-Premiere im Ersten läuft, ist John Woo zum nüchternen, schonungslosen Plädoyer gegen den Krieg geraten.

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In "Windtalkers" konnte man John Woo seinen Hang zu überbordender Action-Ästhetik, daran dürfte zu keinem Zeitpunkt ein Zweifel bestanden haben, nicht erlauben. Krieg ist nicht schön, anders als eine verletzungsfreie Verfolgungsjagd auf aufgemotzten Motorrädern. Woo hielt sich also zurück, filmte die vielen Schlachtszenen recht neutral ab, ohne einen Schocker in Szene setzen zu wollen, wie man ihn etwa mit "Soldat James Ryan" von Spielberg erlebte.

Im Vordergrund von "Windtalkers" sollten persönliche Konflikte stehen, die am Beispiel einer authentischen Tatsache erzählt werden: Um den Japanern während des Zweiten Weltkriegs das Abhören der internen Kommunikation zwischen den US-Truppen vorzuenthalten, wurden Navajo-Indianer am Funk eingesetzt, deren Sprache für den Feind nicht zu entschlüsseln war. Die Anweisung für Corporal Joe Enders (Nicolas Cage) ist klar: Er bekommt mit Ben Yazhee (Adam Beach) einen Indianer zugeteilt, soll ihm nicht von der Seite weichen und ihn im Kampf beschützen.

Aber: Enders weiß auch, was zu tun ist, wenn die Gefahr besteht, dass Yazhee in die Hände der Japaner fällt. Er müsste ihn töten. Spürbar wehrt sich Enders also gegen eine allzu intensive Beziehung zu dem Menschen, dessen Mörder er eines Tages sein könnte.

Als derart gebrochener Held gibt Cage einmal mehr eine Glanzleistung ab, seine Hingabe macht den inneren Konflikt nachvollziehbar: Dieser Enders gehört zu den guten Soldaten und sicher auch zu den guten Seelen, daran besteht kein Zweifel. Dennoch wird er bald schon einen Navajo (Martin Henderson) töten müssen, der eigentlich nicht in seiner Obhut war. - Versagt hatte dessen Vorgesetzter Henderson (farblos gespielt von Christian Slater).

Überraschungen birgt "Windtalkers" kaum in sich. John Woo hat einen für seine Verhältnisse sehr berechenbaren Film gedreht, der sich schwer dabei tut, echte Spannung zu entwickeln. Als menschliches Drama, das nebenbei auch auf den Rassismus in der US-Army anspielt, funktioniert er jedoch, dank Cage, ganz hervorragend.

Tom Ruder


Hat einen Auftrag, der ihn in einen Konflikt mit dem eigenen Gewissen bringen wird: Joe Enders (Nicolas Cage).
Hat einen Auftrag, der ihn in einen Konflikt mit dem eigenen Gewissen bringen wird: Joe Enders (Nicolas Cage). (ARD Degeto)

In einer Schlacht muss Peter "Ox" Henderson (Christian Slater) eine lebenswichtige Entscheidung treffen.
In einer Schlacht muss Peter "Ox" Henderson (Christian Slater) eine lebenswichtige Entscheidung treffen. (ARD Degeto)

Joe Enders (Nicolas Cage, links) muss Ben Yahzee (Adam Beach) unter allen Umständen beschützen.
Joe Enders (Nicolas Cage, links) muss Ben Yahzee (Adam Beach) unter allen Umständen beschützen. (ARD Degeto)

Datum: 11.02.2006

Artikel ID 164704

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