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Der CSU-Goppel und die christlichen Fundamentalisten

Oder: Geschichtsrevisionismus auf bayrisch

Es gibt Politiker, die gar nicht mal mehr merken, wie peinlich ihre Äußerungen sind. Thomas Goppel ist so ein Exemplar. Der ehemalige bayrische Staatsminister für Wissenschaft und Kultur sieht sich offenbar auf die Füße getreten, wenn der norwegische Massenmörder Anders Breivik als „christlicher Fundamentalist“ bezeichnet wird. Denn, so Goppel, christliche Fundamentalisten gebe es gar nicht.

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In einem Beitrag der fundamentalistisch-katholischen Klitsche katholisch1.tv sagt er, Breivik könne nicht Christ sein, denn für einen Christen sei die Nächstenliebe das Allerhöchste. Offenbar gelingt es Goppel, effektiv die ellenlange Historie an Massenmorden im Auftrag der Kirche und im Namen des Christentums auszublenden. Das ist ohnehin eine bemerkenswerte Fähigkeit aller Ideologen: Fakten, die nicht ins eigene krude Weltbild passen, werden gnadenlos ignoriert.

Völlig aberwitzig ist es aber, wenn einer wie Goppel als Mitglied der ChristSozialen Katholiken (CSK) in der CSU, von Nächstenliebe und dem Recht auf Leben eines jeden Menschen schwadroniert. Auf der CSK-Website heißt es unter anderem: „Wir stehen zum Gesellschaftsbild von Mann und Frau und Familienbild von Vater, Mutter, Kind.“ Das ist eine sehr euphemistische Formulierung für „Wir sind homophob.“ Darüber hinaus wollen die CSK „Gott in Gesetz, Schule und Familie“ implementieren. Mal abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit des Versuchs, Kinder mit einer zweifelhaften Ideologie wie dem Katholizismus indoktrinieren zu wollen, hat jemand, der Gott im Gesetz fordert, das Prinzip des säkularen Staates nicht verstanden.

Goppel spricht dem Massenmörder Breivik das Christsein aber kaum aus religiösen Erwägungen heraus ab. Es geht wohl eher ums Marketing und die Angst, die Außenwirkung des Christentums könnte weiter beschädigt werden. Als wäre die nicht schon beschädigt genug – wozu übrigens der Christ Goppel, der die fundamentalistischen Positionen der CSK vertritt, selbst auch sein Scherflein beiträgt. Erst jüngst gratulierte er der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zum Geburtstag – das Blatt gilt als erzkonservativ bis rechtsradikal, wird vom Verfassungsschutz beobachtet und vertritt antidemokratische und ausländerfeindliche Positionen.

Angesichts dessen könnte man fragen: Ist Herr Goppel vielleicht selbst kein Christ? Denn wie kann ein Christ, bei dem doch die Nächstenliebe an erster Stelle steht, derartige Positionen vertreten? Irgendwas passt da nicht so ganz zusammen.

In diesem Sinne: Grüß Gott!

Gerrit Wustmann

Datum: 27.07.2011

 

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