(tsch) Als Salma Hayek Mitte der 90er-Jahre hörte, dass Hayden Herreras berühmte Biografie "Frida" verfilmt werden sollte, hatte die damals völlig unbekannte Schauspielerin nur noch ein Ziel vor Augen: Sie wollte helfen, die Lebensgeschichte der mexikanischen Malerin Frida Kahlo auf die Leinwand zu bringen - und die Titelrolle übernehmen. Das Interesse sämtlicher Studios in Hollywood war allerdings mehr als dürftig. Doch Salma Hayek ließ sich nicht entmutigen, kämpfte leidenschaftlich um die Erlaubnis für die Rekonstruktion der Bilder, stellte ein Schauspielerensemble zusammen und fand nach langem Ringen in Harvey Weinstein und dessen Produktionsfirma Miramax einen Partner. Im Frühjahr 2001 begannen unter der Regie von Julie Taymor die Dreharbeiten zu "Frida".
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SAT.1 zeigt das Biopic als Free-TV-Premiere nun zur besten Sendezeit. Durchaus mutig, ist die Regiearbeit von Julie Taymor doch eher spröder Natur. Der Film, der in den deutschen Kinos stark auftrumpfte und mehr als eine Million Zuschauer hatte, erzählt die Lebensgeschichte von Frida Kahlo streng chronologisch. In wunderschönen Bildern - gedreht wurde ausschließlich in Mexiko - umreißt Julie Taymor zunächst Fridas unbeschwerte Kindheit in den 20er-Jahren. Die unkonventionelle Ader des lebenslustigen Teenagers wird hier bereits angedeutet - etwa wenn Frida als junger Mann verkleidet zum Fototermin mit der ganzen Familie erscheint und sich einen Spaß aus den Reaktionen ihrer Eltern und Geschwister macht, die von Unverständnis und teilweise gar Missachtung geprägt sind.
Im September 1925 dann verändert ein Busunfall Fridas Leben. Die 18-Jährige überlebt schwer verletzt, muss allerdings mehrere Operationen über sich ergehen lassen und ist fortan ans Bett gefesselt. Der Schmerz bestimmt ihren Alltag, wird zum Grundgefühl ihrer Existenz und gleichzeitig zum Katalysator ihrer künstlerischen Entwicklung. Denn Frida beginnt, sich ihr physisches und psychisches Leid von der Seele zu malen.
Ansatzweise genesen, präsentiert sie ihre Werke dem berühmten Maler Diego Rivera (Alfred Molina). Der selbstverliebte, 21 Jahre ältere Lebemann ist begeistert - von Fridas Kunst und ihrer Schönheit gleichermaßen. Die beiden heiraten und leben eine der glamourösesten Beziehungen des 20. Jahrhunderts. Bei der Hochzeit versprechen sie sich Loyalität, nicht Treue.
Ihre von gegenseitigen Betrügereien geprägte tiefe Liebesgeschichte ist fortan das zentrale Thema des Films. Dass Frida und Diego auch politisch engagiert waren und leidenschaftlich für den Kommunismus kämpften, wird nur angerissen. Ein Kompromiss, der ohne Zweifel den Vorgaben für großes Hollywood-Kino geschuldet ist und sich in Fridas Begegnung mit Leo Trotzki (Geoffrey Rush) geradezu absurd fortsetzt. Denn die Begegnung mit dem russischen Revolutionsführer ist bei Julie Taymor nahezu ausschließlich von Erotik geprägt und nicht etwa von gemeinsamen politischen Idealen. Ob die beiden tatsächlich über eine längere Zeit eine Affäre hatten, darüber sind sich die Biografen bis heute nicht einig.
Ohnehin drängt sich der Eindruck auf, dass Hollywood vor allem im letzten Film-Drittel bei der Inszenierung Pate stand. Der Tatsache, dass Frida Kahlo eine sehr verhärmte und eigentlich nicht schöne Frau war, deren maskuline Gesichtszüge besonders in ihren Selbstporträts zum Ausdruck kommen, wird zum Ende hin immer weniger entsprochen. Salma Hayek wird dafür immer präsenter, was der Ästhetik des Films zwar keinen Abbruch tut, der realistischen Darstellung hingegen schon.
Jasmin Herzog
Ein Leben voller Leidenschaft und Schmerz: Frida Kahlo (Salma Hayek). (SAT.1 / Buena Vista International)
Sie malte sich ihren Schmerz von der Seele: Frida Kahlo (Salma Hayek). (SAT.1 / Buena Vista International)
Frida Kahlo (Salma Hayek) erfährt schon früh, was es heißt zu leiden. Schwere gesundheitliche Schäden und eine nicht ganz einfache Ehe mit dem untreuen Maler Diego Rivera (Alfred Molina) machen ihr das Leben zur Hölle. (SAT.1 / Buena Vista International)
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