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Ökumenisches GlanzstückCannes-Jurypreis 2010, Preis der Ökumenischen Jury und drei Césars – alle diese Preise sind verdient. Mit „Von Menschen und Göttern“ zeichnet Xavier Beauvois ein eindrucksvolles Bild des Mit- und Gegeneinanders von Christentum und Islam, bricht Klischees und Ressentiments auf und zeigt, wo Religion korrumpiert: Eben dort, wo ganz weltliche Machtbestrebungen ins Spiel kommen. Ein Film, der stellenweise wirkt wie eine moderne Ringparabel, inszeniert in bestechend schönen Bildern und erzählt mit der geduldigen Seelenruhe eines Mönchs… Anzeige 1996 wurde in Tibhirine, Algerien, eine Gruppe von Trappisten-Mönchen unter bis heute ungeklärten Umständen getötet. Regisseur Beauvois nimmt dieses Ereignis als Ausgangspunkt einer Geschichte, die zutiefst menschlich ist. Der Kampf zwischen den Truppen der korrupten algerischen Regierung und islamistischen Rebellen entbrennt, die Einschläge rücken immer näher, und die Mönche geraten zunehmend in die Schusslinie. Sie leben friedlich und selbstbestimmt in dem kleinen Ort, sie missionieren nicht, denn sie wissen, wie nah der christliche und der islamische Glaube beieinander sind. Wenn sie sich mit den Dorfbewohnern unterhalten, ihnen ein offenes Ohr bieten (und umgekehrt), dann kommt es vor, das Mönch Christian ein Gespräch mit Insh’allah (So Gott will) beschließt – denn er weiß, dass Christen und Muslime an denselben Gott glauben. Er zitiert den Koran ebenso wie die Bibel. Und als die Rebellen medizinische Hilfe für ihre Verwundeten verlangen, sagt Arzt Luc: „Wir behandeln jeden, wir machen keinen Unterschied zwischen den Menschen.“ Das funktioniert, solange die Menschen ihre Überzeugungen leben und in sich ruhen, psychisch und sozial gefestigt genug sind, um die anderen mitsamt ihrem Glauben so zu akzeptieren, wie sie sind. Es ist eine Religiosität, die auf den Absolutheitsanspruch verzichtet, den sich nur Kleingeister zu Eigen machen. Kurz: Es geht um Menschen, die religiöse Schwanzvergleiche nicht nötig haben, es wäre unter ihrer Würde. Bis genau diese Situation aufgebrochen wird von den Fundamentalisten einerseits, die die Religion für ihre brutalen politischen Machtspielchen missbrauchen und den korrupten Behörden andererseits, von denen die Mönche in die Zange genommen werden, weil sich rumspricht, dass sie auch Rebellen behandeln. Diese Situation zeigt beispielhaft, worum es bei nahezu allen Konflikten auf der Welt geht: Um Geld und Macht auf der einen Seite, und um das Anspruchsdenken der zu kurz gekommenen auf beiden Seiten, um jeden Preis Recht zu behalten – und sei es durch Gewalt. Die Mönche indes sprechen miteinander und mit allen anderen, sie zweifeln und grübeln, und im Grunde ist es gar nicht der symbolische Gott, dem sie näher kommen wollen, sondern die Mechanismen des Lebens in einer Gesellschaft an sich. Und sie stehen nun vor der schwierigen Frage: Bleiben wir hier oder gehen wir, um uns selbst zu retten? Leben wir mit dem Erbe des Kolonialismus und der Missionierung, oder flüchten wir aus dem Land und zugleich vor diesen drängenden Fragen. Mönch Christian bringt es in einem Bonmot auf den Punkt: Die Blumen gehen nicht zur Sonne, sondern die Sonne kommt zu den Blumen dort, wo sie wachsen. Unweigerlich schwingt der Gedanke mit, dass eben genau das vielen Blumen zum Verhängnis wird. Aber das muss nicht ausgesprochen werden. Vieles spielt sich in diesem leisen und bedachten Film auf der Metaebene ab, und es kommt – ganz wie im Glauben – vor allem darauf an, was man subjektiv draus macht. (gw) |
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