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Lord of War

Lord of War - Händler des Todes

(tsch) Nicolas-Cage-Filme sind unberechenbar. Mal spielt er wahrhaft grandios, siehe Oscar-prämierter Part als selbstmörderischer Alkoholiker in "Leaving Las Vegas", mal raubt er einem wie in "Corellis Mandoline" oder "Family Man" mit weinerlichem Dackelblick und überzogenen Manierismen den letzten Nerv. Schaut man genau hin, wird schnell klar, Cage braucht einen guten, starken Regisseur, jemanden, der weiß, was er will und der es versteht, den wankelmütigen Mimen zu führen. Alan Parker ist dies beispielsweise bei "Birdy" gelungen, Cages Onkel Francis Ford Coppola bei "Peggy Sue hat geheiratet" wie auch Norman Jewison bei "Mondsüchtig". Und jetzt auch Andrew Niccol, der sich als Drehbuchautor von "Die Truman Show" einen Namen machte.

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Nach dem vertrackten Sci-Fi-Ausflug "Gattaca" und der Mediensatire "Simone" folgt nun dessen dritte, nach eigenem Drehbuch umgesetzte Regiearbeit: "Lord of War - Händler des Todes". Furios geht's los, Erinnerungen an "Three Kings" werden wach. Im Vorspann wird die Herstellung einer Kugel gezeigt, die, nachdem sie die Fabrik verlassen hat, in einem Gewehrlauf landet; abgeschossen wird und im Kopf eines afrikanischen Kindsoldaten explodiert. Das heiße Thema: Waffenschieberei, die der ukrainische Immigrantensohn Yuri Orlov (Cage) in Perfektion beherrscht. Nach bescheidenen Anfängen in New Yorks Little Odessa steigt er vom Kleinkriminellen bis zum weltweit mächtigsten "Lord of War" auf. Versorgt skrupellose Staatsoberhäupter ebenso wie marodierende Rebellenarmeen. Wer zahlt, schafft an: von der Kalaschnikow bis zum Kampfhubschrauber ...

Mit atemlosem Tempo entwickelt Niccol seine Story, führt in Windeseile seine Hauptfiguren ein. Erzählt aus der Perspektive Orlovs, der auch mal Geldbündel zählend direkt in die Kamera spricht und Familiensinn beweist, indem er den jüngeren Bruder Vitali ("Alexander"-Intimus Jared Leto) zum Partner macht. Doch der Job bringt ihm nicht nur Devisen, Macht und eine schöne Ehefrau (berechnende "Goldgräberin": Bridget Moynahan), sondern erregt auch die Aufmerksamkeit des ruhelosen Interpol-Agenten Valentine (Ethan Hawke), der alles daran setzt, dem abgefeimten Orlov das skrupellose Handwerk zu legen.

Auf oberer Ebene funktioniert diese Waffenhändler-Mär als klassischer Thriller, als gut getimte Katz- und Maus-Hatz, bei der der facettenreich angelegte Nicolas Cage Häschern wie Gegenspielern - unter anderem Sir Ian Holm als Schieber-Guru - immer einen Schritt voraus bleibt. Es gibt keine noch so missliche Lage, aus der er sich nicht befreien kann, keinen noch so bösartigen Auftraggeber - Eamonn Walker lehrt einem als liberianischer Diktator das Fürchten - mit dem er nicht handelseinig wird. Die vielgepriesene political correctness findet hier schlichtweg keinen Eingang, was Suspense und Spannung gut tut.

Und dann ist da noch der Subtext, die Moralfabel, die unterschwellig zum Tragen kommt. 550 Millionen Schusswaffen kursieren zurzeit auf der Erde, räsoniert Orlov, jeder zwölfte Mensch besitzt also eine. Die Frage lautet nun: Wie kann man die restlichen elf Personen auch noch mit Waffen beliefern? Das geht nur, so lernt der Betrachter in der Folge, wenn Regierungen und Armeen mitspielen, wegschauen, wo sie hinschauen sollten. Alte Waffen verkaufen, um neue herzustellen. Wer wegschaut, macht sich schon schuldig, der (Anti-)Held ebenso wie das Publikum. Das ist perfide, zugegeben, jedoch durchaus richtig. Und gewagt auch. Doch der Filmemacher präsentiert diese Erkenntnis, diese "Botschaft", nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern schwarzhumorig, gut verdaulich verpackt: Erdig von Amir Mokri ("Bad Boys II") fotografiert, rasant von Zach Staenberg ("Matrix") geschnitten und mit einem eingängigen, passenden Soundtrack versehen - wobei die Titelvielfalt von "Cocaine" bis "Mama Africa" reicht. Ein temporeicher Action-Reißer mit Hirn.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:Fox, USA 2005, R: Andrew Niccol, D: Ethan Hawke, Nicolas Cage, Bridget Moynahan u.a.

Laufzeit: 120 Min.


Waffenschieber Yuri Orlov (Nicolas Cage) wittert das große Geschäft.
Waffenschieber Yuri Orlov (Nicolas Cage) wittert das große Geschäft. (2006 Metro Goldwyn Mayer / Twentieth Century Fox)

Yuri Orlov (Nicolas Cage, links) versorgt seinen Kunden Baptiste Senior (Eamonn Walker) mit Waffen für seine Kindersoldaten.
Yuri Orlov (Nicolas Cage, links) versorgt seinen Kunden Baptiste Senior (Eamonn Walker) mit Waffen für seine Kindersoldaten. (2006 Metro Goldwyn Mayer / Twentieth Century Fox)

Yuris Ehefrau Ava Fontaine (Bridget Moynahan) sehnt sich nach einer ganz normalen Beziehung.
Yuris Ehefrau Ava Fontaine (Bridget Moynahan) sehnt sich nach einer ganz normalen Beziehung. (2006 Metro Goldwyn Mayer / Twentieth Century Fox)

Datum: 13.02.2006

Diskussion: "Lord of War"

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