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Oliver Stone goes Ahmadinejad

Wohlwollende Doku über den iranischen Despoten

Es gab eine Zeit, da gehörte Oliver Stone zu den großen Regiehoffnungen Hollywoods. Er trat linksliberal auf, gerierte sich als Kriegsgegner und Kapitalismuskritiker und schuf beispielsweise mit „Wall Street“ und „Natural Born Killers“ Filme, die wirklich etwas bewegten und zugleich Millionen Zuschauer begeistern konnte. Lang ist es her. Seitdem begann ein stetiger Abstieg, sowohl was die Qualität von Stones Filmen als auch was seine immer seltsamer werdende politische Haltung angeht. Er drehte anbiedernde Dokupics über Fidel Castro und Hugo Chavez, und wenn er in Interviews nach den Gründen befragt wurde, verhedderte er sich regelmäßig in Widersprüche und halbgare Begründungen. Nun dürfte Stone allerdings seinen bislang größten Griff ins Klo landen: Er will einen ähnlich gelagerten Film über Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad drehen.

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Schon in den nächsten Wochen wolle er nach Iran reisen, heißt es, und man hört auch, dass Ahmadinejad dem Plan umgehend zugestimmt haben soll, nachdem Stone klarstellte, dass er in dem Film durchaus positiv dargestellt werden soll. Zudem soll Ahmadinejad zuvor die Möglichkeit erhalten, das Drehbuch zu lesen und Einfluss darauf zu nehmen. Dass nicht nur Ahmadinejad einen Blick hinein werfen wird, sondern auch Vertreter des Wächterrates, der die iranische Politik kontrolliert, sowie Beamte des Zensurministeriums Ershad, steht außer Frage.

Viel interessanter ist die Frage, ob Stone sich überhaupt bewusst ist, was er da vorhat, wenn er da hofieren will, oder ob der Filmemacher inzwischen gänzlich von Realitätsverlust befallen ist. Ahmadinejad ist ein Despot. Er blieb mit Hilfe massiver Wahlfälschungen an der Macht, und als die Menschen im Sommer 2009 auf die Straße gingen, um gegen den Betrug zu protestieren, mobilisierte er seine Milizen, die wahllos in die Menge feuerten. Die Bilder der sterbenden Studentin Neda Agha-Soltan gingen um die Welt. Seither gab es tausende Verhaftungen von Oppositionellen, Studenten, Künstlern, Intellektuellen, und hunderte Hinrichtungen. Mahmud Ahmadinejad führt ein brutales Regime, das die Bevölkerung mit blanker Gewalt unterdrückt. Die Meinungsfreiheit ist auf ein Minimum beschränkt, kritische Publikationen werden aus dem Verkehr gezogen, Regimegegnern in aller Welt mit dem Tod gedroht. Die Oppositionspolitiker Mehdi Karroubi und Mir Hossein Mousavi stehen unter Hausarrest, der weltweit gefeierte Regisseur Jafar Panahi wurde mit Berufsverbot belegt, tausende Menschen flüchten Jahr für Jahr ins Ausland.

Diesen Mann will Stone nun positiv darstellen. Bereits 2007 hatte Stone bei Ahmadinejad angefragt gehabt, doch der hatte abgelehnt. Nun hat er es sich offenbar anders überlegt. Despoten-Marketing Made In USA. Herr Stone, gehen Sie doch bitte endlich in Rente. (gw)


Despoten-Fan Oliver Stone (NDR / Stephan Lamby / Ecomedia / CINETREFF-Archiv)
Despoten-Fan Oliver Stone (NDR / Stephan Lamby / Ecomedia / CINETREFF-Archiv)

Datum: 07.09.2011

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