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Blood In The Mobile (DVD & Blu-Ray)

Bluterze aus dem Kongo im Handy

Haben Sie heute schon mit dem Handy telefoniert? Mit dem Smartphone eine E-Mail geschrieben? Am Tablet ein Bild bearbeitet? Und sich wieder mal darüber gefreut, welch ein Luxus die heutige Mobiltechnologie ist? Sind Sie sich auch darüber bewusst, dass Ihr Mobilgerät mit ziemlicher Sicherheit Erze enthält, für deren Gewinnung im Kongo tagtäglich Menschen sterben? Nein? Der Filmemacher Frank Poulsen ist dem seit gut zehn Jahren bekannten Problem der Bluterze in seinem engagierten Film „Blood In The Mobile“ auf den Grund gegangen…

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Die Hersteller von Mobiltechnologie verzeichnen in den letzten Jahren immer größere Zuwächse. Die Umsätze und Gewinne explodieren, die technischen Möglichkeiten erweitern sich in rasender Geschwindigkeit, die Vernetzung der Welt schreitet voran. Doch zu welchem Preis. Die Erze, die in Mobilfunkgeräten verbaut werden, stammen zu wesentlichen Teilen aus Minen im Kongo, mit dem Geld, das sie bringen, wird ein blutiger Bürgerkrieg finanziert, der bislang über fünf Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Filmemacher Frank Poulsen fragte sich: Enthält auch mein Nokia Bluterze? Er wählte Nokia, weil die Finnen der zur Entstehungszeit des Films weltweit wichtigste und größte Hersteller von Handys war. Inzwischen verschwindet der Konzern in der Bedeutungslosigkeit, seit er den Sprung vom Handy zum Smartphone verpennt hat; daran wird auch das Nokia N9 nichts mehr ändern können. Aber Nokia ist bloß ein exemplarisches Beispiel. Es dürfte derzeit weltweit keinen einzigen Handyhersteller geben, der auf Bluterze verzichtet. Der Grund dafür ist simpel: Profitmaximierung. Das Material ist billig. Seine Gewinnung, das zeigt Poulsen in „Blood In The Mobile“, funktioniert über moderne Sklavenarbeit.

Die Erzminen befinden sich in einer Region im Kongo, in der kein Gesetz herrscht. Selbst die UN-Blauhelme trauen sich nicht in die Region. Es sind bitterarme Menschen, die in den Mimen tief im Dschungel unter widrigsten Bedingungen arbeiten. Es gibt keine technische Ausstattung, der Abbau findet mit primitivsten Werkzeugen statt, regelmäßig stürzen die unzureichend gesicherten Stollen ein und begraben Menschen bei lebendigem Leib. Einen Großteil ihres kargen Lohns müssen die Arbeiter (darunter viele Frauen und Kinder) an die örtlichen Milizen und Warlords abdrücken, die von dem Geld Waffen kaufen, ihre Machtbasis sichern und den blutigen Bürgerkrieg in Gang halten. Bei Zusammenstößen zwischen verfeindeten Gruppen werden regelmäßig unzählige Zivilisten getötet, die Frauen vergewaltigt, die Kinder verschleppt.

Das Problem ist seit mindestens zehn Jahren bekannt. Es ließe sich lösen. Längst gibt es technische Verfahren, mit denen sich die Herkunft der Erze einwandfrei bestimmen lässt. Aber internationale Standards und Zertifikate gibt es noch immer nicht, zudem weigern sich die großen Konzerne, ihrer Zulieferketten transparent der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Poulsen lässt nicht locker, hakt bei Nokia nach, wo er erst nach einem Jahr hartnäckigen Drängens ein Interview bekommt – mit einem kleinen Kader. Die Manager an der Konzernspitze lassen sich nicht blicken. Was er aufgetischt bekommt, sind Ausreden, leere Phrasen und Lügen, und es wird auch rasch klar, was dahinter steckt. Eine härtere Kontrolle der Zulieferer, die Realisierung und Umsetzung internationaler Standards würde eine Menge Geld kosten, würde unter Umständen Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten bringen, würde die Rohstoffe verteuern. Am Ende ist es Poulsen selbst, der die simple Wahrheit ausspricht, mitten in der Firmenzentrale von Nokia: In Afrika sterben Menschen, damit im Westen Profit gemacht werden kann.

Wie gesagt, Nokia ist nur ein Beispiel. Es dürfte sich auf jeden oder fast jeden anderen Hersteller übertragen lassen. Und jeder einzelne von uns unterstützt diese Verbrechen der Konzerne, indem er ihre Produkte kauft und schweigt. Wie kann man sie zum Umdenken bringen, wie kann man dafür sorgen, dass sich etwas ändert? Es gibt nur einen Weg, sagt ein Aktivist aus den USA: Protest. Wenn alle Endkunden gegen diese Machenschaften protestieren und die internationale Aufmerksamkeit auf das Thema lenken, werden die Konzerne reagieren müssen. Solange die Weltöffentlichkeit schweigt, wird der Profit weiter in Blut gewaschen werden… (gw)


Blood In The Mobile (Neue Visionen) erscheint am 7.10.2011
Blood In The Mobile (Neue Visionen) erscheint am 7.10.2011

Datum: 10.09.2011

 

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