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Chris Rea: Santo Spirito Blues

Der Blues in Ton und Bild

Da ist er wieder: Chris Rea! Hat wirklich jemand ernsthaft geglaubt, dieser Mann würde sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen? Nein, selbst die Auszeit, die er sich aufgrund seiner schweren Erkrankung nehmen musste, war für ihn ein neuer Antrieb, ein kreativer Break sozusagen, auf den ein neuer Aufbruch folgen sollte. Und was ist es geworden? Ein Großprojekt, natürlich. Und was für eins!

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Über zehn Jahre ist es inzwischen her, dass Chris Rea eigene neue Songs veröffentlichte (auf dem 2000 erschienenen „King Of The Beach“). Ganze sechs Jahre sind seit dem irrsinnigen Mammutprojekt „The Blue Guitars“ (11 CDs!) vergangen, und gerade mal drei seit „The Return of the Fabulous Hofner Bluenotes“ (3 CDs, 2008). Man muss das erwähnen, um die Dimensionen zu verdeutlichen. Seit 1978 ist Rea inzwischen im Geschäft, ein Veteran, ein Virtuose – einer, der sich Zeit lässt. Denn während andere Musiker Jahr für Jahr neue Platten rausscheuern und sich dabei auch mal Tiefschläge leisten (abgesehen vielleicht von Buckethead, der nach wie vor gefühlt ein Album pro Monat veröffentlicht, ohne auch nur ein Jota an Qualität einzubüßen), lässt Chris Rea sich Zeit. Dreizehn Alben innerhalb von 33 Jahren, das ist ein ziemlich relaxter Schnitt. Dem Mann sitzt eben keine Plattenfirma im Nacken, und wenn es eine täte, würde er halt wechseln.

Man kann „Santo Spirito Blues“ von zwei Seiten betrachten – als das großartige, erdige und stimmungsvolle Bluesrock-Album, das zu erwarten war, und das jegliche Erwartungen übererfüllt, einerseits. Andererseits kann man das Boxset nicht ignorieren, das der Scheibe zwei Feature-Filme samt deren Soundtracks beifügt. Bei anderen wäre das eine Gigantomanie, die mit großer Treffsicherheit in die Hose gehen würde. Chris Rea erfindet das Rad nicht neu, er ist nicht der erste, der solch ein Projekt wagt, aber er hat einen entscheidenden Vorteil: Das Talent, das nötig ist, um Film, Musik und Inhalt zu einem künstlerischen Gesamtwerk verschmelzen zu lassen.

Die Filme „Santo Spirito“ und „Bull Fighting“ dringen tief ein in die Künstlerseele, wandern zwischen (musikalischen) Kulturen, sind Independent pur und ein Genuss für jeden Bildfetischisten. Warum laufen diese Streifen eigentlich nicht im örtlichen Off-Kino? Denn dort gehören sie hin. Die Filme spielen mit Erwartungen, stellen Fragen und verzichten auf eine klare Haltung, indem sie immer wieder geschickt die Perspektive wechseln – in „Bull Fighting sind es die Perspektiven von Stier und Matador. Das ist Gesellschaftskritik der ernstzunehmenden Art. So bissig und treffsicher, das bald wieder jene Wendehälse aus ihren Löchern kriechen werden, die Künstlern in politischen und sozialen Fragen am liebsten den Mund verbieten würden – sie wissen schon, warum.

Man kann aber auch einfach einen Gang zurückschalten und Songs wie „Dancing My Blues Away“, „The Way She Moves“ oder „The Last Open Road“ so genießen, wie man es auf guten Blues-Konzerten eben tut. Diese Gelegenheit bietet sich übrigens auch bald: Im Februar und März 2012 tourt Chris Rea durch Deutschland. (gw)


Chris Rea: Santo Spirito Blues
Chris Rea: Santo Spirito Blues

Datum: 19.09.2011

 

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