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Nachtmeerfahrten – Die Psychologie des C. G. Jung

Faszinierende Reise ins Dunkle der Seele

Er war der Mystiker unter den Psychoanalytikern - weniger populär und weniger einflussreich als Sigmund Freud, mit dem er zunächst befreundet und dann verfeindet war. Aber Carl Gustav Jung nahm die Kraft des Unbewussten vielleicht sogar noch ernster als der Urvater der Psychoanalyse. Zumindest lieferte er sich dessen dunklen Mächten vorbehaltloser aus. Vor 50 Jahren ist Jung gestorben – ein guter Anlass, sich mit seinem ganzheitlichen Denken neu zu beschäftigen. Das können Kinogänger gleich zweifach tun: in David Cronenbergs „A dangerous Method“ und in „Nachtmeerfahrten“, einer ebenso einfühlsamen wie faktenreichen Dokumentation von Rüdiger Sünner.

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Der Regisseur tut etwas, was vielleicht bieder und altmodisch erscheinen mag, was sich aber im Fall von C. G. Jung als Glücksfall erweist. Er zeichnet ganz klassisch – mit Sprecherkommentar, Experteninterviews und in chronologischer Reihenfolge – die Stationen von Jungs Leben und Denken nach. Dadurch entfaltet er sozusagen eine filmische Monografie, die man auch gut zu Lehr- und Unterrichtszwecken einsetzen könnte. Das ist ebenso wohltuend wie angemessen. Denn Jungs Denken ist weder weithin bekannt noch besonders leicht nachzuvollziehen. Begriffe wie „Schatten“, „Anima“ oder „Archetypus“ haben psychologisch Interessierte sicher schon mal gelesen. Aber nach wie vor umgibt Jungs Lehre die Aura des schwer Zugänglichen.

Sünners Film leistet einen wichtigen Beitrag zur Annäherung, indem er an Phänomene anknüpft, mit denen wir in unserem Alltag wohl vertraut sind. Das Kino zum Beispiel. Sind nicht viele der modernen Abenteuergeschichten, von „Avatar“ über „Harry Potter“ bis „Herr der Ringe“, Variationen von uralten Mythen, in denen Helden sich dunklen Mächten aussetzen und dadurch einen persönlichen Reifeprozess durchmachen? Also „Nachtmeerfahrten“ zum Bösen und Destruktiven, das zum Menschsein genauso dazugehört wie seine rationalen Seiten, das aber seine vernichtende Kraft nur dann entfalten kann, wenn wir es verdrängen?

Rüdiger Sünner ist Jungs Ansatz, das Rationale mit dem Animalischen in einem ganzheitlichen Denken zu vereinen, spürbar zugetan. Wohlwollend, aber nicht unkritisch vollzieht er die Ursprünge und den Werdegang von Jungs Ideen nach, ebenso wie die Stationen seines Lebens, die von seinem Denken nicht zu trennen sind. Etwa die unglückliche Liebe zu Sabina Spielrein, die Jungs Patientin war und von der er sich nach Ansicht der Analytikerin Verena Kast in unrühmlicher Weise trennte. Oder die ambivalente Rolle, die Jung in der Nazi-Zeit spielte und die der Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann schonungslos kritisiert.

Eine große Stärke von „Nachtmeerfahrten – Die Psychologie des C. G. Jung“ liegt in den kraftvollen Bildern. Symbolisch aufgeladen, verführen uns die kunstvollen Einstellungen mit einer Reise zu den Tag- und Nachtträumen, zu dem Schönen und Angstmachenden, das unter der Oberfläche der „normalen“ Wirklichkeit lauert. Und deshalb nur in Symbolen, Andeutungen und Mythen zu greifen ist. C. G. Jung war zutiefst davon überzeugt, dass das Unerklärbare und Unerhörte untrennbar zum menschlichen Leben gehört. Genau wie zum Kino.

Peter Gutting


Nachtmeefahrten - dokumentarisches Biopic über C. G. Jung
Nachtmeefahrten - dokumentarisches Biopic über C. G. Jung

Datum: 23.09.2011

 

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