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Bardem & Inarritu: Biutiful (DVD & Blu-Ray)

Melancholisches Meisterwerk

Alejandro Gonzalez Inarritu gehört zu den bedeutendsten Regisseuren unserer Zeit. Aus der internationalen Filmszene ist der Spanier nicht mehr wegzudenken. Beachtlich ist, das ihm gelingt, woran viele engagierte Indie-Regisseure scheitern: Nicht nur bei den Festivaljurys, sondern auch beim Publikum sind seine schwermütigen, harten Filme enorm erfolgreich. Seit seinem überragenden Debüt „Amores Perros“ stehen ihm alle Türen offen, die Nachfolger „21 Gramm“ und „Babel“ sind Kultfilme. Mit „Biutiful“ schuf er seinen bislang besten Film. Und wenn Javier Bardem je für eine Rolle den Oscar verdient gehabt hätte, dann für diese – doch es blieb bei der Nominierung. Ab 13. Oktober erscheint „Biutiful“ auch hierzulande fürs HomeCinema.

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Es ist eine der eindringlichsten Filmszenen der letzten Jahre: Uxbal (Javier Bardem) albert am Küchentisch mit seinen Kindern, und er gibt sich größte Mühe, seine depressive Exfreundin, die hinter seinem Rücken seinen Bruder vögelt, nicht spüren zu lassen, wie sehr sie ihn belastet. Über den Krebs spricht er nicht, erst recht nicht darüber, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Und er zieht sich auch nicht aus dem Leben zurück, als er die Gelegenheit dazu hätte. Er steht zu seiner Verantwortung bis zum Letzten. Für die Behörden ist er ein Gauner. Er hilft chinesischen und afrikanischen Flüchtlingen, in Madrid zu überleben, besorgt ihnen Jobs und Unterkünfte. Dafür arbeitet er mit zwielichtigen Menschenhändlern zusammen, die ihn am Gewinn beteiligen. Es ist eindreckiges Geschäft. Uxbal schmiert Polizisten, verhandelt mit Gangstern und Dealern und muss auch noch damit Leben, dass er von einigen seiner Schützlinge hintergangen wird. Aber er gibt sich Mühe. Er tut alles dafür, damit die Menschen in seiner Obhut ein halbwegs erträgliches Leben führen können.

Der heutige reaktionär-konservative Zeitgeist würde Uxbal im besten Fall als „Gutmensch“ verunglimpfen, im schlimmsten Fall als Kriminellen brandmarken. Aber die Stärke von Inarritus Figur liegt darin, dass sie sich nicht festnageln lässt, dass sie ebenso wenig in Schwarz-Weiß-Muster passt wie die alltägliche grausame Realität. Von der gibt Inarritu dem Zuschauer eine Überdosis mit, er zeigt ihm all die Dinge, die vor unseren Augen passieren, und die wir nicht sehen wollen, weil sie unsere heile Welt ins Wanken bringen könnte. Er tut das unaufdringlich und ohne den erhobenen Zeigefinger. Er doziert nicht, sondern zeigt, führt Dinge vor Augen, die nicht passen zur Hochglanz-Glamourwelt, von der der multimediale Dauerterror beherrscht wird.

„Biutiful“ wird getragen von Javier Bardem, der erneut seine Wandlungsfähigkeit beweist. Im Grunde wird die gesamte Geschichte von Bardems Augen erzählt. Sie sagen alles, was nicht ausgesprochen wird und auch nicht ausgesprochen werden muss. Uxbal ist kein cooler Typ, sondern einer, der am Leben scheitert, und der dennoch bis zur letzten Sekunde kämpft – und zwar in erster Linie für andere, vor allem für seine Kinder. Er ist einer, der genau weiß, wann es an der Zeit ist, die andere Wange hinzuhalten, und wann nicht. Ein Film, der sich tief ins Gedächtnis gräbt und sich dort einnistet; ein Film, der den Zuschauer atemlos und in sich gekehrt zurücklässt mit der wesentlichen Frage: Wer bin ich – und bin ich mir eigentlich bewusst darüber? (gw)


Javier Bardem in Biutiful (erscheint am 13.10. auf DVD & Blu-Ray)
Javier Bardem in Biutiful (erscheint am 13.10. auf DVD & Blu-Ray)

Datum: 26.09.2011

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