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Zum Tod von Steve Jobs

Der falsche Messias

Apple-Mitbegründer Steve Jobs ist tot. Im Alter von nur 56 Jahren erlag er am 5. Oktober 2011 seinem Krebsleiden, nur einen Tag nachdem sein Nachfolger Tim Cook der Welt nicht das erwartete iPhone 5, sondern in einer recht mauen Pressekonferenz lediglich eine überarbeitete Version des iPhone 4 präsentiert hatte. Steve Jobs war eine Kultfigur, ein Macher, dem es gelungen ist, einen grandiosen globalen Kult um seine Person zu inszenieren. Ein Egomane, der rücksichtslos seine Ziele verfolgte. Er hat vieles bewegt, und er ist zu früh gestorben, daran besteht kein Zweifel. Aber war er wirklich der Heilige, zu dem er im Nachhinein stilisiert wird?

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„Eure Zeit ist begrenzt. Vergeudet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lasst euch nicht von Dogmen einengen - dem Resultat des Denkens anderer. Lasst den Lärm der Stimmen anderer nicht eure innere Stimme ersticken. Das Wichtigste: Folgt eurem Herzen und eurer Intuition, sie wissen bereits, was ihr wirklich werden wollt. Alles andere ist zweitrangig.“ Dies sagte Steve Jobs im Jahr 2005 bei einer Rede vor Absolventen der Stanford University. Es war knapp ein Jahr, nachdem er die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten hatte. Trotz erfolgreicher Operation: Er wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, und dass er es noch sechs Jahre lang schaffte, ist bemerkenswert. Das erinnert ein wenig an Christoph Schlingensief. Auch er trotzte seinem Lungenkrebs länger als erwartet. Das soll kein Vergleich sein. Schlingensiefs Kulturleistung steht außer Zweifel. Aber wie sieht es mit dem aus, was Steve Jobs der Welt hinterlässt?

Zum wichtigsten Philosophen des 21. Jahrhunderts verklärte Spiegel Online ihn in einem ersten Nachruf – dem inzwischen ein kritischerer Kommentar folgte, wohl um die ohnehin angeschlagener Glaubwürdigkeit nicht vollends einzubüßen. Grund für die Jubelarie war Jobs’ Stanford-Rede. Bleiben wir auf dem Teppich: Was er da sagte, ist eigentlich eine Binsenweisheit. Das Problem ist eher, dass nach wie vor so wenige Menschen sie verstanden haben, dass sie immer wiederholt werden muss. Und dass sie diesmal nicht von einem Schriftsteller oder Philosoph, sondern von einem Kult-Nerd kam, das war wohl der wesentliche Unterschied. Nur eines fehlt in Jobs’ Rede: Der Hinweis, dass Selbstverwirklichung nicht auf Kosten anderer stattfinden darf. Genau das tat Steve Jobs aber sein Leben lang. Ehemalige Geschäftspartner und Kollegen sägte er ab, wenn sie ihm im Weg standen, selbst Familienmitglieder sperrte er aus seiner Welt aus, wenn sie es wagten, Kritik zu üben und somit seinem öffentlichen Image Schaden zufügten. Denn nur darum ging es: Um Marketing.

Im Grunde sind die Produkte, die Apple mit Steve Jobs entwickelte, nichts Besonderes. Besonders war lediglich das Marketing, und hier muss man Steve Jobs zähneknirschend Respekt zollen. Es ist ihm gelungen, den Computer vom Gebrauchsgegenstand und Arbeitsgerät zu einem Lifestyleprodukt zu machen. Er hat es mit dem iPod geschafft, aus dem Pfennigprodukt mp3-Player ein begehrtes Statussymbol zu machen, das genauso maßlos überteuert war wie später das iPhone – das natürlich keineswegs die Revolution war, als die es verkauft wurde. Es war nicht das erste Smartphone. Das existierte längst und hieß Blackberry. Jobs hat lediglich das Konzept weiterentwickelt und dafür gesorgt, dass alle sein Produkt haben wollten, er hat gezeigt, wie Marketing funktioniert, wie man Begehrlichkeiten weckt. Dass sein wichtigster Zulieferer Samsung ihn qualitativ auf dem Smartphone-Markt längst überholt hat, tat den Apple-Jüngern keinen Abbruch. Auch sie waren inzwischen gegen jegliche Kritik immun und huldigten einem Telefon, mit dem man nicht ordentlich telefonieren konnte, weil es Apple neben allem Schnickschnack nicht gelungen war, die Antenne funktional sinnvoll zu verbauen.

So schön die Stanford-Worte auch klingen, Jobs war ein Prediger des Radikalkapitalismus und des Konsumismus. Er verkaufte überteuerte Produkte, die er zu übelsten Konditionen herstellen ließ (wer erinnert sich nicht an die Selbstmordwelle beim chinesischen Zulieferer Foxconn?); er schuf eine Unternehmensstruktur, die auf radikalem Leistungsdruck basiert; er schuf für den Endkunden ein System, das einem Gefängnis gleicht, weil es ihm keine Wahl lässt, sondern den Willen des Herstellers diktiert, und das zudem immer wieder datenschutzrechtlich in die Diskussion gerät.

Apple hat zweifellos den IT-Markt in großen Schritten vorangebracht, hat vieles vereinfacht und das Konzept des Mobile Internet (das vorher schon existierte) massentauglich gemacht. Macht all das Steve Jobs zu einem, der es verdient hat, angebetet und im Nachhinein verklärt zu werden? Nein, sicher nicht. Er war ein geschickter Geschäftsmann, der die Klaviatur des globalisierten Kapitalismus beherrschte, und er hat der Welt eine Handvoll Luxusprodukte gebracht. That’s it. Und vor allem deshalb gilt es für die unkritischen Apple-Jünger heute umso mehr, dem ihnen so wohlbekannten Slogan Aufmerksamkeit zu schenken: Think different. (gw)

Datum: 06.10.2011

 

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