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Johnny Cash

Vom Umgang mit der Zeit danach

Musiker Johnny Cash

(tsch) "We'll meet again", versprach Johnny Cash im letzten Lied seines Albums "The Man Comes Around" 2002, und tatsächlich macht die Vorstellung, eines Tages im Jenseits zufällig Johnny Cash in die Arme zu laufen, mehr als nur Hoffnung. Es könnte ein Spaß werden. Sofern Gitarren zur Grundausstattung des Paradieses gehören. Denn am Reden war der Vollblutmusiker mit zunehmendem Alter dem Vernehmen nach nicht mehr allzu interessiert. Er hatte nichts gegen Gäste, doch bald schon stellte er dann stets das Geplauder ein und spielte stattdessen. "We'll meet again, don't know where, don't know when ..."

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Nun ist es so, dass der gewöhnliche Musikkonsument aus Deutschland auf Johnny Cash seit dessen Tod am 12. September 2003 in einer nie gekannten Häufigkeit trifft. An die Stelle von Hoffnung könnte, wenn es denn so weiter geht, am jüngsten Tage die Erlösung treten. Endlich wäre Ruhe. Johnny kann nichts dafür, das sollte man sich stets in Erinnerung rufen. Doch seine Posthum-Vermarktung nimmt bisweilen schon skurrile Formen an. Zenit von alledem sollte der aktuelle Kinofilm "Walk the Line" sein.

Doch auch der wird begleitet von einer Unzahl von Veröffentlichungen. Ein Blick unter C wie Cash - die Fächer in den Musikmärkten platzen aus allen Nähten. Keine Frage: Es ist viel Gutes dabei. "Duets" zum Beispiel, eine Neuveröffentlichung bei Sony BMG. Auf der CD sind 16 gemeinsame Songs von Johnny Cash und June Carter Cash zusammengefasst. Aufnahmen von - so heißt es auf der Rückseite der CD - "Partners in life and in song". Schöner lässt es sich nicht formulieren. "Jackson", "If I Were A Carpenter", "Cause I Love You" und "It Ain't Me Babe" sind darunter, allesamt Lieder, die Harmonie ebenso umspült wie ungezügelte Kraft. Eine Compilation, gegen die ganz und gar nichts zu sagen ist. Musik, die glücklich macht und eine Hommage an die Zweisamkeit dazu.

Rund zwei Dutzend "neue" CDs fanden seit dem Tod des Man in Black den Weg in die deutschen Plattenregale. Weit vorne für Neueinsteiger: "Ring Of Fire: The Legend Of Johnny Cash", ein Best-of-Album, keineswegs das erste überhaupt, aber das erste, welches das gesamte Schaffen von 1955 bis 2003 beinhaltet. Also auch jene letzte Zeit, in der Cash in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Rick Rubin die vier "American Recordings"-Alben veröffentlichte. Weit interessanter indes für Fans sind das atmosphärisch starke Live-Album "At Madison Square Garden / America" (Doppel-CD, Sony BMG) sowie eine Compilation namens "The Highwayman" mit Musik von Waylon Jennings, Johnny Cash und Kris Kristofferson (Cargo).

Mutig und zugleich etwas verwirrend ist eine neue CD unter dem Titel "Traveling Cash - An Imaginary Journey", eine Art Konzeptalbum, das Songs von Johnny Cash im Stile einer Reise aneinanderreiht. Beginnend im Folsom Prison steht umfassende Erlebnistour mit 20 Songs an, die für das Sun-Label entstanden. Mit dabei auch bekannte Hits, "Hey Porter", "I Walk The Line" und andere.

Empfehlenswert ist darüber hinaus der offizielle Soundtrack "I Walk The Line" zum gleichnamigen Kinofilm, der in diesen Tagen in Deutschland startete. Hauptdarsteller Joaquin Phoenix erweist sich als talentierter Musiker, wenngleich er die besondere Tiefe des Originals nicht erreicht.

Viel Vernünftiges also, viel Hörenswertes. Was Wunder, Cash bleibt auch in der x-ten Neuauflage Cash und damit einer der wichtigsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Ein bisschen schade ist es dennoch, dass sich nun, wenige Jahre nach seinem Tod, das Werk des Künstlers in einer Flut an Neuveröffentlichungen zu verbrauchen droht. Cash, die Inflation, sollte ihr Ende finden, um dem Musiker nicht nach seinem Tod den Makel der totalen Vermarktung zu geben. Nicht, dass jemand hierzulande noch auf die Idee kommt, Cash ins Deutsche übersetzen zu wollen. - An gleicher Stelle wurde hier schon einmal die Hoffnung geäußert, dass es doch gut wäre, wenn das letzte Lied, das man im Leben zu hören bekommt, eines von Johnny Cash sein könnte. Wie unerträglich ist da der Gedanke, dass es nach dem möglichen großen geglückten Abgang nochmal weitergehen könnte.

Kai-Oliver Derks


The Legend: Als Kultfigur unsterblich. Johnny Cash bleibt auch nach seinem Tod ein Thema.
The Legend: Als Kultfigur unsterblich. Johnny Cash bleibt auch nach seinem Tod ein Thema. (SonyBMG)

"Ich sang so, wie es sich für mich gut anfühlte." - Cash.
"Ich sang so, wie es sich für mich gut anfühlte." - Cash. (Sony BMG)

Johnny Cash galt als Musiker, der auch anderen Stilrichtungen nicht abgeneigt war.
Johnny Cash galt als Musiker, der auch anderen Stilrichtungen nicht abgeneigt war. (Sony Music)

Datum: 15.02.2006

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Diskussion: "Johnny Cash"

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