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Willkommen in Nazi-Deutschland 2011

Die konsequente Verharmlosung rechter Gesinnung

Die Politik zeigt sich entsetzt: Rechtsradikaler Terror, mitten in Deutschland, im 21. Jahrhundert. Damit konnte ja niemand rechnen! Man ist schockiert! Konnte man wirklich nicht damit rechnen? Ist es wirklich so überraschend, dass Neonazis mordend durch die Republik ziehen? Oder wird wieder die urdeutsche Tugend des Wegsehens und Wegduckens zelebriert?

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Zehn Menschen hat die rechtsradikale NSU ermordet: acht Türken, einen Griechen, sowie eine Polizistin, die, so scheint es zur Zeit, mit den Nazis in persönlichem Kontakt stand. Und wieder einmal gibt es die Stimmen, die versuchen, die Taten kleinzureden, die braunen Verbrecher als eine unabhängige Gruppe ideologisch verkorkster Verrückter abzutun, obwohl ihre engen Verbindungen zu NPD und Neonazi-Szene so offensichtlich sind. Und wieder mal ist der Verfassungsschutz involviert, es geht um V-Männer mit brauner Leidenschaft, es werden Ausreden, Dementis und das übliche Betroffenheits-Blabla lanciert. Als Bürger eines demokratischen Staates muss man sich derweil ernsthaft fragen, ob dieser Geheimdienst je entnazifiziert wurde, der regelmäßig mit ähnlich gelagerten „Pannen“ auffällt. Sind unsere selbsternannten „Verfassungsschützer“ rechtsradikal? Oder dulden sie zumindest derartige Gesinnungen?

Wundern solche Taten tatsächlich in einem Land, dass still und in übergreifendem Konsens seine Ressentiments und seine tumbe Ausländerfeindlichkeit kultiviert? Jeder dritte Deutsche hält Deutschland Umfragen zufolge für „überfremdet“. Jeder Dritte! Das muss man sich bewusst machen, sobald man in einer Gruppe mit mindestens drei Leuten steht. Die Vorstellung lässt schaudern.

Die Massenmedien geben sich heute moralisch – nachdem sie jahrelang auflagen- und klickträchtig an der Stigmatisierung der Muslime teilgenommen haben. Dasselbe gilt für die Politkader insbesondere der sich christlich nennenden konservativen Parteien, die Ressentiments gerne mal als Wahl-Marketing einsetzen, weil sie wissen, dass Hetze in großen Bevölkerungsteilen auf fruchtbaren Boden fällt. Die verlogene Entrüstung, die jetzt zur Schau gestellt wird kann nicht verdecken, dass niemand in den Parlamenten bereit ist, sich an die eigene Nase zu fassen. Ein kollektives Guttenberg-Syndrom: man hat es nicht nötig, Fehler einzugestehen, egal wie groß die Scheiße ist, die man gebaut hat.

Wir leben im Zeitalter von Wilders, Sarrazin und Co. Hauptsache man hat in Feindbild. Feindbilder sind konsensfähig in Deutschland, sind es immer gewesen. Ausländerfeindlichkeit und rechtsradikale Gesinnung sind Mainstream, sind Mitte der Gesellschaft. Diesem Problem muss Deutschland sich stellen, wenn radikale Auswüchse wie die NSU keine Chance haben sollen…

Gerrit Wustmann

Datum: 24.11.2011

 

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