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Scream 4 (DVD & Blu-Ray)

Wes Craven kann es noch

Wes Craven ist ein Urgestein des Horrorgenres. Wenn auch seine ersten Filme wie „Last House On The Left“ heute eher unfreiwillig komisch anmuten, hat er doch Meilensteine wie „Nightmare On Elm Street“ und nicht zuletzt die Scream-Trilogie zu verantworten – oder auch den nach wie vor wenig bekannten aber großartigen Thriller „Red Eye“. Mit „Scream 4“ will er an den Erfolg der 90er anknüpfen – und das gelingt ihm problemlos. Der Film zeigt aber auch, wie schwierig das Publikum sein kann.

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In den 90ern war die Scream-Trilogie Kult. Nicht nur, dass Wes Craven mit dem Teenie-Slasher quasi ein neues Subgenre aus dem Boden stampfte, das in den folgenden Jahren zahllose (meist recht zahnlose) Nachahmer fand – er hat es auch geschafft, zugleich die gesamte Historie des Horrorfilms augenzwinkernd aufs Korn zu nehmen. Hieran knüpft er im vierten Teil nahtlos an. Alle sind sie wieder in Woodsborough versammelt: Sidney Prescott (Neve Campbell) hat ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben und kommt zehn Jahre später an den Ort des Verbrechens zurück. Dewey (David Arquette) ist inzwischen Sheriff und mit Nervensäge Gale (Courtney Cox) verheiratet, und die örtlichen Teenies feiern das Jubiläum der Massaker.

Mit Emma Roberts als Sidneys Cousine Jill und Hayden Panettiere als deren Freundin Kirby rundet Craven den Cast ab – und schafft hier sofort eine angenehme Ironie: Als die Morde geschahen waren die beiden noch Kinder, ebenso wie ihre Darstellerinnen zehn Jahre zuvor, die mit der ursprünglichen Trilogie aufgewachsen sind. Kaum ist Sidney in der Stadt, geht das Gemetzel freilich wieder los und ebenso die altbekannte, dem Krimigenre entliehene Frage: Wer ist es diesmal. Hier, und nur hier, verbirgt sich der einzige wirkliche Schwachpunkt des Films. Denn obwohl es auch diesmal kaum vorhersehbar ist, ist es doch unmöglich, den bitterbösen Humor der Auflösung des ersten Teils zu wiederholen, denn das Schema ist im Wesentlichen dasselbe.

Craven ist sich dessen offensichtlich bewusst, also sucht er die Schlagkraft an anderen Stellen. Etwa in der Entwicklung seiner Hauptfiguren, denen man ihr Setting zehn Jahre danach durchaus abnimmt. Überragend sind aber im vierten Teil nicht nur die zahllosen Selbstzitate, sondern auch die mannigfaltigen Anspielungen auf das Genre und dessen Fallstricke, in die Craven bisher nur selten getappt ist. Es sind vor allem die vielen winzigen Details, die dazu animieren, den Film mehrmals zu sehen. Zum Beispiel wenn bei einer Vorführung von Stab 1-7 (wer denkt hier nicht an „Saw“?) als Regisseur Robert Rodriguez angegeben ist (auch dessen Filme werden nach wie vor von den Weinstein-Brüdern produziert). Oder wenn die Opfer der ersten Teile kleine Gastauftritte haben und darauf verwiesen wird, dass sich ein Remake niemals mit dem Original anlegen darf (eine Regel, die Michael Bay bis heute nicht begriffen hat).

„Scream 4“ ist ein stimmiger Film, der die Serie gekonnt ins neue Jahrtausend befördert. Ein Film, der (wie immer bei Craven) genau die richtige Mischung aus Spannung und Humor beinhaltet und der vor allem davon lebt, dass er sich selbst nicht ernst nimmt. Und doch blieb der Streifen im Kino hinter den Erwartungen zurück. Ein Erfolg, aber kein Blockbuster. Jeder, der damals die Originale mochte, dürfte sich auch diesen Film angesehen haben, aber Cravens Versuch, eine neue Zuschauergeneration für „Scream“ zu begeistern, scheint nicht funktioniert zu haben. Vielleicht liegt das daran, dass die jüngeren Zuschauer in der Zwischenzeit all die anderen Teenie-Slasher gesehen haben, die meist viel mehr als „Scream“ auf Sex N’ Violence setzen. Vielleicht liegt es daran, dass sie den Humor nicht erfassen, weil sie einen Großteil der zitierten und persiflierten Filme nicht kennen. Vielleicht liegt es am fehlenden Nostalgie-Faktor. Wer weiß. Offen ist nach wie vor, ob nun auch der fünfte und sechste Teil wie ursprünglich geplant realisiert werden. Harvey Weinstein sagte kürzlich: Ja, ganz bestimmt. Craven scheint sich aber noch nicht so sicher zu sein… (gw)


Datum: 06.01.2012

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