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Graham Masterton: Das Insekt

Kurzweiliger Gruselthriller

Graham Masterton wurde vom San Francisco Chronicle einst als „einzig wahrer Erbe von Edgar Allan Poe“ bezeichnet. Das ist maßlos übertrieben. Poe war ein brillanter Stilist, Mastertons Stil ist simpel und oberflächlich. Dennoch lohnt sich ein Blick auf seinen kurzweiligen Gruselthriller „Das Insekt“.

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Bonnie Winter hat einen nicht alltäglichen Job: Sie reinigt Tatorte, nachdem Polizei und Spurensicherung ihre Arbeit beendet und die Gerichtsmediziner die Leichen abtransportiert haben. Damit und mit dem Verkauf von Kosmetika hält sie ihre kleine Familie über Wasser. Ihr Sohn, der sich in rechtsradikalen Jugendgangs herumtreibt, bereitet ihr Sorgen, und ihr Mann Duke, der seine Nachmittage betrunken vor dem Fernseher verbringt und sich hartnäckig weigert, sich einen Job zu suchen hat ein immenses Talent, ihr das Leben zur Hölle zu machen.

Zu allem Überfluss geschehen in ihrer gutbürgerlichen Nachbarschaft in Los Angeles zunehmend mysteriöse Gewaltverbrechen. Männer rasten aus, metzeln ihre Frauen und Kinder nieder, bevor sie sich dann selbst töten. Während sie das Blut von den Wänden schrubbt, hat Bonnie das Gefühl, die Leben der betroffenen Menschen endgültig auszulöschen, sie tilgt die letzten Hinweise auf ihre Existenz. Und dann tauchen auf einml diese seltsamen Raupen auf, vor denen Bonnies mexikanische Mitarbeiterin Esmeralda sich bekreuzigt, bevor sie sie wie im Rausch mit Insektenvernichter tötet. Bonnie beschließt, eines der Tiere dem Gerichtsmediziner zu bringen. Nach und nach wird ihr bewusst, dass etwas ganz und garnicht stimmt – und eines Morgens sind Duke und ihr Sohn Ray spurlos verschwunden.

„Das Insekt“ ist ein schlanker Roman, den man an einem gemütlichen Nachmittag weglesen kann. Das liegt auch daran, dass sich Graham Masterton nicht groß mit Nebenschauplätzen aufhält. Er treibt seine Geschichte zielsicher voran – leider so zielscher, dass sie schon nach wenigen Seiten arg vorhersehbar ist. Es gelingt ihm nicht, den Leser zu überraschen, Spannung kommt nicht auf, was in diesem Genre an sich tödlich ist, und doch hält er den Leser bei der Stange, indem er einen wohligen unterschwelligen Grusel entfaltet.

Masterton, der seine Karriere mit Sexratgebern begann, hat inzwischen über hundert Bücher geschrieben, die alle mehr oder weniger dem Tales-From-The-Crypt-Muster folgen. Nur wenige wurden ins Deutsche übersetzt. Für Gruselfans interessant; wer es tiefgründiger und stilistisch ausgefeilter mag, sollte die Finger davon lassen. (gw)


Graham Masterton: Das Insekt (Heyne Verlag)
Graham Masterton: Das Insekt (Heyne Verlag)

Datum: 24.01.2012

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