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Die großen Skandalfilme der Kinogeschichte

55 Filmportraits von den Anfängen bis heute

Immer wieder gab es in der Filmgeschichte kleine und groß Aufreger – vom missverstandenen Kunstfilm bis zum kalkulierten Skandal war alles dabei. Cineast Clemens Ottawa aus Wien hat in seinem Buch „Die großen Skandalfilme der Kinogeschichte“ einen Überblick geschaffen. Eine Art Lexikon des cineastischen Eklats mit wissenswerten Infos, das einem auch Filme wieder ins Gedächtnis ruft, die man längst vergessen hatte.

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Es gibt einige große Skandalfilme der Kinogeschichte, die jeder noch im Blick haben dürfte. Pasolinis „120 Tage von Sodom“ zum Beispiel, oder „Der letzte Tango in Paris“. „Die Geschichte der O.“ darf ebensowenig fehlen wie Oliver Stones „Natural Born Killers“ oder Mel Gibsons „Passion Christi“. Aber auch gänzlich überflüssige Machwerke wie „Gesichter des Todes“ oder „Kids“ finden Erwähnung. Da wundert es ein wenig, dass Uwe Bolls Griff ins Klo „Auschwitz“ unter den Tisch fällt – andererseits wäre das für den deutschen Ed Wood wohl zuviel der Ehre.

Interessant ist es, zu sehen, dass immer wieder filmische Darstellungen von sexueller Gewalt („Irreversibel“, „Baise-moi“, „Inzest“) die Gemüter erhitzen und nicht selten sogar auf dem Index landeten – als wäre es besser, wenn diese Probleme auf der Leinwand totgeschwiegen würden (in diesem Zusammenhang fehlt übrigens „Der freie Wille“ von Matthias Glasner). Oft waren es auch Literaturverfilmungen, die heute als Meisterwerke gelten, die aus konservativer Sicht Grenzen überschritten: „Clockwork Orange“, „Ulysses“. Mit „Idioten“ und „Antichrist“ ist der auf Skandale abonnierte Filmemacher Lars von Trier gleich zweimal dabei, und natürlichkamen nicht wenige Skandale auch dadurch zustande, dass sich die katholische Kirche auf die Füße getreten fühlte (bestes Beispiel „Das Leben des Brian“).

Clemens Ottawa beschreibt neben dem Grund des jeweiligen Skandals kurz den Inhalt der Filme, führt ausgewählte Kritikerstimmen an und ergänzt die Vorstellung mit Wissenswertem aus dem Hintergrund. Zum Beispiel erläutert er, wie die Remarque-Verfilmung „Im Westen nichts Neues“, der erste Antikriegsfilm überhaupt, von den Nazis als antiptriotisch abgelehnt und verboten wurde, während er in Polen ebenfalls auf dem Index landete, hier aber unter der Begründung, er sei „prodeutsch“.

Obwohl einige Filme in dem Kompendium fehlen, hat Ottawa hier eine lesenswerte und kurzweilige Sammlung aufgestellt. Ob der Begriff „Skandal“ in jedem Fall so passend ist, darüber kann man sich streiten – jedenfalls geht es um Filme, die in unterschiedlicher Weise Kontroversen hervorriefen, die in einigen Fällen bis heute nicht beigelegt sind. (gw)


Clemens Ottawa: Die großen Skandalfilme der Kinogeschichte (Projekte Verlag)
Clemens Ottawa: Die großen Skandalfilme der Kinogeschichte (Projekte Verlag)

Datum: 25.01.2012

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