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Der Vorleser (DVD & Blu-Ray)

Tragische Fehlbesetzungen

Mit dem Roman „Der Vorleser“ ist Bernhard Schlink ein moderner Klassiker gelungen, der längst seinen festen Platz auf den Lehrplänen deutscher Gymnasien eingenommen hat. Die Verfilmung durch Stephen Daldry aus dem Jahr 2008 leidet unter einem unsicheren Drehbuch und einer Reihe unverzeihlicher Fehlbesetzungen – allen voran Kate Winselt, die für die Hauptrolle zu allem Überfluss mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

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Auf den ersten Blick wirkt so ziemlich alles an der deutsch-amerikanischen Produktion, die hauptsächlich in den Babelsberg-Studios gedreht wurde, hochkarätig. Produziert wurde der Film unter anderen von den Weinstein-Brüdern, Sidney Pollack, Anthony Minghella. Mit Kate Winslet, Ralph Fiennes, Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Hannah Herzsprung, Karoline Herfurth und Jürgen Tarrach haben die Caster versucht, jede noch so kleine Nebenrolle mit schillernden Namen zu besetzen. Namen, bei denen man denkt: Wenn solche Leute mitspielen, kann nicht viel schiefgehen. Leider beweist „Der Vorleser“ das Gegenteil.

David Hares Drehbuch nimmt sich bei der Adaption der Romanvorlage einige Freiheiten, die, abgesehen von der lausigen Schlussszene, verzeihbar sind. Weniger verzeihbar ist die Unentschlossenheit und Oberflächlichkeit des Storyverlaufs, die darauf hoffen, dass das Spiel der Darsteller es schon irgendwie rausreißen wird. Tut es aber nicht.

Der junge Michael Berg (David Kross) lernt in den Fünfzigerjahren die etwas rau und spröde wirkende Hanna Schmitz (Winslet) kennen und verliebt sich in sie, obwohl er minderjährig ist und sie seine Mutter sein könnte. Sie will, dass er ihr Bücher vorliest, was er gerne tut. Im Film besteht die Affäre aus Vorlesen und Sex, und das immer wieder über das erste Drittel des Films hinweg. Das wird schnell ermüdend, weil es im Grunde nichts erzählt. Einige Jahre später wohnt Michael als Jurastudent einem Prozess bei und muss erfahren, dass Hanna SS-Mitglied gewesen und für den Tod von dreihundert Menschen mitverantwortlich ist.

Während David Kross überzeugend den inneren Konflikt seiner Figur aufs Parkett bringt, wirkt sein Gegenpart Kate Winslet von der ersten Szene an unglaubwürdig. Man nimmt ihr die Rolle nicht ab, weder die spröde Liebhaberin, noch die tumbe SS-Frau vor Gericht, und auch nicht die altgeschminkte Gefängnisinsassin, deren Altsein doch arg aufgesetzt rüberkommt. Den Oscar hätte man ihr lieber schon vor Jahren für ihre Darbietung in Peter Jacksons „Beautiful Creatures“ geben sollen. Die gravierendste Fehlbesetzung des Films bleibt aber Ralph Fiennes als gealterter Michael. Er spielt lustlos mit einem einzigen Gesichtsausdruck und plagt sich durch seine Rolle, die für einen brillanten Darsteller wie ihn nichts hergibt, weil sie schlicht inhaltslos ist. Die Figur erzählt nichts, sie ist ein eindimensionaler Pappkamerad, den man ohne Verlust hätte streichen oder zumindest kürzen können. Und hier kommt eine weitere wesentliche Frage auf: Wenn es doch möglich war, die kleinen Nebenrollen mit überragenden deutschen Darstellern zu besetzen, warum hat man es dann nicht auch in den Hauptrollen getan. Alexandra Maria Lara hätte die Hanna mit Bravour gespielt, um nur ein Beispiel zu nennen.

Was dem Streifen dann endgültig den Rest gibt, sind die zahlreichen gravierenden und peinlichen Filmfehler, von dem hier nur der heftigste genannt sein soll: Der Film spielt in Deutschland, er trägt den Titel „Der Vorleser“, folglich stehen immer wieder Bücher im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Und in jedem Closeup ist eine englische Ausgabe zu sehen, ebenso wie Hanna ihre Briefe aus dem Gefängnis auf Englisch schreibt. Unterm Strich: Ein cineastischer Totalausfall, der seinem eigenen Anspruch nicht gerecht wird. (gw)


Romanverfilmung "Der Vorleser": Tragische Fehlbesetzungen
Romanverfilmung "Der Vorleser": Tragische Fehlbesetzungen

Datum: 25.01.2012

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