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Berlinale 2012: Nina Hoss als BARBARA

Flüchten oder Standhalten?

Die ostdeutschen Landschaften haben Christian Petzold schon öfter fasziniert, etwa in seinen Filmen „Yella“ (2007) und „Jerichow“ (2009). Aber da ging es um die Nach-Wendezeit. Mit „Barbara“ unternimmt der Berliner Regisseur nun eine Zeitreise in die ehemalige DDR – eine wunderbar stimmige Annährung an die Atmosphäre der frühen 1980er Jahre, als der Untergang des Honecker-Regimes noch lange nicht absehbar war. Ganz darin eintauchend, entfaltet Petzold zugleich eine universelle Geschichte von Misstrauen und Nähe, von Skepsis und stillem Einverständnis. Auf der Berlinale startete der Film als erster von drei deutschen im Wettbewerb. Und setzte gleich einen starken Akzent für die Qualität des hiesigen Kinos.

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Christian Petzold beginnt seine Geschichte mit der Ankunft einer jungen Ärztin in einem Provinzkrankenhaus, nicht weit von der Ostsee. Barbara (Nina Hoss) ist keineswegs freiwillig hier. Weil sie einen Ausreiseantrag stellte, musste sie erst ins Gefängnis und nun in das kleine Dorf weitab der Berliner Charité, wo die begabte Medizinerin ihre einst hoffnungsvolle Karriere begann.

Barbara weiß, dass die Stasi jeden ihrer Schritte überwacht. Und natürlich misstraut sie auch ihrem neuen Chef André (Ronald Zehrfeld), der so gar nicht in das Bild des korrumpierten Vorgesetzten zu passen scheint. Ist Andrés warmherziges Verständnis nur ein besonders perfider Versuch, Barbara in die Falle zu locken? Oder hat es hier jemand geschafft, ärztliche Ethik über den Willen der Staatsmacht zu stellen? Barbara will das eigentlich gar nicht wissen, denn ihr Geliebter aus dem Westen (Mark Waschke) hat alles für die Flucht vorbereitet. Trotzdem nimmt sie ihre ärztlichen Pflichten immer noch ernst. Das zwingt sie, genauer hinzusehen.

Die gängige, schon tausendmal im Fernsehen gezeigte Geschichte würde so verlaufen: Armes Liebespaar geht nach vielem Hin und Her an der deutsch-deutschen Mauer zugrunde. Christian Petzold aber erzählt das komplette Gegenteil. Nämlich, wie sich eine Liebe ganz verhalten entwickelt – in diesem Fall eine rein ostdeutsche -, gerade weil die Liebenden in einem Polizeistaat leben. Wie sie Umwege finden müssen, auf stumme Zeichen und stilles Einverständnis angewiesen sind.

Darin besteht der Charme dieses vielschichtigen, schnörkellos erzählten Films: Dass er die Erwartungen zuverlässig unterläuft und sich auf ein Abenteuer mit offenem Ausgang einlässt. Christian Petzold und sein über lange Jahre eingespieltes Team (Kameramann Hans Fromm, Cutterin Bettina Böhler und Hauptdarstellerin Nina Hoss) beweisen einmal mehr, dass Minimalismus kein Selbstzweck ist. Der präzise, genau fokussierte Einsatz der filmischen Mittel führt zu hochemotionalem, bewegendem Kino.

Peter Gutting


Nina Hoss als "Barbara": Bewegender Berlinale-Beitrag
Nina Hoss als "Barbara": Bewegender Berlinale-Beitrag

Datum: 12.02.2012

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