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Beth Orton: Comfort Of Strangers

Beth Orton Comfort Of Strangers

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Das letzte, was wir von der Songwriterin Beth Orton hörten, war das B-Seiten-Album "The Other Side Of Daybreak", das Outtakes und B-Seiten ihres wunderschönen vorletzten Zauberwerks "Daybreak" enthielt. Etwas überraschend wird jetzt etwas sehr Schönes vermeldet, der Release ihres neuen Albums "Comfort Of Strangers" nämlich. Aber die früher gerne verwendete Bezeichnung "Elektro-Folk" für Ortons Klangspagat stimmt nicht mehr, lassen Sie das "Elektro" weg, und wir kommen der Sache schon näher. Auch akustischer Brainpop oder Trip-Folk passt nicht mehr, denn Beth Orton hat sich für "Comfort Of Strangers", wie angekündigt, der völlig analogen, reinen und echten ungepluggten Musik gewidmet.

Bottleneck- und andere akustische Gitarren mit versiertem Fingerpicking (Jim O'Rourke) bestimmen die Klangfarben, ein sanftes Schlagzeug, gespielt vom versiertem Besenstreichler und High-Hat-Verzärtler Tim Barnes (Wilco), ein perlenschimmerndes Klavier (Orton), Mundharmonika und sogar ein Hackbrett machen die Sache rund. Songtitel wie "Heartland Truckstop" zeigen dem nach Elektronika vergeblich Suchenden, wo bei Frau Orton inzwischen der Hammer hängt. Draußen bei dem Pferden, in der Scheune und im Stall. Was ist passiert? Erstens einmal: Beth Orton feiert zehnjähriges Karrierejubiläum, Grund genug, einmal ein paar Fans wachzurütteln. Zweitens: Das geremixte "Other Side Of Daybreak" war streckenweise so elektrifiziert, dass Beth Orton vielleicht wieder einen Ausschlag in die entgegengesetzte Richtung brauchte und ihren Plan, ein One-Take-Album aufzunehmen, bereits 2004 ankündigte.

Aber trotz der hemdsärmeligen, unkomplizierten Lean-Produktion ohne Overdubs könnte "Comfort Of Strangers" auch Fans aus der Clubliga gefallen. Denn ein gutes Lied ist immer ein gutes Lied, egal ob der Sequencer im Hintergrund klappert. Und auf "Comfort Of Strangers" finden sich wunderschöne Songs. Das zwischen Dur und Moll schwebende und doch treibende "Shadow Of A Doubt" beispielsweise, der rasende, stompende Song "Rectify", der klangmalerisch das Bild eines dahinrollenden Zuges voll rastloser Hobos projiziert, das mitreißende "Heart Of Soul", das traumwandlerische "Feral Children", das noch am ehesten an die "frühere" Beth Orton erinnert, oder die Dylan-esken Erzählungen "A Place Aside" und "Shopping Trolley" - Beth Orton hat sich auf jeden Fall neu erfunden. Ihre hinreißenden Songwriterqualitäten sind davon trotzdem unbeeinflusst geblieben, mit sicherem Gespür für den richtigen Ton oszilliert Orton zwischen Melancholie, Trotz, distanziertem Humor, Traurigkeit und lyrischer Nachdenklichkeit. Trotzdem sollte man gut prüfen, ob sich hier eine neue Liebe anbahnt, oder ob man nicht doch eher zu digitalen Klängen tendiert.

Kati Hofacker


Datum: 18.02.2006

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