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The Mars Volta: Noctourniquet

Ausflug in nächtliche Welten

Eigentlich verstehen sich Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala ja als Punkband. Zu ihrer Attitüde passt das. Die Kombination von Punk und Hardrock hieß einmal Sleaze, zu Zeiten von Hanoi Rocks, Mötley Crüe und Co. Doch dann kamen Bands wie Nine Inch Nails und haben gezeigt, dass man unter Rock noch ganz andere Dinge subsumieren kann. Als Rodriguez-Lopez und Bixler-Zavala 2001 nach der Auflösung von At The Drive-In ihre Formation The Mars Volta gründeten, war die radikal-experimentelle Linie bereits klar. Auf ihrer gerade erschienenen sechsten Scheibe „Noctourniquet“ schreiben sie ein weiteres Kapitel Rock-Avantgarde auf höchstem Niveau.

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Von der Fachpresse werden die beiden, die ihre Klamotten grundsätzlich selbst schreiben und produzieren, seit jeher hofiert, beim Publikum sind sie klassisch gespalten: Entweder man liebt oder man hasst sie. Doch man darf wagemutig behaupten: Wer sich einmal auf das Duo einlässt (oder die Truppe gar live erleben darf), der kommt von der Volta-Droge kaum noch los.

Den Grammy für „Wax Simulacra“ hatten sie sich redlich verdient, was bei Workaholics keineswegs selbstverständlich ist. Alle zwei Jahre ein neuer Longplayer, und dabei dieses Niveau nicht nur zu halten, sondern sogar noch zu steigern, davor muss man den Hut ziehen. Auf „Noctourniquet“ gehen sie konsequent mehrere Schritte weiter und vertiefen ihre musikalischen Explorationen, verbinden Elemente, die man so nicht beieinander erwarten würde zu einer Klangreise, die derart abgespaced ist, dass man vor Freude mit den Ohren schlackert.

Allein ein Song wie „Aegis“ lässt andere Avantgarde-Rocker (man denke zum Beispiel an Tool) recht alt aussehen – auch wenn man sich für so eine Aussage Schläge einhandeln kann. Dabei ist das erst der. Anfang. Weitere Anspieltipps: „In Absentia“ und „Molochwalker“, vom Titeltrack zu schweigen. Mit „Noctourniquet“ dürften die Mexikaner gute Chancen haben, auch die letzten Zweifler für sich zu gewinnen. Bombast, rotzige Punksounds und düsterer Weltuntergangs-Soundtrack stehen hier so selbstverständlich nebeneinander, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Ein Album, das Konventionen sprengt. Da müssen sich alle, die das im Jahr 2012 noch toppen wollen, mächtig ins Zeug legen. (gw)


The Mars Volta: Noctourniquet (Warner)
The Mars Volta: Noctourniquet (Warner)

Datum: 27.03.2012

 

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