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Und wenn wir alle zusammenziehen?

Altwerden à la française

Wohngemeinschaften sind nichts für Feiglinge. Schon gar nicht, wenn in Küche, Bad und Wohnzimmer fünf selbstbewusste Charaktere aufeinanderprallen, die ihre Ecken und Kanten jahrzehntelang geschliffen haben. Von einer Alters-WG zwischen Traum und Albtraum erzählt Stéphane Robelin in seiner warmherzigen Tragikomödie mit großem Star-Aufgebot, von Pierre Richard („Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“) über Geraldine Chaplin bis zu Jane Fonda.

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Die beiden Ehepaare und der überzeugte Single sind schon lange gute Freunde. Das Quintett trifft sich regelmäßig, feiert die Geburtstage und lässt es sich gut gehen. Sie wissen, was sie aneinander haben, nicht nur in guten Zeiten. Aber gemeinsam unter einem Dach? Das ist eher eine fixe Idee, keine Wunschvorstellung. Zu mal die Individualisten schon mit sich selbst genug Probleme haben. Annie (Geraldine Chaplin) zum Beispiel bevorzugt ein ruhiges Familienleben, während Ehemann Jean (Guy Bedos) den ewigen Alt-68er markiert. Jeanne (Jane Fonda) wiederum spürt zuweilen ein erotisches Prickeln, während sich ihr Gatte Albert (Pierre Richard) lieber mit teurem Rotwein vergnügt. Ganz anders als Junggeselle Claude (Claude Rich), früher ein Frauenheld, heute Stammgast bei Prostituierten. Liebend gerne würde das Quintett seine Marotten noch ein Weilchen im eigenen Haushalt pflegen. Doch das Alter klopft unüberhörbar an die Tür. Da erscheint die Senioren-WG als kleineres Übel im Vergleich zur professionellen Verwahranstalt.

Entsprechend den Charakteren findet „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ einen charmanten, leicht altmodischen Ton. Abgesehen von ein paar Klischeefallen zu Beginn entfaltet der Film einen leisen, unverbrauchten Humor, irgendwo zwischen altersweiser Abgeklärtheit und einer ganz eigenständigen, anscheinend nur den Franzosen gelingenden Gratwanderung zwischen Komödie und Tragik. Viele der „Running Gags“, die in einer anderen Konstellation wohl verpuffen würden, zünden allein durch die tiefe Sympathie, mit der Regisseur und Drehbuchautor Stéphane Robelin seine Heldinnen und Helden betrachtet, die langsam, aber sicher in die Demenz und andere Peinlichkeiten abrutschen.

Einer der besten Einfälle des Drehbuchs heißt Daniel Brühl. Er spielt den jungen Ethnologie-Doktoranden, der zuerst als Hundesitter bei dem Quintett anheuert und dann zu Forschungszwecken in das großzügige Anwesen mit einzieht – seine Promotion dreht sich um die „Situation der Alten in Europa“. Dass der junge Mann seine Schützlinge zu Objekten der Wissenschaft macht und sie auf Schritt und Tritt mit Notizblock und Videokamera behelligt, hat eine paradoxe Doppelwirkung: Einerseits ist das wissenschaftliche Experiment für einen komischen Verfremdungseffekt gut, andererseits schmuggelt es den Ernst der Lage in die Bilder. Es ist ja wirklich so, dass sich die wenigsten Gedanken darüber machen, wie sie in Würde altern wollen.

Lieber hört man auf Jane Fonda und treibt Aerobic, bis die Knie knacken. Dass gerade die Fitness-Queen sich bereit erklärt hat, eine sterbenskranke Frau zu spielen, ist ein weiteres Highlight des Films. In einem insgesamt großartigen Ensemble ragt sie gemeinsam mit ihrem Film-Ehemann Pierre Richard besonders heraus. Vielleicht deshalb, weil den beiden die größte Tragik anhaftet. Schließlich ist Altwerden keineswegs immer lustig. Nicht einmal in einer Senioren-WG.

Peter Gutting


Und wenn wir alle zusammenziehen?
Und wenn wir alle zusammenziehen?

Datum: 05.04.2012

 

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