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Rufus Wainwright in Berlin

Ein Konzertbericht

Außer brennenden Kerzen ist kein Licht auf der Bühne zusehen, dazu neun dunkle Gestalten, die nun endlich zu musizieren beginnen. Es ertönt dabei eine Stimme, die einem immer wieder den Atem raubt, selbst wenn man schon viele Konzerte von Rufus Wainwright besucht hat. Das feierlich anmutende „Candles“ klingt live gespielt fast wie der Auftakt zu einer Oper, was daraufhin aber folgt, ist ein unterhaltsames Popkonzert mit rührenden und lustigen Momenten, ein typisches Rufus-Konzert eben.

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Rufus Wainwright hat vor vielen Jahren in Berlin seinen Lebensgefährten kennen gelernt, er hat hier ein Album aufgenommen („Release the Stars“) und er hat erste Theatererfahrungen durch die Zusammenarbeit mit Robert Wilson am Berliner Ensemble gesammelt. Mit der deutschen Hauptstadt verbindet ihn also viel, weshalb es fast logisch scheint, dass das bisher einzige Deutschlandkonzert in diesem Jahr am 25. April im Konzertsaal der Universität der Künste stattfindet. Eigentlich ist es schade, dass keine andere Location gefunden wurde, denn für eine sechsköpfige Band, zwei grandiose Background-Sängerinnen und eine Stimmvirtuosen wie Rufus ist der Raum zu klein und zu unglamourös und die Akustik könnte auch besser sein.

Schwamm drüber. Den Genuss des Konzertes schmälert das nur wenig, denn Rufus ist endlich wieder mit Band auf Tour, nachdem er in den vergangenen Jahren allein mit Klavier und Gitarre aufgetreten war. Klassiker, wie „14th Street“, „The One I Love“ oder auch „April Fools“ kann man eben nur mit Begleitung spielen und man konnte dem Künstler anmerken, dass auch er Freude daran hatte, die alten Lieder wieder zum Besten zu geben. Zu Beginn gab es nach dem bereits angesprochenen „Candles“ weitere Highlights vom aktuellen Album, wie „Barbara“ oder das jazzig angehauchte „Respectable Dive“ und zwischen den neuen Nummern bejubelte das Publikum dann die alten „possible hits“, wie Rufus selbst augenzwinkernd erzählte und meinte, er könne ja irgendwann ein Album mit seinen „Possible Greatest Hits“ veröffentlichen. Damit spielte er darauf an, dass er bisher noch keine wirklichen Charterfolge vorweisen kann. Vielleicht aber mit dem neuen Album, das von Mark Ronson (Adele und Amy Winehouse) produziert wurde. Radiotaugliche Hits gibt es hier allemal. So zum Beispiel „Welcome to the Ball“, das er bereits während der Fußball-WM in Deutschland schrieb. Während des Konzertes kündigt er an, dass dieser Song live in einer anderen Fassung gespielt würde, weil er keine Streicher und Hörner mit auf Tour habe, der Song würde nun etwas mehr nach „Weimarer Republik“ klingen. Oder doch nach den Beatles? Na ja, meint er und lacht schon jetzt über seine Pointe.

Eine Mischung aus Weimarer Republik und den Beatles, das würde dann eben die Musik von Rufus Wainwright ergeben. Danach ertönt eine Art Marschmusik und in allen Reihen ist Gelächter zu hören. Weniger amüsiert ist man, als Rufus bei der Zugabe meint, dass er nun ein Lied brächte, dass den Deutschen ja besonders gut gefallen müsste, weil wir hier doch alle so verrückt auf Techno wären. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass man als Rufus-Fan eher weniger dem Techno zugetan ist, aber er macht seinen Faux Pas gleicht wieder gut, indem er meint, dass „Bitter Tears“ ja eigentlich auch mehr ein Disco-Lied sei, und das Publikum mit ein paar schrägen Tanzeinlagen erfreut. Tanzen gehört sicher nicht zu seinen Stärken, aber man sieht ihm trotzdem gerne zu, wie er neben dem Takt hoppelt, weil einen die kindliche Freude, die er dabei hat, fast vergessen lässt, dass es sich hierbei um einen der größten Sänger unserer Zeit handelt. (kk)


Rufus Wainwright am Piano (Bild: CineTreff-Archiv / kk)
Rufus Wainwright am Piano (Bild: CineTreff-Archiv / kk)

Datum: 28.04.2012

 

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