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Fatwa gegen iranischen Musiker Shahin Najafi

Ayatollah aus Ghom nennt Najafi Ketzer

2006 floh Shahin Najafi aus seinem Heimatland Iran. Aufgrund seiner politischen Texte war er in Konflikt mit der Zensur und den Behörden geraten. Er wollte nicht das Risiko eingehen, ebenso wie andere Künstler, die gegen das Regime aufbegehren, verhaftet oder gar getötet zu werden. Nun hat der fundamentalistische Ayatollah Golpayegani aus Ghom eine Fatwa gegen Najafi ausgesprochen, die sein Leben bedrohen könnte.

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In seinen Songs unterstützt Najafi die Studentenbewegung in Iran und tritt für Frauenrechte ein. Im Mai 2012 veröffentlichte er einen Song, in dem auf satirische Weise der schiitische Imam Naghi zur Rückkehr aufgefordert wird; es geht um Korruption und die politischen Missstände im heutigen Iran. Daraufhin erließ Ayatollah Golpayegani laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars eine Todesfatwa gegen Najafi als einen, der „vom Glauben abgefallen“ ist. Aktivisten setzen ein Kopfgeld in Höhe von 100.000 Euro aus.

Der Fall erinnert gravierend an den des britischen Schriftstellers Salman Rushdie, gegen den Ayatollah Chomeini vor rund 25 Jahren ebenfalls eine Todesfatwa erließ, nachdem Rushdie in seinem Roman „Die satanischen Verse“ den Propheten Muhammad beleidigt haben soll. Rushdie musste jahrelang untertauchen, inzwischen hat sich die iranische Regierung von der Fatwa (die einem Mordaufruf gleichkommt) distanziert.

Najafi, der in Köln lebt, ist derzeit ebenfalls untergetaucht und wird polizeilich geschützt. Offenbar erhält er auch Unterstützung von Enthüllungsjournalist Günther Wallraff, der in der ZEIT zur Solidarität mit Najafi aufrief. Najafi gab in den letzten Tagen vermehrt Interview und sucht aktiv Rückendeckung in der Öffentlichkeit. Zwar ist die Fatwa allenfalls innerhalb Irans rechtlich bindend, es ist aber – auch aufgrund des Kopfgeldes – nicht auszuschließen, dass religiöse Fanatiker hinter dem Musiker her sind.

Najafi ist einer von zahllosen Künstlern, Intellektuellen, Regimekritikern, die aus Iran nach Deutschland geflohen sind, weil sie in ihrer Heimat nicht frei arbeiten können und mit Verfolgung rechnen müssen. (gw)


Cover von Shahin Najafis Album "Hich Hich Hich"
Cover von Shahin Najafis Album "Hich Hich Hich"

Datum: 15.05.2012

 

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