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Künstleratelier im Herzen von Istanbul

Manzara Istanbul vergibt Stipendien an deutsch-türkische Künstler

Mitten im Istanbuler Altstadtviertel Beyoğlu, unweit des Galata-Turms, steht das Künstler-Atelierhaus von Manzara Istanbul. Rund 35 Bildende KünstlerInnen und SchriftstellerInnen aus Deutschland hatten in den letzten drei Jahren die Möglichkeit, dort zu leben und zu arbeiten. Sie kamen mit Hilfe von Stipendien deutscher Institutionen. Manzara-Gründer Erdoğan Altındiş schreibt seit 2012 auch ein eigenes, privates Stipendium aus. Die Förderung der Kunst und die Vernetzung seien die zentralen Ideen von Manzara, sagt er.

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Altındiş ist in Deutschland aufgewachsen. Vor sechzehn Jahren kam er nach Istanbul und ist geblieben. „Ich habe immer einen Ort gesucht, an dem ich beide Kulturen leben kann. Das habe ich hier in Beyoğlu gefunden, als ich den Muezzin-Ruf und die Kirchenglocken gleichzeitig hörte“, erinnert er sich. Das neue Stipendium richtet sich daher auch speziell an in Deutschland lebende Künstler mit türkischen Wurzeln. Altındiş wünscht sich, dass sie dieselbe Erfahrung machen können, wie er, und dass sie Gelegenheit bekommen, sich vor Ort in der Türkei mit ihren Wurzeln zu befassen.

Bislang wird das Atelierhaus in der Tatar Beyi Sokak von Stipendiaten der HBK Braunschweig, der Kunststiftung NRW und des Kulturamtes der Stadt Köln bewohnt. Derzeit arbeitet dort unter anderen der Kölner Dichter Gerrit Wustmann an der Fortsetzung seines Gedichtzyklus „Beyoğlu Blues“. „Das Buch entstand hier, und es war klar, dass es keinen anderen Ort geben kann, um die Arbeit fortzusetzen“, sagt er. „Istanbul ist mit seiner Atmosphäre und seinen krassen Gegensätzen eine enorm inspirierende Stadt, die Künstlern viele Möglichkeiten bietet und neue Perspektiven eröffnet.“ Gemeinsam mit Altındiş hat er eine Lesung organisiert, die im Mai in den Räumen von Manzara stattfand.

Achim Wagner, ebenfalls Lyriker, wohnte als einer der ersten Stipendiaten der Kunststiftung NRW von Juni bis Dezember 2009 im Atelierhaus. „So etwas irre Spannendes wie diese Stadt habe ich noch nicht erlebt“, kommentierte er in der Süddeutschen Zeitung seine Eindrücke.

„Die Idee für das Atelierhaus für Stipendiaten entstand an einem Tisch zwischen Bogomir Ecker von der HBK Braunschweig und mir. Bogomir knüpfte Kontakte zur Stadt Köln und zur Kunststiftung NRW, es gab eine Besichtigung mehrerer von mir vorgeschlagener Häuser, und als die Entscheidung gefallen war kam die Sache ins Rollen“, erzählt Altındiş. Im Gegensatz zu anderen institutionellen Projekten, die oft mit bürokratischen Hürden zu kämpfen haben, dauerte es hier nur ein halbes Jahr von der Initialzündung bis zum Einzug der ersten Künstler.

Auf das erste gänzlich institutionsunabhängige Manzara-Stipendium haben sich über zwanzig KünstlerInnen verschiedenster Disziplinen beworben; in der Jury sitzen neben Altındiş selbst auch SZ-Korrespondent Kai Strittmatter, der Journalist und Filmemacher Osman Okkan sowie der Regisseur Neco Çelik. Ein zweites Stipendium, das sich diesmal an Architekten richtet, wird für den Winter 2012 ausgeschrieben. Erdoğan Altındiş: „Ich fände es schön, wenn dieser Ansatz sich etablieren würde, daher suche ich momentan nach weiteren Sponsoren und Unterstützern, die bereit sind, junge Talente zu fördern.“

Weitere Infos unter www.manzara-istanbul.com


Die historische Trambahn auf der Istiklal Caddesi in Beyoglu-Istanbul (Bild: CineTreff-Archiv)
Die historische Trambahn auf der Istiklal Caddesi in Beyoglu-Istanbul (Bild: CineTreff-Archiv)

Der Galata-Turm in Istanbul (Bild: CineTreff-Archiv)
Der Galata-Turm in Istanbul (Bild: CineTreff-Archiv)

Gerrit Wustmann: Beyoglu Blues. Gedichte auf Türkisch und Deutsch (Fixpoetry Verlag 2011)
Gerrit Wustmann: Beyoglu Blues. Gedichte auf Türkisch und Deutsch (Fixpoetry Verlag 2011)

Datum: 02.06.2012

 

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