logo
Werbung;
Cineastentreff Kino Film Netzwelt Kino Film Google+: Die nächste Internet-Revolution?

Google+: Die nächste Internet-Revolution?

Neue Funktionen des Google-Netzwerks

Seit knapp einem Jahr ist auch der kalifornische Suchmaschinengigant mit einem eigenen Social Network vertreten. Bislang kann Google+ mit Marktführer Facebook nicht mithalten und ist mit knapp zweieinhalb Millionen Nutzern in Deutschland noch vergleichsweise schwach (zum Vergleich: bei Facebook sind es fast 22 Millionen). Das könnte sich bald ändern…

Werbung;

 

Zumindest hat Google einen entscheidenden Vorteil, mit dem Mark Zuckerberg nicht dienen kann: Die weltweit größte und erfolgreichste Suchmaschine. Schon seit einer Weile feilt Google an personalisierten Suchergebnissen. Was mitunter noch recht holprig funktioniert, klappt bei all jenen besser, die einen Account bei Google haben. Durch die Zusammenlegung unterschiedlicher Google-Services (Mail, Plus, Youtube etc.) kann eine breitere Datenbasis gewonnen werden, die immer stärker in die Suchergebnisse einfließt.

Das kann als Versuch gewertet werden, dem Nutzer entgegen zu kommen, denn immer häufiger wurden zuletzt die Klagen über vermüllte Suchergebnisse, die in der Regel den SEOs geschuldet waren. SEOs, dass sind Suchmaschinenoptimierer. Ganze Agenturen befassen sich heute mit diesem Thema und versprechen, die Websites ihrer Kunden weit oben in den Suchergebnissen zu platzieren. Mehrere hundert Kriterien in Googles Suchalgorhythmus bestimmen, ob eine Website weit oben oder weit unten landet, und nur eine Handvoll dieser Kriterien sind öffentlich bekannt. Zum Beispiel die Regel, dass eine Seite weiter oben landet, je stärker von außen auf sie verlinkt wird. Ergo waren in den letzten Jahren ganze Heerscharen von SEOs mit dem so genannten Linkbuilding beschäftigt, Webseitenbetreiber tauschten und kauften Links um ihre Seiten zu stärken. Mitunter funktionierte das tatsächlich, hatte aber den eben genannten Nebeneffekt, dass für den Endnutzer völlig irrelevante Websites weit oben in der Suche auftauchten. Seit Google dieses Verhalten in seinen Webmaster-Guidelines als Spam eingeordnet hat (http://support.google.com/webmasters/bin/answer.py?hl=de&answer=35769) herrscht Panikstimmung in der Branche. Denn was Google als Spam deklariert, das sorgt für eine Abstufung im Ranking.

Folgerichtig bieten die SEOs seit wenigen Wochen aktives Linkunbuilding an und versprechen, all diese schädlichen Links zu deakivieren, die teils in jahrelanger mühsamer Arbeit aufgebaut wurden. Und man darf davon ausgehen, dass die Linkunbuilder Google genau mit dieser erwartbaren Reaktion in die Falle gehen: Denn nun können sich die Verantwortlichen bei Google in Ruhe zurücklehnen und beobachten, an welchen Stellen plötzlich größere Mengen an Links verschwinden. Vermutlich war die Identifizierung von Spammern nie einfacher als in diesen Tagen. Andere Insider bezweifeln wiederum, dass getauschte oder gekaufte Links wirklich zu einer Abwertung führen, denn dann könne man ja problemlos Konkurrenten ausschalten, indem man sie mit Links bombardiere.

Tatsächlich schlägt Google mit dem Umkrempeln der Guidelines, Veränderungen im Suchalgorhythmus und dem Integrieren von Google+ in die Suchergebnisse eine ganz neue Richtung ein. Das Ziel scheinen Qualität und Professionalität zu sein, wovon am Ende sowohl die Nutzer als auch diejenigen profitieren dürften, die Content bereitstellen – insbesondere Autoren und Journalisten.

Manchem ist es vielleicht schon aufgefallen, dass in den Suchergebnissen (im englischsprachigen Raum bereits wesentlich stärker als in Deutschland) neben den Snippets ein Bild des Autors auftaucht – samt Link zu seinem Profil bei Google+, falls er eins hat. Diese Änderung ist bei näherer Betrachtung hochinteressant. Wie sie genau funktioniert erklärt Google auf einer eigenen Hilfeseite (http://support.google.com/webmasters/bin/answer.py?hl=de&answer=1408986). In seinem Profil gibt Journalist X an, dass er für Publikation Y arbeitet. Publikation Y verlinkt nun mittels eines bestimmten html-Tags die Artikel von Journalist X mit dessen Profil in Googles sozialem Netzwerk. Dadurch wird X zum verifizierten Autor. Google weiß nun, dass die Angabe des Profilinhabers korrekt ist.

Für Autoren und Verlage bietet das neue System ungeahnte Möglichkeiten, ebensosehr für Blogger und kleine, unabhängige Onlinepublikationen. Denn sobald ihr Profil verifiziert ist und Autorenportrait mit Link zu Google+ in den Suchergebnissen auftaucht, ergibt sich eine deutliche optische Hervorhebung, die allein schon die Klickrate erhöhen dürfte. Dann geht es darum, dass die Beiträge von den Lesern geplussed werden (das Google-Pendant zu den Likes auf Facebook). Der Vorteil liegt auf der Hand: Sobald ein Leser sein Gefallen kundtut, stärkt er damit nicht nur den einen betreffenden Beitrag, sondern zugleich das Profil des Verfassers. Je mehr geplussed wird, desto stärker wird das Profil, was sich in logischer Folge auch auf die Publikationen auswirken wird, für die der betreffende Autor schreibt. Und hieraus ergibt sich für professionelle Schreiber auf lange Sicht der wohl wichtigste Pluspunkt des Ganzen: Websites / Magazine / Blogs werden sich mit billigen Schrottcontent nicht mehr behaupten können. Wenn sie hoch ranken wollen, müssen sie um Autoren mit starkem Profil buhlen. Im Gegenzug können professionelle Autoren wieder angemessene Preise für ihre Arbeit verlangen. Denn die Arbeit muss aus inhaltlicher Sicht gut sein, nicht mehr aus SEO-Sicht.

Auf die etablierten Presseverlage könnten damit Probleme zukommen. Denn auch sie werden sich auf diesem Wege um Leser bemühen müssen, wenn sie nicht im Ranking von unabhängigen Medien überholt werden wollen. Bei Springer und Co jedenfalls scheinen die Neuerungen noch nicht angekommen zu sein. Denn unter diesen Umständen ein Leistungsschutzrecht durchboxen zu wollen heißt nichts weniger als einen Krieg gegen die eigenen Autoren zu führen.

Und auch Facebook wird sich etwas einfallen lassen müssen. Der Grund, warum die Abwanderung hin zu Google+ noch so gering ist, dürfte sich mit Gewöhnung erklären lassen. Wozu ein weiteres Social Network, wenn man sich gerade erst an eins gewöhnt hat? Aber dieser Wind wird drehen. Für professionelles Online-Marketing wird Google+ allein durch die Bindung an die Suchmaschine in wenigen Jahren unverzichtbar sein, die Medien werden aus den eben genannten Gründen zweifellos ebenfalls umsatteln. Und der Endnutzer? Der kann Facebook dann weiterhin nutzen um seine Urlaubsfotos mit Freunden und Bekannten zu teilen. Aber das kann er bei Google+ ebenfalls. Vor einem Jahr wurde Googles Netzwerk mitunter zur Totgeburt erklärt. Nun punktet das Unternehmen erneut mit unerwarteten Innovationen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Google das Internet umkrempelt…

Autor: Michael Babilinski

Datum: 24.07.2012

 
Artikel ID 90001012

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    The Social Network
    Mark Zuckerberg, der Gründer des Social Networks Facebook, ist der jüngste Selfmademilliardär der Welt. Sein Onlinedienst ist bei Datenschützern umstritten, er selbst führte einen erbitterten Prozess gegen ...

    Anonymous kündigt Facebook-Hack an
    Die Aktivisten-Gruppe Anonymous holt zum Schlag gegen Facebook aus. In einer Pressemitteilung und einem seit Kurzem im Netz kursierenden Video wird die „Operation Facebook“ für den 5. November 2011 angekündigt.

    Solidarität mit Website-Betreibern in Schleswig-Holstein
    ULD will Website-Betreiber für Facebooks Like-Buttons bestrafen / Online-Kulturmagazin Cineastentreff.de startet Solidaritäts-Aktion auf Facebook / Thilo Weicherts Vorgehen ist „billiger Polit-Aktionismus“


 
Werbung;