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25 Jahre Appetite For Destruction

Das letzte große zeitlose Rockalbum

Am 31. Juli vor genau fünfundzwanzig Jahren veröffentlichte die damals noch völlig unbekannte Rockband Guns N‘ Roses mit „Appetite For Destruction“ ihren ersten Longplayer – mit 28 Millionen verkauften Einheiten heute das erfolgreichste Debüt aller Zeiten. Es war das letzte große zeitlose Rockalbum, die letzte Scheibe, die nochmal einschlug wie die sprichwörtliche Bombe. Danach kamen Nirvana und trugen die Rockmusik zu Grabe – zumindest für das Massenpublikum. Derweil klingen die Stücke von Axl Rose, Izzy Stradlin, Slash und Co. Heute noch so frisch und angriffslustig wie vor einem Vierteljahrhundert.

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Es ist viel passiert in diesem Vierteljahrhundert. Die Mauer fiel, der Euro kam, Bush führte Krieg, Schröder führte Hartz IV ein, der Kapitalismus röchelt vor sich, während wir freudig Banken retten – kaputte Welt. Mit „Appetite For Destruction“ rennt man längst offene Türen ein. Mitte der Neunziger schien es auch mit Guns N‘ Roses vorbei zu sein, Gitarrist Slash verließ die Band, es sah aus, als würde sich eine kurzlebige aber umso heftigere musikalische Eruption verabschieden. Im Grunde wäre das passend gewesen, waren doch die Neunziger ein einziges musikalisches Jammertal. Doch es kam anders. Axl Rose machte weiter, der Starrsinn, die Radikalität, die „Appetite“ ausmachten war keine Pose sondern echt. Das ist die Message, die auch auf dem 2008 erschienenen „Chinese Democracy“ noch deutlich zu vernehmen ist.

Wenn heute in einem Stadion die Lichter ausgehen und die ersten Akkorde von „Welcome To The Jungle“ die verrauchte Luft in Stücke schneiden ist es, als wäre nicht ein einziger Tag vergangen seit 1987. Dabei zündete die Bombe damals nicht auf Anhieb. Plattenläden weigerten sich, die LP mit dem Gemälde von Robert Williams zu verkaufen. „Some prudes still don’t like it“ twitterten Guns vor einigen Tagen, als anlässlich des Jubiläums über das Cover diskutiert wurde wie damals. Das Originalbild hängt längst bei Axl Rose im Wohnzimmer, unlängst gab er die Anekdote zum Besten, Williams würde ihn heute dafür hassen, dass er es ihm in den Achtzigern für ein paar Hunderter abluchste. Heute dürfte es ein paar Millionen wert sein.

Stattdessen wurde das Cover durch ein Kreuz ersetzt, das Rose sich ein Jahr zuvor auf den Unterarm hatte tätowieren lassen – es zeigt die Band in Form von Totenköpfen. Vielleicht wusste er damals schon, dass dieses Lineup nicht lange bestehen würde. Auch MTV wollte „Welcome To The Jungle“ nicht spielen. Zu heftig, soetwas war man nicht gewohnt, wollte man dem zart besaiteten Massenpublikum nicht zumuten. Doch es sprach sich herum. Erst in Hollywood, dann weltweit. Ihren ersten Deutschland-Gig spielten Guns damals in Düsseldorf – vor siebzehn Zuschauern. Zwei Jahre später füllten sie Stadien, und das tun sie bis heute.

„Jungle“ wurde erst nachträglich zum Hit, die großen Heuler waren „Sweet Child O’Mine“ und „Paradise City“. Doch die wahre Rockhymne des Albums, der Song, in dem sich die ganze Größe dieser fünf Typen aus Los Angeles manifestiert, ist nach wie vor „Nightrain“. So ein Stück gelingt den wenigsten Bands, so kraftvoll, kompromisslos, direkt, ehrlich, unausweichlich, ein Song, an dem einfach alles stimmt. Guns haben ihn damals einfach aus dem Ärmel geschüttelt, in ihrer angemieteten Garage an einem verdreckten Hinterhof, wie sich nachts Junkies und Nutten trafen und den Ein-Dollar-Wein namens Nightrain tranken, das einzige, was sie sich leisten konnten, weil die übrige Kohle für Heroin draufging.

„Appetite For Destruction“ war damals ein riesiges „Fuck You“ an die Welt und die Zustände und ist es bis heute. Welcher Band danach ist nochmal eine derart energiegeladene, kompromisslose Scheibe gelungen? Keiner einzigen. Und das wird sich auch in den nächsten fünfundzwanzig Jahren nicht ändern. In diesem Sinne: „I used to do a little / But a little wouldn’t do it / So the little got more and more.“

Gerrit Wustmann


Guns N' Roses "Appetite For Destruction": Das Originalcover von Robert Williams
Guns N' Roses "Appetite For Destruction": Das Originalcover von Robert Williams

Guns N' Roses "Appetite For Destruction": Das letzte große zeitlose Rockalbum
Guns N' Roses "Appetite For Destruction": Das letzte große zeitlose Rockalbum

In dem opulenten Bildband "Reckless Road" dokumentiert Fotograf Marc Canter die ersten Jahre der Band
In dem opulenten Bildband "Reckless Road" dokumentiert Fotograf Marc Canter die ersten Jahre der Band

Datum: 25.07.2012

 
Artikel ID 90001014

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