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50 Jahre Winnetou-Film: Neue Bücher

Fotografische Retrospektive

Kurz bevor Sergio Leone mit seinen Italo-Western begann, Filmgeschichte zu schreiben, produzierten die Deutschen im heutigen Kroatien das, was sie unter Western verstanden: Sie verfilmten Karl Mays naiv-reaktionäre Kitschromane und schufen damit – zumindest innerhalb Deutschlands – einen Kinokult. Die Winnetou-Filme prägten das Cowboy-und-Indianer-Bild von mehreren deutschen Kindergenerationen seit den Sechziger Jahren. Zum 50. Jubiläum des Erstlings „Der Schatz im Silbersee“ erscheinen nun im Karl May Verlag Bamberg zwei umfassende Fotobände.

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Rational betrachtet sind die Winnetou-Streifen heute eher unfreiwillig komisch. Angefangen bei der kroatischen Kulisse, die den US-Westen darstellen soll, über die beiden völlig steifen und unglaubwürdigen Hauptdarsteller Pierre Brice und Lex Barker bis hin zur verkitschten Wildwestromantik von Mays Geschichten, die mit ihrem klaren Gut-Böse-Schema in etwa die intellektuelle Tiefe der Memoiren von George W. Bush aufweisen. Es ist ähnlich wie mit den Actionserien der 80er – Knight Rider, A-Team usw. -: Damals fand man sie unglaublich cool, heute fragt man sich, wie man diesen haarsträubenden Blödsinn länger als zehn Minuten am Stück ertragen konnte.

Und dennoch gehörten sie einfach dazu, zumindest noch bei jenen, die nicht später als 1990 geboren sind – die trauten Fernsehsonntage mit den leicht verdaulichen Familienfilmen aus den 50ern und 60ern, zu denen unweigerlich auch die Winnetou-Filme gehörten. Sie sorgen dafür, dass man als Kind in den Garten stürmte und Cowboy-und-Indianer spielte und sich zu Karneval entsprechend verkleidete. Die Filme waren für viele die Begleitmusik zu einer behüteten Zeit der Unschuld. In der Regel verklärt sich Derartiges später zu einem nostalgischen Bild, das in der Realität nicht haltbar ist – von den Filmen selbst sollte man also weiterhin die Finger lassen.

Nicht aber von den beiden Bildbänden „50 Jahre Winnetou-Film“ und „Der Schatz im Silbersee“, die soeben, herausgegeben von Michael Petzel, im Bamberger Karl May Verlag erschienen sind. Während die holprig formulierten Begleittexte des Herausgebers eher Fan-Lobhudelei statt informative Erhellung und daher verzichtbar sind, ist seine Bildauswahl umso wertvoller, denn im Gegensatz zum Wiedersehen der Filme sind sie in der Lage, die süßen Erinnerungen aufleben zu lassen. Petzel hat tief in den Archiven gewühlt und neben gestellten Pressefotos der Darsteller auch hunderte Fotos ausgegraben, die Fotojournalisten während der Dreharbeiten anfertigten (leider nur wenige, die einen Blick hinter die Kulissen werfen). Die Qualität der weit über 300 Fotos ist zudem erstaunlich gut, bedenkt man ihr Alter. Interessant sind auch die Impressionen des jungen Götz George oder der damals noch gänzlich unbekannten Uschi Glas. Und beim Betrachten der Bilder erklingt im Geiste unweigerlich der Score von Martin Böttcher… Für Winnetou-Fans ebenso zu empfehlen wie für Nostalgiker, die einen Ausflug in die Kindheit unternehmen möchten. (gw)


Der Schatz im Silbersee - Film-Bildbuch, Hrsg Michael Petzel, Karl May Verlag, Bamberg 2012
Der Schatz im Silbersee - Film-Bildbuch, Hrsg Michael Petzel, Karl May Verlag, Bamberg 2012

De50 Jahre Winnetou-Film, Hrsg Michael Petzel, Karl May Verlag, Bamberg 2012
De50 Jahre Winnetou-Film, Hrsg Michael Petzel, Karl May Verlag, Bamberg 2012

Datum: 03.08.2012

 

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