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Huhn mit Pflaumen (DVD & Blu-Ray)

Vergeigtes Märchen

Mit der brillanten Verfilmung ihrer Graphic Novel „Persepolis“ erntete Marjane Satrapi Weltruhm. Nun erscheint ihr zweites Werk „Huhn mit Pflaumen“ fürs HomeCinema. Die märchenhafte Geschichte um den Geiger Nasser Ali Khan, der seiner großen Liebe Irane nachtrauert leidet trotz starker Bilder und großartiger Darsteller wie Golshifteh Farahani daran, dass an jeder Ecke zu dick aufgetragen wird und die Handlung zu unschlüssig bleibt.

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Teheran, 1958. Der weltberühmte Geiger Nasser Ali Khan (Mathieu Amalric) beschließt zu sterben. Vordergründig, weil er nicht mehr spielen kann, hintergründig, weil er an seinem Leben zerbricht, nachdem er seine große Liebe zurücklassen musste. Seine Frau Faringuisse (Maria de Medeiros) hat im Streit seine geliebte Geige zerschlagen, die ihn um die ganze Welt begleitet hatte. Die Geige, auf der er gespielt hatte, als ihn Jahrzehnte zuvor die künstlerische Erleuchtung in Form der schönen Irane (Golshifteh Farahani) ereilt hatte. Liebe auf den ersten Blick. Doch die Liaison kam nicht zustande, weil Iranes Vater sich stur weigerte, seine Tochter einem potentiell brotlosen Künstler anzuvertrauen.

Auf Druck seiner Mutter Parvine (Isabella Rossellini) heiratet Nasser Ali dann Faringuisse, die er nicht liebt und nie lieben wird, und bekommt zwei Kinder mit ihr. Als Faringuisse sich an der Geige vergeht, seiner einzigen noch verbliebenen Verbindung zu Irane, entschließt er sich, zu sterben. Aber Nasser Ali leidet nicht nur an der verlorenen Liebe und seiner ungeliebten Frau; auch sein Bruder, der Kommunist, geht ihm mächtig auf den Keks, und sein Sohn schafft es, noch den tragischsten Moment zu demolieren. Von den familiären Zwängen mal ganz abgesehen.

All das wird inszeniert in beeindruckenden, märchenhaften Bildern, in denen abwechselnd traumhafte Animationen und eine überbordende Studiolandschaft in Szene gesetzt werden. Das Problem des Films bringt Regisseurin Satrapi im Making Of auf den Punkt: Dies sei ihr „Zu viel von allem“-Film, ein Melodram brauche die Übertreibung. Das mag stimmen. Aber auch die Übertreibung muss ihre Grenzen kennen, und über die schießt die Perfektionistin Satrapi, die ihren brillanten Darstellern keinerlei Raum zur Improvisation lässt, meilenweit hinaus. Die Story zerfasert in zahlreichen Einschüben, die vor- oder zurückgreifen, die Bilder verlieren nach einer Weile ihre Kraft, weil an allen Ecken und Enden zu dick aufgetragen wird, und die tragische und an sich wunderschöne Liebesgeschichte droht mehrfach, in Kitsch abzudriften. Dass außer Farahani nahezu alle Darsteller Franzosen sind und auch persische Namen konsequent mit französischem Akzent ausgesprochen werden trägt nicht gerade zur Authentizität bei. Und so bleibt die deutsch-französische Produktion leider hinter ihren Möglichkeiten zurück. Schade eigentlich. Als typisch iranisches Gericht ist Huhn mit Pflaumen ein Genuss. Als Film bleibt ein fader Nachgeschmack.

Gerrit Wustmann


Huhn mit Pflaumen von Marjane Satrapi mit Solshifteh Farahani und Isabella Rossellini
Huhn mit Pflaumen von Marjane Satrapi mit Solshifteh Farahani und Isabella Rossellini

Datum: 26.10.2012

 

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