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Neil Young & Crazy Horse: Psychedelic Pill

Der Rock-Gigant ist zurück

Es ist seit fast zehn Jahren das erste Studioalbum mit neuem Material, das Neil Young mit “Psychedelic Pill” auf zwei CDs vorlegt, und allein der 27minütige Opener “Driftin Back” setzt neue Maßstäbe und last die Konkurrenz weit hinter sich, was nicht nur am Text und Youngs so typischem Gitarrenspiel liegt, sondern an der strukturellen Gigantomanie, die sich erst nach mehrmaligem Hören so richtig erschließt. Eine Pille, die man unbedingt einwerfen sollte, ein Trip, und was für einer!

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Kurz vor Release von „Psychedelic Pill“ war Neil Young nicht etwa auf Promotour für seine neue Doppelscheibe. Nein, er stand bei seinem alljährlich organisierten Charity-Event Bridge School auf der Bühne, um Gelder für behinderte Kinder und Jugendliche zu sammeln. Bei ihm unter anderen auch Eddie Van Halen und Guns N‘ Roses. Eine Woche später saß Axl Rose in der Late Night Show von Jimmy Kimmel und erzählte mit strahlenden Augen davon, dass es auch für ihn noch immer ein Ereignis sei, mit einer Größe wie Young die Bühne zu teilen.

Und mal ehrlich: Wo gibt es solche Musiker heute noch? Diejenigen, die den Rock bestimmen und formen sind heute noch dieselben wir vor dreißig, vierzig Jahren. Es gab viel Nachwuchs, der von ihnen beeinflusst war und ist, und es gibt noch immer gute Indiebands, die leider niemand kennt, aber wirklich neue Schübe gab es seit den Achtzigern nicht mehr. Man kann das bedauern, man kann sich aber auch einfach nur freuen, dass Young und Konsorten noch da sind, noch aktiv sind und nach wie vor zeitlose Musik produzieren, die auch in zweihundert Jahren noch gehört werden wird, ganz einfach wie sie echt sind und Eigenes machen, statt mit Versatzstücken zu arbeiten und den Ruhm über die Arbeit zu stellen.

Auf „Psychedelic Pill“ spielt Young mit derselben Band wie 1975: Poncho Sampedro (Gitarre), Billy Talbot (Bass) und Schlagzeuger Ralph Molina. Die Spielfreude und die enorme Chemie der Trupp sind geblieben, ebenso Neil Youngs simple, eingängige aber dabei tiefsinnige und höchst lyrische Texte. Trotz der retrospektiven Attitüde, sei es nun auf Musik und deren Datenträger oder emotionale Tiefschläge bezogen, kommt das alles sehr modern daher, sehr heutig, das sind Songs, die 1975 ebenso gut funktionieren konnten wie sie es 2012 können und sie werden auch 2075 noch funktionieren. Stück für Stück formt die Band dazu ausufernde Klanglandschaften, abgerundet durch Youngs grandiose Soli, und am Ende steht man vor Songs, die allein strukturell so radiountauglich sind, wie es nur geht, und das ist in jeder Hinsicht positiv gemeint. Young scheißt auf Konventionen, as usual. Vor allem zeigt Young, wie Avantgarde funktioniert: Durch Könnerschaft, die Stück für Stück Neues wagt, ohne das Alte in Fetzen zu reißen. (gw)


Neil Young & Crazy Horse: Psychedelic Pill
Neil Young & Crazy Horse: Psychedelic Pill

Datum: 29.10.2012

 

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