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Total Recall: Schwarzenegger blickt zurück

Bodybuilder, Actionstar, Gouverneur: Die Autobiografie

Arnold Schwarzenegger scheint das Klischeebild des American Dream zu verkörpern: Im Kuhdorf Thal in Österreich aufgewachsen ging er mit Anfang zwanzig in die USA, wurde mehrfacher Mr. Universum, gefeierter Star des Actionkinos und schließlich umstrittener Gouverneur von Kalifornien. Genug Stoff für eine Autobiografie, soviel steht fest. Und im Gegensatz zu all den C- und D-Promis, die ihre zweifelhaften Ergüsse zwischen Buchdeckel klatschen, hat er tatsächlich etwas zu sagen. Unter dem Titel „Total Recall: Die wahre Geschichte meines Lebens“ veröffentlichte er seine mit Co-Autor Peter Petre geschriebenen Erinnerungen nun auch in Deutschland (Hoffmann & Campe).

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Seinem Seitensprung mit dem Kindermädchen im Jahr 1997, aus dem ein Sohn und vierzehn Jahre später eine kaputte Ehe hervorging, räumt er nur wenige Seiten ein, und das ist gut so. Das Buch bedient ganz bewusst nicht die Klatschspalten, und er lässt diesen Aspekt des Privaten weitestgehend dort, wo er hingehört: im Privaten. Wer sich Klatsch und Tratsch aus Hollywood verspricht, ist ebenfalls an der falschen Adresse. Seine Weggefährten, auch jene, mit denen es Streit und Zerwürfnisse gab, behandelt Schwarzenegger mit dem gebotenen Respekt und einer Distanz, die Voyeuren den Wind aus den Segeln nimmt.

Vorrangig zeichnet er einen beachtlichen Lebensweg nach, und es wird rasch klar, wie er gelingen konnte: Schwarzenegger wurde nichts geschenkt. Im Gegenteil. Sein Erfolgsrezept ist im Grunde simpel: Glaube an dich selbst und scheue nicht das Risiko. Er wird nicht müde, es an zahlreichen Beispielen durchzuexerzieren. Sein erster Traum war es, nicht bloß ein erfolgreicher Bodybuilder zu werden, sondern der erfolgreichste. Es ist ihm gelungen, weil er nicht aufgab, vor allem aber weil er immer wieder bereit war, sich selbstkritisch zu hinterfragen. Reich wurde er mit dem Nischensport, der ihm einiges zu verdanken hat, nicht, also baute er sich noch vor der Filmkarriere ein zweites Standbein auf dem Immobilienmarkt auf, was es ihm erlaubte, aus einer sicheren Position heraus Kontakte in Hollywood zu knüpfen und von Anfang an Rollen abzulehnen, die ihm nicht zusagten. Interessant sind die tiefen Einblicke in das Räderwerk Hollywoods und die oft starren Haltungen, die Innovation ausbremsen. Es gab mehrere Fälle, in denen Filme nicht zuletzt am Studio oder der Marketingabteilung scheiterten. Dass Conan 2 ein Flop werden würde, war im Vorfeld absehbar, schreibt Schwarzenegger. Das Problem war, dass die Studios nach dem Erfolg von E.T. auf Familienfilme setzen wollten. Dass das aber auch zur Story passen muss und einen lieben, braven Barbaren keiner sehen will, das drang nicht durch, soviel Gewicht hatte Arnies Stimme damals noch nicht.

Durch die Ehe mit Maria Shriver gelangte Schwarzenegger schon früh in die Machtzirkel der USA und lernte beim Kennedy-Clan, wie man politische Ziele durchsetzt – obwohl er selbst Republikaner ist, eckte er bei den Kennedys eher selten an. Und später als Gouverneur versuchte er stets, Kompromisse über Parteigrenzen hinweg zu gestalten, bei republikanischen Hardlinern galt er aufgrund seines Engagements in der Umwelt- und Gesundheitspolitik mitunter gar als Linker. Auf der anderen Seite steht seine im Buch immer wieder durchschimmernde arg naive Haltung dem Militär und dessen Einsätzen gegenüber. Eine kritische Haltung etwa zu Bushs Kriegspolitik oder zu den außenpolitischen Desastern seines Vorbilds Reagan sucht man vergeblich. Was aber bei allem Fragwürdigen, das seine Amtszeit liefern mochte, deutlich spürt, ist, dass Schwarzenegger stets ein Überzeugungstäter war. Er hatte klar begründete Ziele und versuchte, sie mit größtmöglichem Konsens zu realisieren. Für den Opportunismus und die parteipolitischen Grabenkämpfe, von denen die Politik auch in Deutschland permanent gelähmt wird, hat er nichts übrig, sein Buch ist letztlich auch ein Appell an politische Entscheidungsträger, sich selbst und die persönlichen Ideologien zurückzunehmen und rational zu Ergebnissen zu kommen.

Unterm Strich ist Schwarzeneggers Buch nicht nur für Fans interessant, sondern auch für all jene, die verstehen wollen, wie die amerikanische Gesellschaft tickt, an die auch der Österreicher Schwarzenegger sich erstmal mühsam herantasten musste. Für all jene, die des Englischen mächtig sind, empfiehlt es sich aber, die Originalausgabe zu lesen, denn die deutsche Fassung, an der vier Übersetzer werkelten, wirkt allzusehr mit heißer Nadel gestrickt, und zahlreiche Fehler und Holprigkeiten bremsen den Lesefluss aus. So etwas passiert, wenn ein Werk auf Biegen und Brechen pünktlich zur Buchmesse vorliegen soll. Da hätte Perfektionist Schwarzenegger ein Auge drauf haben sollen.

Wer Arnie wieder auf der Leinwand sehen will, der muss sich nur noch bis Januar gedulden – dann ist er in Kim Je-Woons Actionspektakel „The Last Stand“ als Kleinstadtsheriff zu sehen, der es mit einem schwer bewaffneten Drogenkartell aufnimmt. Im Sommer folgt dann der Gefängnisfilm „The Tomb“ an der Seite von Sylvester Stallone; derzeit steht er für den Thriller „Ten“ vor der Kamera, in dem er ein Mitglied einer Spezialeinheit mimt; geplant sind außerdem Fortsetzungen von „Twins“, „Conan“ und „Terminator“. (gw)


Arnold Schwarzenegger legt seine Autobiografie "Total Recall" vor.
Arnold Schwarzenegger legt seine Autobiografie "Total Recall" vor.

Datum: 21.11.2012

 

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