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Helmfried von Lüttichau: was mach ich wenn ich glücklich bin

Der dichtende Schauspieler, der schauspielernde Dichter

Es kommt ja nicht selten vor, dass Schauspieler sich als Buchautoren versuchen, manch einer macht gar Ausflüge in die Lyrik, und zumeist gehen diese Versuche reichlich schief, entern aufgrund der Namensprominenz aber dennoch die Bestsellerlisten. Helmfried von Lüttichau ist eine höchst angenehme Ausnahme. Seine Gedichte sind stilistisch geschliffen und überraschen mit Wortwitz und Wortspiel. „was mach ich wenn ich glücklich bin“ ist soeben im Fixpoetry Verlag erschienen, illustriert wurde der edle Hardcover-Band von Anja Nolte.

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Helmfried von Lüttichau kennt das TV-Publikum aus „Tramitz and Friends“, „Der letzte Bulle“ und „Alles was recht ist“, auf der Kinoleinwand war er unter anderem in „Ossis Eleven“ zu sehen. Er spielte am Schauspielhaus Frankfurt, der Freien Volksbühne Berlin und im Düsseldorfer Schauspielhaus und arbeitete als Synchronsprecher. Gedichte schreibt er seit 1996. Er hat sich Zeit gelassen mit seinem Debüt, und das merkt man. Dass er nicht bloß der nächste in der Riege der Ich-schreib-jetzt-auch-Bücher-Schauspieler ist, zeigt sich schon daran, dass sein Werk nicht in einem großen Publikumsverlag mit Endziel Grabbeltisch erscheint, sondern im renommierten kleinen Lyrikverlag Fixpoetry aus Hamburg.

„Kennen Sie das?“ fragt der Autor im Klappentext. „Wenn man zu jemandem sagt ‚…ich schreib Gedichte‘ und dann kommt als Antwort sofort dieses: ‚Ach du lieber Gott!‘ Also mir passiert das dauernd. Ich versuch’s dann immer zu retten und sag ganz schnell dazu: ‚…ja, aber meine versteht man.‘ Das reißt’s aber meistens auch nicht mehr raus…“

Sollte es aber. Denn von Lüttichaus Lyrik ist höchst lesenswert und – wenn man die stimmlichen Qualitäten des Autors bedenkt – sicherlich auch hörenswert, weshalb sich das Publikum ab Dezember auch auf Lesungen freuen darf. „Das Flapsige und das Schalkhafte mag er und spannt es mit Sachlichkeit zusammen“, schreibt Christian Döring im Vorwort. Döring leitete 2009 ein Lyrikseminar in Venedig, an dem von Lüttichau teilnahm. Diese Kombination von Flaps und Schalk und Sachlichkeit sorgt nicht selten dafür, dass sich der Leser an Erich Kästner erinnert fühlt, wobei die Sachlichkeit gern auch mal in die Melancholie kippt. In manchen Gedichten erzählt er kleine, augenzwinkernde Geschichten, in anderen zeichnet er mit wenigen knappen Versen präzise und stimmungsvolle Momentaufnahmen.

Und er scheut sich auch nicht, den Dichter selbst aufs Korn zu nehmen:

gefallen will es mir
schon das Gebilde
sein Rhythmus
der Klang
gar der Gedanke
nur andere Wörter
denke ich
braucht es
damit er
sichtbar wird
der Hochstapler
hinter den Zeilen


Ergänzt werden die Gedichte durch die farbenfrohen Illustrationen von Anja Nolte, in deren Mittelpunkt stets Lüttichau selbst steht – im Kontext seiner Gedichte.

Gerrit Wustmann


Helmfried von Lüttichau: was mach ich wenn ich glücklich bin. Gedichte mit Illustrationen von Anja Nolte, Hardcover mit Lesebändchen, 130 Seiten, 14,90 Euro (Fixpoetry Verlag Hamburg, www.fixpoetry.com)
Helmfried von Lüttichau: was mach ich wenn ich glücklich bin. Gedichte mit Illustrationen von Anja Nolte, Hardcover mit Lesebändchen, 130 Seiten, 14,90 Euro (Fixpoetry Verlag Hamburg, www.fixpoetry.com)

Datum: 30.11.2012

 

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